News-Archiv

Hier finden Sie die News aus den letzten Jahren.

Flüchtlinge 29.10.2015

Montgomery fordert Gleichbehandlung von Flüchtlingen

Berlin - Das Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz reiche nicht aus, um alle Probleme bei der gesundheitlichen Versorgung von Flüchtlingen zu lösen. Darauf verweist Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, in einem Video-Interview. Notwendig sei eine Gesundheitskarte für alle Flüchtlinge. Diese müsse schon bei der Erstregistrierung ausgehändigt werden, um ihnen den Zugang zur Regelversorgung zu ermöglichen. Im nächsten Schritt müssten „die Einschränkungen des Asylbewerberleistungsgesetzes aufgehoben werden“, so Montgomery. „Wir haben als Ärzte die Verpflichtung, alle Menschen gleich zu behandeln.“
Flüchtlinge 16.10.2015

Psychotherapie und Dolmetscher für psychisch kranke Flüchtlinge

Berlin - Bundesärztekammer (BÄK) und Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) fordern eine bessere psychotherapeutische und psychiatrische Versorgung von psychisch kranken Flüchtlingen. Ob ein Flüchtling eine Psychotherapie benötigt, muss von unabhängigen und qualifizierten Gutachtern geprüft werden. Bisher fällen solche Entscheidungen viel zu häufig Sachbearbeiter in den Sozialbehörden oder fachfremde Gutachter. Falls eine Psychotherapie indiziert ist, muss außerdem der Einsatz von Dolmetschern finanziert werden. BÄK und BPtK schlagen deshalb gemeinsam ein Modellprojekt für die psychotherapeutische Versorgung von Flüchtlingen vor, das aus Bundesmitteln finanziert werden soll. Beide Kammern greifen damit auch eine Forderung der Integrations- und der Gesundheitsministerkonferenz auf, die vorgeschlagen hatten, den Einsatz von Dolmetschern in der psychotherapeutischen Behandlung in einem Modellprojekt zu erproben. Eine solche Finanzierung von Dolmetschern ist in der Asylrechtsreform, die gestern vom Deutschen Bundestag verabschiedet wurde, nicht vorgesehen. Kern des Modellprojekts sind drei aufeinander abgestimmte Module. Das erste Modul sieht den Aufbau eines bundesweiten Dolmetscherpools vor. Dieser könnte von Anbietern geleistet werden, die bereits in der Sprachmittlung tätig sind. Eine Koordinierungsstelle würde die Sprachmittler qualifizieren und zertifizieren, an Ärzte und Psychotherapeuten vermitteln und auch deren Vergütung abwickeln. Als zweites Modul schlagen BÄK und BPtK in jedem Bundesland eine Koordinierungsstelle für die psychotherapeutische Behandlung von Flüchtlingen vor. Diese soll für die Beantragung, Begutachtung, Genehmigung sowie Vergütung von Psychotherapien bei Flüchtlingen zuständig sein. Die Begutachtung, ob die beantragte Psychotherapie indiziert ist, soll durch einen unabhängigen und qualifizierten Gutachter erfolgen. Die Koordinierungsstelle entscheidet über die Psychotherapie auf Grundlage des Votums des Gutachters. Sie leistet auch die Vergütung der Ärzte und Psychotherapeuten und rechnet die Ausgaben mit der Behörde ab, die gesetzlich die Kosten übernehmen muss. Ein drittes Modul stellt die erforderliche Qualifizierung der Ärzte und Psychotherapeuten sicher. Ärzte und Psychotherapeuten sollten über spezifische Kompetenzen bei der Versorgung von Flüchtlingen verfügen, zu denen zum Beispiel asylrechtliche Kenntnisse gehören. Solche Kompetenzen sollen durch entsprechende Fortbildungen der Landesärztekammern bzw. Landespsychotherapeutenkammern sichergestellt werden. Zudem sollte es möglich sein, dass sich nicht nur Vertragsärzte und -psychotherapeuten, sondern auch psychotherapeutisch tätige Ärzte und Psychotherapeuten, die in Privatpraxen, Flüchtlingszentren oder universitären Forschungs- und Hochschulambulanzen tätig sind, an dem Modellprojekt beteiligen können. Hintergrund: Knapp die Hälfte der Flüchtlinge in Deutschland leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Psychotherapie ist bei posttraumatischen Belastungsstörungen die Behandlungsmethode der Wahl. Die alleinige Behandlung mit Medikamenten ist nicht ausreichend und medizinisch in der Regel nicht zu verantworten. Kaum ein psychisch kranker Flüchtling erhält bisher jedoch eine psychotherapeutische Behandlung. Modellprojekt Versorgung psychisch kranker Flüchtlinge BPtK BÄK
Vorratsdatenspeicherung 15.10.2015

Keine Speicherung der Verkehrs- und Standortdaten von Berufsgeheimnisträgern!

Berlin - Ärzte- und Zahnärzteschaft, Apotheker, Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer haben sich gegen eine anlasslose flächendeckende Speicherpflicht für Verkehrs- und Standortdaten von Berufsgeheimnisträgern ausgesprochen. „Gegen die anlasslose Speicherung von Verkehrs- und Standortdaten bestehen generell gravierende verfassungs- und europarechtliche Bedenken. Auf jeden Fall muss zum Schutz von Mandanten und Patienten die geplante Speicherung der Verkehrs- und Standortdaten aller Berufsgeheimnisträger verhindert werden“, heißt es in einer gemeinsamen Resolution von Bundesärztekammer, Bundeszahnärztekammer, Bundesapothekerkammer, der Bundesrechtsanwaltskammer, der Bundessteuerberaterkammer und der Wirtschaftsprüferkammer. Die Berufskammern wehren sich damit gegen Regelungen eines Gesetzes zur Einführung einer Speicherpflicht und einer Höchstspeicherfrist für Verkehrsdaten, das am 16. Oktober 2015 im Bundestag beschlossen werden soll. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Telekommunikationsunternehmen verpflichtet werden, sämtliche Verkehrsdaten für zehn Wochen und Standortdaten für vier Wochen zu speichern. Auch die Verkehrs- und Standortdaten von Berufsgeheimnisträgern sollen gespeichert werden. Nach Ansicht der Berufsverbände stellt bereits die Speicherung der Daten eine nicht zu akzeptierende Beeinträchtigung des Berufsgeheimnisses und damit des zwingend erforderlichen Vertrauensverhältnisses dar. Die Speicherung der Daten ermögliche die Erstellung aussagekräftiger individueller Persönlichkeits- und Bewegungsprofile und die Aufdeckung von Entscheidungsabläufen. „Ob, wann und wie lange jemand z. B. mit einem Abgeordneten, Arzt, Apotheker, Journalisten, Rechtsanwalt oder Steuerberater Kontakt aufgenommen hat, unterliegt bereits dem Berufsgeheimnis und muss ohne jede Ausnahme vertraulich bleiben“, heißt es in der Resolution. Der freie, ungehinderte und vertrauliche Zugang zu medizinischer Versorgung, rechtlicher und wirtschaftlicher Beratung sowie Vertretung müsse uneingeschränkt gewährleistet bleiben. Ein ungestörtes und vor staatlicher Kontrolle geschütztes Vertrauensverhältnis zwischen den Berufsgeheimnisträgern und ihren Patienten und Mandanten sei essentiell für ein funktionierendes Gesundheitssystem und eine funktionierende Rechtspflege. „Der aus verfassungsrechtlichen Gründen zwingend gebotene Schutz der Berufsgeheimnisträger kann nur dadurch gewährleistet werden, dass die Daten aller Berufsgeheimnisträger nicht von der Speicherpflicht erfasst werden“, fordern die Verbände. Gemeinsame Resolution: Keine Speicherung der Verkehrs- und Standortdaten von Berufsgeheimnisträgern!...
Einsatz von Antibiotika 09.10.2015

Montgomery: „So oft wie notwendig und so selten wie möglich“

Berlin - „Antibiotikaresistente Bakterien verbreiten sich weltweit und beeinträchtigen die Möglichkeiten zur Therapie bakterieller Infektionskrankheiten. Deshalb ist es gut, dass die führenden Wirtschaftsnationen gemeinsam gegen die Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen vorgehen wollen. Nur wenn wir jetzt handeln, können wir eine Zunahme von nicht beherrschbaren Antibiotika-Resistenzen verhindern.“ Das sagte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, anlässlich des Treffens der G7-Gesundheitsminister in dieser Woche in Berlin.Antibiotika zählten zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln. „Grundsätzlich gilt beim Einsatz von Antibiotika: So oft wie notwendig und so selten wie möglich“, stellte der BÄK-Präsident klar. Bereits in der Aus- und Weiterbildung würden grundlegende Kenntnisse über Antibiotikaresistenzen und eine rationale Antibiotika-Therapie vermittelt. Zudem seien fragen zum Einsatz von Antibiotika fester Bestandteil der Fortbildungsprogramme der Landesärztekammern. In Vorträgen, Seminaren, Workshops und Curricula werde über die Diagnostik von Infektionskrankheiten, Indikationsstellung, Auswahl des Antibiotikums, Dauer der Anwendung und Nebenwirkungen der Antibiotikatherapie ebenso informiert wie auch zu Fragen der Resistenzentwicklung. Vor dem G7-Gesundheitsgipfel hatte auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zu einem verstärkten Kampf gegen resistente Krankheitserreger und gegen Epidemien aufgerufen. "Nur mit gemeinsamen internationalen Anstrengungen werden wir die Menschen auch in Deutschland wirksam vor multiresistenten Keimen und grenzüberschreitenden Epidemien schützen  können", sagte der Minister. Die BÄK hatte bereits nach der Novellierung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr  2011 eine strukturierte curriculare Fortbildung „Krankenhaushygiene“ aufgelegt. Diese Maßnahme war jedoch nur als Übergangslösung gedacht, um kurzfristig und flächendeckend genügend Ärztinnen und Ärzte in „Krankenhaushygiene“ zu qualifizieren. „Für eine dauerhafte Lösung müssen Bund und Länder jetzt nachlegen“, forderte Montgomery. Die Strukturen im Bereich der Krankenhaushygiene müssten unter anderem durch den  Ausbau von Lehrstühlen und Instituten so gefördert werden, dass ausreichend in Krankenhaushygiene qualifizierte Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin sowie für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie zur Verfügung stehen. Der BÄK-Präsident wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es in Krankenhäusern bereits bei der täglichen Patientenversorgung an ausreichend ärztlichem und pflegerischem Personal mangele. „Aus Studien wissen wir, dass eine hohe Arbeitsdichte das größte Risiko für nosokomiale Infektionen darstellt. Deshalb brauchen wir insbesondere in infektiologischen Risikobereichen wie Intensivstationen mehr Ärzte und Pflegepersonal."
Impfschutz 06.10.2015

BÄK ruft zur Grippeschutzimpfung auf

Die Bundesärztekammer hat dazu aufgerufen, der neuen Grippewelle vorzubeugen und sich gegen die saisonale Influenza impfen zu lassen. „Eine echte Virusgrippe ist keine harmlose Erkältungskrankheit. Vor einer schwer verlaufenden Erkrankung kann eine Grippeimpfung schützen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür“, sagte Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer. Vor allem sogenannte Risikogruppen - Schwangere, ältere und chronisch erkrankte Personen sowie medizinisches und pflegerisches Personal – sollten sich impfen lassen. Aber auch die Flüchtlinge und Helfer in den Notunterkünften seien besonders gefährdet, sich mit Grippe zu infizieren. „Die Menschen leben in den Erstaufnahmeeinrichtungen auf engstem Raum. Viele von ihnen sind nach langer Flucht geschwächt und oftmals fehlt der Impfschutz. Die Gefahr einer Ansteckung ist bei ihnen besonders hoch. Alle Flüchtlinge sollten deshalb sehr schnell geimpft werden können“, forderte Montgomery. „Leider lassen sich in Deutschland zu wenige Menschen gegen die Grippe impfen“, kritisierte der BÄK-Präsident. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) lag die Impfquote bei Personen über 60 Jahren im Winter 2013/2014 lediglich bei 49 Prozent und bei chronisch Kranken im Alter von 18 bis 59 Jahren bei nur 23 Prozent. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert für diese Risikogruppen eine Impfquote von mindestens 75 Prozent. Angesichts der Impflücken in der Bevölkerung bekräftigte der Ärztepräsident seine Forderung nach einer Impfpflicht. „Wir brauchen eine bessere Impfstrategie, zu der ich auch eine gute Aufklärung zähle. Um bestimmte, gefährliche Krankheiten wie beispielsweise die Masern zu bekämpfen, trete ich für eine bundesweite Impfpflicht für alle ein“, sagte Montgomery. „Man muss sich vergegenwärtigen, dass man mit Impfung nicht nur Verantwortung für die eigene Gesundheit übernimmt, sondern auch für die gesamte Gesellschaft. Die Impfpflicht ist notwendig, damit die Gesellschaft insgesamt geschützt wird.“
Internationales 06.10.2015

Ärzteschaft verurteilt Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen in Kriegsgebieten

Berlin - Die Bundesärztekammer hat den US-Luftangriff auf ein Krankenhaus im afghanischen Kundus scharf verurteilt und auf die Bedeutung des besonderen Schutzes von Ärztinnen und Ärzten sowie von Pflegekräften in Kriegssituationen hingewiesen. „Das medizinische Personal sichert die Versorgung der Zivilbevölkerung und von Verletzten, ganz gleich welcher Kriegspartei. Der Angriff auf das Krankenhaus in Kundus ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Gesundheitseinrichtungen immer häufiger in den Fokus von kriegerischen Auseinandersetzungen geraten“, warnte BÄK-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery. Auch der Präsident des Weltärztebundes, Dr. Xavier Deau, betonte die Notwendigkeit, die Sicherheit von Krankenhäusern, Gesundheitseinrichtungen, Patienten und Gesundheitspersonal in bewaffneten Konflikten zu gewährleisten. Dabei sei die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes für den Schutz von Gesundheitseinrichtungen besonders wichtig. Der Weltärztebund hatte bereits in mehreren Resolutionen, wie z. B. der Stellungnahme zum Schutz und der Integrität von Gesundheitspersonal in bewaffneten Konflikten und anderen Gewaltsituationen, auf diese Problematik hingewiesen. WMA Statement on the Protection and Integrity of Medical Personnel in Armed Conflicts and Other Situations of Violence: http://www.wma.net/en/30publications/10policies/a10/
Rauchen 05.10.2015

BÄK: Kinder vor Passivrauchen im Auto schützen

Berlin - „Es ist dringend notwendig, Kinder und Jugendliche, die in PKW mitfahren, wirksam vor Passivrauchen zu schützen“, fordert Dr. Josef Mischo, Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Sucht und Drogen“ der Bundesärztekammer. Der Gesetzgeber solle dem Beispiel Großbritanniens folgen. Dort wird seit Donnerstag beim Rauchen im Auto in Anwesenheit von Kindern ein Bußgeld fällig. Die BÄK unterstützt damit auch die Initiative der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler, die sich jüngst für ein solches Rauchverbot ausgesprochen hatte.„Kindern leiden unter dem Passivrauchen noch stärker als Erwachsene“, unterstreicht Mischo. Es führe zu akuten und chronischen Atemwegserkrankungen, verschlimmere bereits vorhandenes Asthma und erhöhe den Bluthochdruck. Bei Kleinstkindern stelle das Passivrauchen zudem einen Hauptrisikofaktor für den plötzlichen Kindstod dar. Besonders hoch sei die gesundheitliche Belastung im Auto. „In der Fahrgastzelle liegt die Schadstoffkonzentration sogar über der einer durchschnittlich verrauchten Bar.“
Qualitätssicherung 02.10.2015

Jonitz: „Qualitätsmanagement ist eine Führungs- und keine Messmethode“

Berlin - Deutschland ist bei der Förderung der Qualität in der medizinischen Versorgung vorbildlich. Das ist nicht zuletzt dem großen Engagement der Ärzteschaft auf diesem Gebiet zu verdanken. Doch nun gefährdet  ausgerechnet die von der Regierung ausgerufene Qualitätsoffensive für das Gesundheitswesen die in den letzten Jahrzehnten erzielten Erfolge. Davor warnt die  Bundesärztekammer in einem Positionspapier. „Die systematische Förderung der Behandlungsqualität und der Patientensicherheit ist integraler Bestandteil ärztlichen Handelns. Eine auf Menge und Kosten abzielende Gesundheitspolitik erschwert jedoch die erfolgreiche Umsetzung einer Qualitätskultur in Deutschland.“ Das sagte Dr. Günther Jonitz, Vorsitzender der Qualitätssicherungsgremien der Bundesärztekammer (BÄK), anlässlich der Vorlage des Positionspapiers der BÄK „Qualitätssicherung auf dem Irrweg“ in Berlin. Mit Blick auf die von der Bundesregierung ausgerufene Qualitätsoffensive für das Gesundheitswesen fügte er hinzu: „Was den Bürgern vordergründig als Plus an Behandlungssicherheit und Versorgungsqualität dargestellt wird, erweist sich bei genauerer Betrachtung als Sammlung methodisch unausgereifter bis absehbar untauglicher Werkzeuge, die wenig mit Qualitätssicherung zu tun haben. Sie sollen vielmehr gesundheitspolitische Versäumnisse an anderer Stelle kaschieren.“ In ihrem Positionspapier bezieht die Bundesärztekammer zu den im  Versorgungsstrukturgesetz angelegten und mit dem Krankenhausstrukturgesetz massiv ausgedehnten Neuregelungen zur Qualitätssicherung Stellung. Sie weist darauf hin, dass zahlreiche Maßnahmen der gesetzlichen Qualitätssicherung ursprünglich aus regionaler ärztlicher Initiative entstanden sind. Viel Energie sei in den letzten Jahren in die Weiterentwicklung der einrichtungsübergreifenden stationären Qualitätssicherung zu einer sektorenübergreifenden Qualitätssicherung investiert worden. „Dieses austarierte Gefüge sowie die zwischenzeitlich erkennbaren Fortschritte sind nun grundlegend in Frage gestellt“, warnt die BÄK. So sei der im Krankenhausstrukturgesetz vorgesehene Ansatz problematisch, Indikatoren der bestehenden Qualitätssicherung des Gemeinsamen Bundesausschusses zu nutzen, um den zuständigen Krankenhausplanungsbehörden die Schließung von Fachabteilungen oder ganzen Krankenhäusern zu ermöglichen. Die Indikatoren der einrichtungsübergreifenden stationären Qualitätssicherung dienten vielmehr dazu, einen differenzierten Dialog zwischen Fachleuten über einzelne Qualitätsaspekte zu ermöglichen. „Qualitätsindikatoren, die sicher zwischen ausreichender und unzureichender Qualität einer Fachabteilung oder gar eines ganzen Krankenhauses zu unterscheiden vermögen, gibt es nicht.“ Die in den letzten 15 Jahren aufgebaute Qualitätskultur, werde durch das im Gesetz aufgebaute Drohszenario zerstört. Scharf kritisiert die Bundesärztekammer auch die mit dem Krankenhaustrukturgesetz geplante Einführung von Qualitätszuschlägen und -abschlägen. Die Bundesregierung habe in einem Gutachten die Einsatzmöglichkeiten von solchen Pay-for-Performance-Konzepten in Deutschland prüfen lassen. Weder aus dem Gutachten noch aus internationalen Erfahrungen lasse sich die Zweckmäßigkeit der Einführung in Deutschland ableiten. Jonitz wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass diese Verfahren zudem ein enormes Potenzial an Fehlanreizen bergen würden. Insbesondere Krankenhäusern, die multimorbide Patienten mit hohem Betreuungsaufwand bei gleichzeitig ungünstiger Prognose behandeln, drohe eine systematische Benachteiligung. Erst kürzlich habe die Fachzeitschrift JAMA eine US-amerikanische Studie mit dem paradoxen Ergebnis veröffentlicht, dass ausgerechnet die Krankenhäuser, die aufwändige Betreuungsangebote vorhalten und auch problematische Verläufe akribisch dokumentieren, um aus ihnen zu lernen, mit finanziellen Abschlägen wegen vermeintlicher Qualitätsmängel bestraft wurden. Die Bundesärztekammer appelliert an den Gesetzgeber, den Kurs einer vorgeblichen Qualitätsoffensive zu revidieren und den Krankenhausbereich nicht durch den gleichzeitigen Einsatz verschiedenster und nicht getesteter Qualitätssicherungsinstrumente zu verunsichern. Stattdessen sollten einzelne Maßnahmen mit Bedacht erprobt werden und erst bei nachgewiesenem Erfolg in die Fläche gehen. Zudem rät die Bundesärztekammer, die Kompetenz und die Erfahrung der Akteure der Selbstverwaltung zu nutzen, um die Qualität in der medizinischen Versorgung in Deutschland tatsächlich voranzubringen. „Qualitätssicherung ist eine Führungs- und keine Messmethode“, betonte Jonitz. Zudem müsse der Politik klar sein, dass Menschen Menschen gesund machen. „Deshalb helfen Vorschriften und Regeln nicht, wenn das Personal und die Ressourcen fehlen.“  Personalmangel und eine chronische Überlastung von Ärzten und Pflegenden seien eine denkbar schlechte Voraussetzung für das erhoffte „Mehr“ an Qualität. Positionspapier: Qualitätssicherung auf dem Irrweg!Methodische Einschätzung der Bundesärztekammer zu den vom Gesetzgeber geplanten Änderungen der einrichtungsübergreifenden QualitätssicherungBerlin, September 2015...
Deutsches Cochrane Zentrum 01.10.2015

Jonitz: „Finanzielle Förderung ist Investition in den Patientenschutz“

Berlin - Als einen wichtigen Schritt, um die Qualität von klinischen Studien zu verbessern und die evidenzbasierte Medizin zu stärken, bezeichnete Dr. Günther Jonitz, Vorsitzender der Qualitätssicherungsgremien der Bundesärztekammer, das Bestreben der Bundesregierung, das Deutsche Cochrane Zentrum (DCZ) ab dem Jahr 2017 institutionell zu fördern. „Im 19. Jahrhundert war „sauberes Wasser“ die wichtigste Grundlage für die Gesundheit, im 21. Jahrhundert ist dies „sauberes Wissen“. Das deutsche Cochrane Zentrum ist die für die systematische Aufarbeitung und Beurteilung wissenschaftlicher Studien maßgebliche Institution mit internationaler Strahlkraft. Die Bundesärztekammer hat sich deshalb schon seit langem für eine langfristige Finanzierung eingesetzt. Medizin und andere Gesundheitsberufe, aber auch Pflege und Patienten haben eine bestmögliche Wissensgrundlage verdient. Medizin und Pflege werden dadurch besser, die Patienten profitieren.“