News-Archiv

Hier finden Sie die News aus den letzten Jahren.

Weibliche Genitalverstümmelung 28.04.2016

BÄK-Empfehlungen zum Umgang mit Patientinnen nach weiblicher Genitalverstümmelung überarbeitet

Berlin - „Die Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen hat schwerwiegende körperliche und seelische Folgen. Die anatomischen Besonderheiten nach Genitalverstümmelung müssen bei Geburt, Operation sowie Wundversorgung funktional, medizinisch und psychotherapeutisch berücksichtigt werden“, darauf verweist Dr. Ulrich Clever, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesärztekammer (BÄK), in den überarbeiteten Empfehlungen der BÄK zum Umgang mit Patientinnen nach weiblicher Genitalverstümmelung. Eine kultursensible Beratung und Anamnese sei in den Mittelpunkt der Behandlung zu stellen, ohne jedoch die Aufklärung über die Rechtslage zu vernachlässigen, so Clever. Eine Überarbeitung der Empfehlungen war aufgrund der geänderten Gesetzeslage zum Straftatbestand Genitalverstümmelung, der Präzisierung der vier Formen von Genitalverstümmelung durch die WHO sowie aufgrund der Überarbeitung des Diagnoseschlüssels ICD-10-DE 2016 notwendig geworden. Der Flyer informiert über die Formen weiblicher Genitalverstümmelung, die daraus entstehenden Krankheitsbilder sowie über rechtliche Grundlagen und Beratungsangebote. Empfehlungen zum Umgang mit Patientinnen nach weiblicher Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM [PDF]Stand: April 2016
BÄKground 26.04.2016

Neue Ausgabe von BÄKground erschienen

Gesundheitspolitisch steht der Mai im Zeichen des 119. Deutschen Ärztetages. Die Delegierten treffen sich vom 24. bis 27. Mai in Hamburg, um über wichtige Fragen wie die medizinische Versorgung von Flüchtlingen oder die Ökonomisierung der Medizin zu diskutieren. Einen weiteren Themenschwerpunkt wird das Spannungsfeld zwischen Patientennutzen und Marktwirtschaft bei der Arzneimittelpreisbildung bilden. Nachdem die Ärzteschaft schon lange für eine Nachschärfung des Gesetzes zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes aus dem Jahr 2011 plädiert, wird inzwischen auch die Politik aktiv (S. 3). Im Interview mit BÄKground fordert Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig, der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, unter anderem eine konsequentere Umsetzung bestehender Verordnungen. Auch eine zweite Nutzenbewertung hält Ludwig für sinnvoll. Währenddessen geht der Kampf gegen den Ärztemangel weiter. „Die Zahl der Ärzte steigt, aber der Bedarf steigt schneller“, kommentiert BÄK-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery die Ergebnisse der jüngsten Ärztestatistik. Ohne energisches Gegensteuern stehe die medizinische Versorgung in Zukunft vor ernsten Problemen. Die BÄK fordert daher mehr Studienplätze und bessere Auswahlverfahren für Medizinstudenten. Positiv fällt die Bilanz des zweiten Transplantationsberichts aus. Darin attestiert die Bundesregierung der ärztlichen Selbstverwaltung eine verantwortungsbewusste, effektive und professionelle Arbeit. Die Maßnahmen für mehr Kontrolle und Transparenz in der Transplantationsmedizin greifen, findet auch Prof. Dr. Hans Lippert, Vorsitzender der Überwachungskommission. Sie trügen dazu bei, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. BÄKground April 2016
GOÄ Novelle 25.04.2016

Montgomery neuer Verhandlungsführer / Reinhardt neuer Vorsitzender des GOÄ-Ausschusses

Berlin – „Bei der Novelle der Gebührenordnung für Ärzte müssen wir den Blick nach vorn richten und gemeinsam mit unseren Verhandlungspartnern, mit den ärztlichen Verbänden und mit dem Bundesgesundheitsministerium eine tragfähige Reform auf den Weg bringen.“ Das sagte Dr. Klaus Reinhardt, neuer Vorsitzender des Gebührenordnungsausschusses der Bundesärztekammer (BÄK) in Berlin. Der Vorstand der Bundesärztekammer hatte Reinhardt am Freitag in sein neues Amt gewählt. Der 56-jährige Allgemeinarzt folgt Dr. Theodor Windhorst nach. Reinhardt ist Mitglied des Vorstandes der Bundesärztekammer, Vize-Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und Vorsitzender des Hartmannbundes. Mit dem Verhandlungsführer der BÄK, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, werden Dr. Reinhardt und der GOÄ-Verhandlungsbeauftragte der BÄK, Dr. Bernhard Rochell, die Beratungen mit dem Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) und der Beihilfe unter intensiver Einbeziehung der ärztlichen Verbände fortführen. Montgomery begrüßte die Wahl Reinhardts. „Wir dürfen die Reform der GOÄ nicht zerreden, sondern müssen konstruktiv an guten Lösungen arbeiten. Ich bin davon überzeugt, dass sich Klaus Reinhardt diesem ehrgeizigen Ziel mit ganzer Kraft  widmen wird.“ Noch vor dem Deutschen Ärztetag Ende Mai starten unter Moderation der Bundesärztekammer und geplanter Beteiligung von Vertretern des PKV-Verbandes sowie des Bundesgesundheitsministeriums die Beratungen mit den Fachgesellschaften und Berufsverbänden. Die Gespräche finden zunächst auf Grundlage der bisher verhandelten Leistungslegendierungen ohne Bewertungen statt. Dabei soll das Leistungsverzeichnis auf Inkongruenzen und notwendige, jedoch noch nicht enthaltene Leistungen überprüft werden. Auf der Grundlage dieses überarbeiteten Verzeichnisses soll ein Preismodell beschrieben und in einem zweiten Beratungsverfahren konsentiert werden. Bereits am 11. Mai wird die Bundesärztekammer die Novelle in einem Spitzengespräch mit den ärztlichen Berufsverbänden diskutieren. Die Gebührenordnung für Ärzte ist seit dem Jahr 1982 nur in Teilbereichen, zuletzt im Jahr 1996 aktualisiert worden. Bundesärztekammer und PKV-Verband verhandeln seit dem Jahr 2010 über einen gemeinsamen Vorschlag für eine Novelle.
Tabak 21.04.2016

Montgomery: Schluss mit Werbung für Glimmstengel

Statement von Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, zum Tabakwerbeverbot: "Es ist gut, dass sich das Bundeskabinett für ein Verbot der Tabakaußenwerbung und für weitere Einschränkungen der Tabakwerbung in Kinos ausgesprochen hat. Solche Verbote sind längst überfällig. Immerhin ist Deutschland neben Bulgarien das einzige Land der europäischen Union, in dem Tabakwerbung noch immer legal ist. Unverständlich aber bleibt, warum die Umsetzung erst im Jahr 2020 erfolgen soll. Dass die Tabakindustrie  verfassungsrechtliche Bedenken anmeldet, sollte uns nicht verunsichern. Seit Jahren bestehen für viele Bereiche, wie zum Beispiel für die Zeitungs-, Radio- und Fernsehwerbung Verbote, deren Rechtmäßigkeit bestätigt wurde. Studien zeigen, dass vor allem Jugendliche anfällig für eingängige Werbebotschaften sind. Auch wissen wir, dass in Ländern mit umfassenden Tabakwerbeverboten ein deutlich stärkerer Rückgang des Tabakkonsums erfolgte als in Ländern ohne entsprechende Regelungen. Wir sollten deshalb mit der Werbung für Glimmstengel so früh wie möglich Schluss machen."
eGK 14.04.2016

Praxistest der Notfalldaten beginnt

Berlin, 14.04.2016 – In einem Zeitraum von sechs Monaten werden ab Juni 2016 Ärzte aus der Region Münster und Umgebung für rund 4000 Patienten Notfalldatensätze anlegen. An dem Test nehmen 32 Hausärzte und Internisten zusammen mit Kollegen am Universitätsklinikum Münster teil. Gestern kamen sie zu einer ersten Informationsveranstaltung zusammen. Ziel des Pilotprojekts „NFDM-Sprint“ ist es, zu untersuchen, ob die Anlage von Notfalldaten unter realen Bedingungen in Praxen und einem Krankenhaus funktioniert. Dieser Test ist ein wichtiger Schritt für die Notfalldaten auf der elektronischen Gesundheitskarte, deren Einführung der Gesetzgeber ab 01.01.2018 vorschreibt und die anschließend jedem gesetzlich Versicherten freiwillig zur Verfügung stehen werden. „Um zukünftig Akzeptanz für die Notfalldaten auf der elektronischen Gesundheitskarte zu erreichen, muss diese Anwendung praktikabel sein, also im medizinischen Alltag den Bedürfnissen der Ärzteschaft und der Patienten entsprechen. Das wollen wir mit NFDM-Sprint sicherstellen“, sagt Dr. Franz Bartmann, Vorsitzender des Ausschusses Telematik der Bundesärztekammer. Die Bundesärztekammer verantwortet als beauftragter Gesellschafter der gematik die Entwicklung des Notfalldaten-Managements. „Eine gute Anwendung wird nur dann gelingen, wenn sie zusammen mit ärztlichen Kollegen entwickelt wird. Daher bin ich besonders für das Engagement aller Beteiligten dankbar“, betont Bartmann. Bis zum Projektstart werden das Universitätsklinikum Münster und der westfälische Hersteller von Arztsoftware, InterData Praxiscomputer GmbH, als Auftragnehmer der gematik die Projektteilnehmer schulen und die Praxis-IT vorbereiten. Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts NFDM-Sprint übernehmen der Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement der  Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und die Westfälische Wilhelms-Universität zu Münster. Der Begriff Notfalldaten-Management (NFDM) steht für den Umgang mit Informationen, die auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) abgelegt werden und den Behandelnden in einer medizinischen Notfallsituation weiterhelfen. Im NFDM wird unterschieden zwischen dem Notfalldatensatz (NFD) mit notfallrelevanten medizinischen Informationen und dem Datensatz Persönliche Erklärungen (DPE) des Patienten. Beide werden künftig auf der eGK getrennt voneinander gespeichert und lassen sich im Notfall auch separat lesen. Der NFD kann zum Beispiel Angaben zu Diagnosen, Medikation oder Allergien enthalten, der DPE Hinweise zum Aufbewahrungsort etwa einer Patientenverfügung. Der Patient entscheidet, ob er einen NFD für sich anlegen lässt. Im Notfall können Ärzte oder Notfallsanitäter diese Informationen unter Nutzung ihres elektronischen Heilberufeausweises auch ohne zusätzliche Einwilligung des Patienten lesen. Vor weiteren Erprobungen und schließlich der bundesweiten Einführung sollen im Pilotprojekt NFDM-Sprint vor allem zwei Punkte untersucht werden: Wie gut funktioniert der Prozess der Anlage von NFD und DPE durch Ärzte mithilfe ihres Praxisverwaltungs- oder Krankenhausinformationssystems und wo liegen Verbesserungspotenziale. Die Daten werden in diesem Pilotprojekt noch nicht auf der eGK gespeichert. Weitere Informationen zum Projekt NFDM-Sprint finden Sie unter www.nfdm.gematik.de.
MFA 14.04.2016

Einigung auf neue Tarifverträge für Medizinische Fachangestellte

Berlin, 14.04.2016 - In der zweiten Tarifverhandlungsrunde am gestrigen Mittwoch in Berlin einigten sich die Tarifpartner der niedergelassenen Ärzte und der Medizinischen Fachangestellten auf drei neue Tarifverträge. Die Gehälter erhöhen sich gemäß neuem Gehaltstarifvertrag ab dem 01.04.2016 um linear 2,5 % auf Basis der Tätigkeitsgruppe I. Die Ausbildungsvergütung steigt in allen drei Ausbildungsjahren um 30,00 Euro monatlich, und zwar auf 730,00 Euro im 1. Ausbildungsjahr, auf 770,00 Euro im 2. Ausbildungsjahr und 820,00 Euro im 3. Ausbildungsjahr. Der Arbeitgeberbeitrag zur betrieblichen Altersversorgung erhöht sich für Vollzeitkräfte und Teilzeitkräfte mit 18 Wochenstunden und mehr um 10 Euro pro Monat auf 76,00 Euro, für Auszubildende und Teilzeitkräfte mit weniger als 18 Wochenstunden um 5 Euro pro Monat auf 53,00 Euro bzw. 43,00 Euro. Der Manteltarifvertrag wurde redaktionell angepasst Die Laufzeit des Gehalts- und des Manteltarifvertrages beträgt zwölf Monate bis zum 31.03.2017, die des Tarifvertrages zur betrieblichen Altersversorgung und Entgeltumwandlung bis zum 31.12.2019. Die Verhandlungsführerin der Arbeitgeberseite, Frau Dr. Cornelia Goesmann, wertet den Tarifabschluss als eine angemessene Umsetzung der erwarteten Zuwächse beim ärztlichen Honorarvolumen für 2016. Die Erhöhung des Arbeitgeberbeitrags wird zur Sicherung der Alterseinkünfte der Medizinischen Fachangestellten beitragen. „Eine Anpassung der Ausbildungsvergütungen ist notwendig, um den Beruf der Medizinischen Fachangestellten in Zeiten des Fachkräftemangels weiterhin attraktiv zu gestalten“, erklärte die Verhandlungsführerin und Vizepräsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V., Carmen Gandila. Die Einspruchsfrist endet am 22.04.2016, 12:00 Uhr. Ansprechpartner: Frau Rosemarie Bristrup Arbeitsgemeinschaft zur Regelung der Arbeitsbedingungen der Arzthelferinnen/Medizinische Fachangestellte dezernat1@baek.de Frau Carmen Gandila Vizepräsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V., Ressort Tarifpolitik cgandila@vmf-online.de Frau Heike Rösch Pressebüro des Verbandes medizinischer Fachberufe e. V. hroesch@vmf-online.de
Ärztestatistik 2015 12.04.2016

Medizinischer Versorgungsbedarf steigt schneller als die Zahl der Ärzte

Berlin – „Die Zahl der Ärzte steigt, aber der Bedarf steigt schneller.“ So fasste Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), die Ergebnisse der Ärztestatistik für das Jahr 2015 zusammen. Wie aus den Daten der BÄK hervorgeht, erhöhte sich die Zahl der bei den Landesärztekammern gemeldeten ärztlich tätigen Mediziner im vergangenen Jahr nur leicht um 1,7 Prozent. Das bedeutet einen Anstieg um 6.055 Ärzte auf nunmehr 371.302 bundesweit. Davon arbeiteten 189.622 im Krankenhaus (+ 1,8 Prozent). Ambulant tätig waren 150.106 Ärzte (+ 1,5 Prozent). Gleichzeitig stieg die Zahl der Behandlungsfälle kontinuierlich an, und ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht. Zwischen 2004 und 2014 erhöhte sich die Zahl der ambulanten Behandlungen in Deutschland um 152 Millionen. Ähnlich sieht es in den Krankenhäusern aus. Die Unternehmensberatung Deloitte prognostiziert bis zum Jahr 2030 eine Zunahme der Fallzahlen im stationären Bereich um mehr als zwölf Prozent. Verantwortlich dafür ist vor allem der steigende Behandlungsbedarf einer alternden Gesellschaft. Im Jahr 2015 betrug der Anteil der über 60-Jährigen Patienten in den Krankenhäusern 51,5 Prozent. Bis zum Jahr 2030 erwarten die Experten von Deloitte einen Anstieg auf 60,8 Prozent. „Wenn wir jetzt nicht entschieden gegensteuern, steht die medizinische Versorgung in Zukunft vor immensen Problemen“, warnte Montgomery. Daher müsse die Zahl der Studienplätze bundesweit um mindestens zehn Prozent erhöht werden. „Noch im Jahr 1990 gab es in den alten Bundesländern 12.000 Plätze im Studiengang Humanmedizin. Heute sind es gerade noch 10.000, obwohl durch die Wiedervereinigung acht medizinische Fakultäten hinzugekommen sind“, so der Ärztepräsident. Er forderte die Bundesregierung auf, im Zuge ihres Masterplans Medizinstudium 2020 auch die Auswahlverfahren an den Universitäten zu reformieren: „Wir müssen dafür sorgen, dass diejenigen ausgewählt werden, die hinterher auch in der Versorgung der Bevölkerung arbeiten wollen.“ Neben der Abiturnote müssten daher Faktoren wie psychosoziale Kompetenzen, soziales Engagement und einschlägige Berufserfahrung stärker berücksichtigt werden. Um den Ärztemangel im hausärztlichen Bereich zu mildern, sollten Medizinstudierende gleich zu Beginn des Studiums an die Allgemeinmedizin herangeführt werden. Montgomery sprach sich dafür aus, bis 2017 an allen medizinischen Fakultäten in Deutschland Lehrstühle für Allgemeinmedizin einzuführen. Nicht nur die Gesellschaft insgesamt altert, sondern mit ihr auch die Ärzteschaft. Zwar stieg im Jahr 2015 der Anteil der unter 35-Jährigen Ärzte um 0,2 Prozentpunkte auf 18,5 Prozent. Dem steht aber bei den über 59-Jährigen ein Zuwachs auf 17,3 Prozent gegenüber (Vorjahr: 16,4 Prozent). Weiterhin ist der Anteil der 40- bis 49-Jährigen von 25,2 Prozent auf 24,1 Prozent zurückgegangen, während der Anteil der 50-bis 59-Jährigen von 28,5 Prozent auf 28,6 Prozent anstieg. Damit gibt es viel mehr 50- bis 59-Jährige als 40- bis 49-Jährige Ärzte. Zudem verschieben sich bei den Jungmedizinern die persönlichen Prioritäten. „Es wächst eine sehr selbstbewusste Ärztegeneration nach. Sie ist verständlicherweise nicht mehr bereit, Versorgungslücken bedingungslos auf Kosten der eigenen Lebensplanung zu schließen“, so Montgomery. Wie Umfragen zeigen, räumen die angehenden Mediziner der Vereinbarkeit von Familie und Beruf die höchste Priorität ein. Knapp dahinter folgt der Wunsch nach geregelten und flexibel gestaltbaren Arbeitszeiten – noch vor guten Verdienstmöglichkeiten. Dementsprechend entscheiden sich immer mehr Ärzte gegen eine Vollzeitstelle. Betrug der Anteil der Teilzeitärzte an allen niedergelassenen Ärzten im Jahr 2009 noch fünf Prozent, so waren es im Jahr 2013 bereits 13,6 Prozent. Einer Studie des Forschungsinstituts Prognos zufolge sank die tatsächlich geleistete Wochenarbeitszeit der Ärzte in den Praxen von durchschnittlich 42,6 Stunden im Jahr 2011 auf 40,2 Stunden im Jahr 2014. Bei den Krankenhausärzten ging die Zahl der geleisteten Wochenstunden zwischen den Jahren 1991 und 2013 von 37,6 auf 29,8 Stunden zurück. „Gerade im Hinblick auf die Patientensicherheit müssen Bund und Länder daher in den Krankenhäusern für eine ausreichende Personalausstattung und Personalfinanzierung sorgen“, forderte Montgomery. Notwendig seien darüber hinaus Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsverhältnisse, zur Reduktion der Arbeitsverdichtung und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gleichzeitig ging die Zahl der Ärzte mit eigener Praxis im vergangenen Jahr um 0,7 Prozent zurück. Dagegen stieg die Anzahl der im ambulanten Bereich angestellten Ärzte um 3.066 auf 29.373. Dies entspricht einem Plus von 11,7 Prozent. Begünstigt wird diese Entwicklung durch die exzellente Arbeitsmarktsituation. So liegt die Arbeitslosenquote in Bezug zu der Zahl der berufstätigen Ärzte bei 1,0 Prozent. „Auf dem Arbeitsmarkt für Ärzte herrscht Vollbeschäftigung. Das ist eine gute Nachricht für unsere Ärztinnen und Ärzte. Problematisch ist aber, dass schon jetzt viele offene Stellen nicht besetzt werden können“, erklärte der BÄK-Präsident. Daran ändert auch die Zuwanderung von 3.560 Ärzten aus dem Ausland nur wenig (+7,4 Prozent), zumal im selben Zeitraum 2.143 Ärzte aus Deutschland abgewandert sind. Insgesamt waren im Vorjahr 42.604 ausländische Ärztinnen und Ärzte in Deutschland gemeldet. In den Krankenhäusern stieg der Anteil der Ärzte aus dem Ausland um 9,2 Prozent (2014: 11,6 Prozent). Der Anteil der Ausländer an den Erstmeldungen bei den Ärztekammern betrug im vergangenen Jahr 31,1 Prozent. Die stärksten Zuwächse verzeichneten mit 1.421 die Ärztinnen und Ärzte aus den europäischen Staaten und aus Asien mit 1.079. Der größte Zustrom konnte aus Syrien (+ 493) verbucht werden, es folgen Serbien (+ 206), Rumänien (+ 205), Russland (+ 159), Bulgarien (+ 127) und Ägypten (+ 125). Einen größeren Rückgang gab im Jahr 2015 lediglich bei Ärzten aus Österreich (- 122). Die größte Zahl ausländischer Ärzte kommt aus Rumänien (4.062), Griechenland (3.017) und Österreich (2.573), gefolgt von Syrien (2.149). Ärztestatistik 2015...
Gesundheitspolitik 11.04.2016

Montgomery: „Wir brauchen Innovationen und Investitionen“

Berlin - Damit die Gesundheitsversorgung in Deutschland auch weiterhin auf der Höhe des medizinischen Fortschritts bleibt, sind sowohl  Innovationen als auch Investitionen in unserem Gesundheitswesen notwendig. Darauf verwies Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), in einem Interview mit dem Mannheimer Morgen (9. April 2016) anlässlich des 122. Internistenkongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Mannheim. Doch gerade was die Investitionen in Krankenhäuser anginge, müssten die dafür zuständigen Bundesländer dringend nachbessern, forderte der BÄK-Präsident. Zufrieden zeigte sich Montgomery hingegen mit der gesundheitlichen Versorgung der Flüchtlinge. Die funktioniere sehr gut – „vor allem aufgrund des großen ehrenamtlichen Engagements vieler Ärzte.“ Allerdings sei die Beschränkung der medizinischen Versorgung von Asylbewerbern auf akute Erkrankungen nur schwer mit dem ärztlichen Ethos zu vereinbaren. Damit werde „der Arzt zu einem Sozialrichter, der den einen besser behandelt als den anderen, nur weil er Flüchtling ist.“ Die einschränkenden Paragraphen des Asylbewerberleistungsgesetzes müssten daher aufgehoben werden. Mit Blick auf die Beratungen des diesjährigen Internistenkongresses zum Umgang mit demografischen Veränderungen wies Montgomery auf den zunehmenden Fachkräftemangel im Gesundheitswesen hin. Die Alterung der Gesellschaft betreffe auch die Ärztinnen und Ärzte selbst. "Ein erheblicher Teil von ihnen ist schon über 55 oder steuert auf die Rente zu - die müssen wir ersetzen." Notwendig seien Arbeitsplätze in Kliniken und Praxen, die es Ärztinnen und Ärzten ermöglichen, Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Dies sei auch deshalb notwendig, weil der Personalbedarf aufgrund der steigenden Zahl älterer und oftmals mehrfach erkrankter Patienten steigt. In der Neuen Osnabrücker Zeitung (9. April 2016) betonte Montgomery, dass insbesondere die Versorgung hochbetagter Patienten über 85 Jahre besondere Anforderungen an Ärzte und Pflegekräfte stelle. Hier müsse bereits bei der Ausbildung angesetzt werden. Leider friste aber die Altersmedizin an den Universitäten oftmals ein Nischendasein. Es sei „dringend notwendig, mehr Lehrstühle für Geriatrie zu schaffen.“ Seitens der Ärzteschaft sei man bereits aktiv geworden, berichtete Montgomery. „Im Jahr 2003 wurde die Zusatzweiterbildung ‚Geriatrie‘ etabliert und im Jahr 2012 die berufsbegleitende Qualifikation ‚Geriatrische Grundversorgung‘ entwickelt. Bereits 1423 Ärzte hätten sich in dieser Weiterbildungskompetenz qualifiziert.
Weltgesundheitstag 06.04.2016

Weltgesundheitstag: Volkskrankheit Diabetes muss stärker in den Fokus rücken

Berlin - "Es ist gut, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dieses Jahr das Thema Diabetes in den Mittelpunkt des morgigen Weltgesundheitstages stellt. Schätzungen gehen davon aus, dass die Zahl der Diabetiker allein in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf 5,6 Millionen steigen wird. Das sind 580.000 mehr als heute. Andere Studien prognostizieren sogar einen noch stärkeren Anstieg", sagte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Prof. Dr. Frank Ulrich  Montgomery.  Dabei wären durch Prävention viele Krankheitsfälle vermeidbar. "Etwas Sport täglich und gesunde Ernährung verringern das Risiko an einem Typ 2-Diabetes zu erkranken enorm. Gesundheitsberufe und Politik dürfen deshalb nicht nachlassen, die Menschen für eine gesunde Lebensweise zu motivieren", forderte Montgomery. Im Rahmen des Programms für Nationale Versorgungsleitlinien (NVL) von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften wurden zahlreiche NVL zu Diabetes entwickelt. Dabei handelt es sich um systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für eine angemessene ärztliche Vorgehensweise bei der Behandlung dieser Erkrankung. Zu jeder NVL hat das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) eine Version für Patienten erstellt. Sie vermittelt in verständlicher Form die Inhalte der NVL, informiert über Hintergründe und Ursachen der Erkrankung und verweist auf weiterführende Informationsquellen. Außerdem gibt sie Tipps für das Gespräch mit dem Arzt. Zusätzlich stellt das ÄZQ im Auftrag von BÄK und KBV auf der Internetplattform www.patienten-information.de insgesamt sieben Kurzinformationen (teilweise in mehreren Sprachen) zu Diabetes bereitwww.patienten-informationen.dewww.Leitlinien.de
Arzneimittel 01.04.2016

BÄK: „Unabhängigkeit von Ethik-Kommissionen bewahren“

Berlin - Die Bundesärztekammer (BÄK) warnt weiterhin davor, die nach Landesrecht gebildeten Ethik-Kommissionen bei der Bewertung von Anträgen zur Durchführung von Arzneimittel-Studien in ihrer Unabhängigkeit zu schwächen und das föderale Organisationsprinzip zu gefährden. Dies geht aus ihrer Stellungnahme zum Regierungsentwurf eines Vierten Gesetzes zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften hervor. Mit dem Gesetz sollen im Wesentlichen Regelungen der Verordnung für klinische Prüfungen (EU) Nr. 536/2014 auf nationaler Ebene durchgeführt werden. Aus Sicht der BÄK besteht ein erheblicher Interessenkonflikt, wenn die zuständige Bundesoberbehörde gleichzeitig für die Genehmigung eines Antrags zur Durchführung einer klinischen Prüfung sowie für die Registrierung der Ethik-Kommissionen verantwortlich sein soll. Besonders kritisch sieht die BÄK zudem, dass das Vorliegen einer zustimmenden Stellungnahme der zuständigen Ethik-Kommission zu einem Antrag zur Durchführung einer klinischen Prüfung keine zwingende Voraussetzung für deren Genehmigung mehr sei. Sie verweist diesbezüglich auf die Deklaration von Helsinki, die vorsieht, dass ein Studienvorhaben der zuständigen Ethik-Kommission zur  Erwägung, Stellungnahme, Beratung und Zustimmung vorgelegt werden müsse. Die BÄK fordert daher, dass die Durchführung einer klinischen Studie nur dann erfolgen darf, wenn die zuständige Ethik-Kommission zu zentralen Aspekten wie der Nutzen-Risiko-Bewertung für den einzelnen Patienten sowie die erwartete Bedeutung für die Heilkunde eine positive Stellungnahme erteilt hat. Die unabhängige Bewertung eines Antrages zur Durchführung einer klinischen Prüfung durch Bundesoberbehörden einerseits und nach Landesrecht gebildeten Ethik-Kommissionen andererseits (sog. „Zwei-Säulen-Prinzip“) sei daher im vorgelegten Kabinettsentwurf des geplanten Gesetzes nicht gewährleistet. Ebenfalls kritisch sieht die BÄK die Option zur Einrichtung einer Bundes-Ethik-Kommission mittels Verordnungsermächtigung. Dafür bestehe kein Bedarf, und sie begegne durchgreifenden rechtlichen Bedenken. Zum Vollzug von Bundesrecht seien die Länder verfassungsmäßig berufen und mit ihren nach Landesrecht gebildeten Ethik-Kommissionen dazu auch ausreichend in der Lage. Eine unmittelbar bei den Genehmigungs- und Zulassungsbehörden des Bundes angesiedelte Ethik-Kommission dagegen böte nicht die Gewähr für die notwendige Unabhängigkeit, heißt es in der Stellungnahme. BÄK fordert gesetzliche Schritte zur Vermeidung von Arzneimittel-Lieferengpässen Ein weiteres Thema der Stellungnahme ist der Umgang mit Lieferengpässen von Arzneimitteln. Gemeinsam mit der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) fordert die BÄK das Arzneimittelgesetz zu ändern, damit bei unüberbrückbaren Lieferausfällen rasch entsprechende Schritte für die Sicherung der Versorgung eingeleitet werden können. Konkret müsse die zuständige Behörde anordnen können, dass pharmazeutische Unternehmer und Arzneimittelgroßhandlungen geeignete Vorkehrungen zur Gewährleistung der Verfügbarkeit des betreffenden Arzneimittels ergreifen. Zudem sollte gesetzlich verankert werden, dass die zuständige Behörde Regelungen zum Vertrieb und zur Belieferung von vollversorgenden Arzneimittelgroßhandlungen und Apotheken treffen kann.  Ferner sei zu prüfen, inwiefern bereits diskutierte Verfahren zur Einrichtung eines verpflichtenden Registers über Lieferengpässe bei bestimmten Arzneimitteln eine Anpassung bestehender oder eine Einführung neuer gesetzlicher Regelungen im Arzneimittelgesetz erforderlich machen. Stellungnahme der Bundesärztekammer zu dem Gesetzentwurf der Bundesregierung  eines Vierten Gesetzes zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften vom 09.03.2016 in Abstimmung mit der Ständigen Konferenz der Geschäftsführungen und der Vorsitzenden der Ethik-Kommissionen der Landesärztekammern und in Abstimmung mit der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft [PDF]Berlin, 01.04.2016 ...