News-Archiv

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Regionaltreffen des Weltärztebundes... 22.11.2017

Montgomery: Palliativmedizin muss weltweit gestärkt werden

Berlin – „Das Symposium zu Fragen am Lebensende war ein Beispiel für eine weltoffene und vorurteilsfreie Diskussion. Es war ein Meilenstein für die Ärzteschaft und ein Schritt voran für die katholische Kirche.“ So bewertet Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), das Regionaltreffen des Weltärztebundes, das am 16. und 17. November 2017 im Vatikan stattgefunden hat. „Wir haben mit großem Ernst darüber diskutiert, ob es sich bei Euthanasie oder assistiertem Suizid um ärztliche Aufgaben handeln kann und ob sich Kollegen, die sich zu diesen Verfahren bekennen, unethisch handeln“, so Montgomery weiter. Die Debatte habe die ganze Bandbreite der Sichtweisen aufgezeigt. Der BÄK-Präsident wies darauf hin, dass die überwiegende Mehrheit der Ärzteschaft Euthanasie und ärztlich assistierten Suizid ablehnt. Nur eine kleine Gruppe vertrete in dieser Frage eine andere Meinung, aber das gehöre zum Wesen liberaler Gesellschaften.  „Einigkeit herrscht allerdings darüber, dass die Palliativmedizin weltweit gestärkt werden und allen Menschen zur Verfügung stehen muss“, betonte er. Ebenso unstrittig sei, dass Verfahren der Euthanasie niemals als kostensparende Varianten eingesetzt werden dürften, um teure Therapien zu vermeiden. Montgomery begrüßte, dass Papst Franziskus in seinem Grußwort zu der Konferenz Euthanasie klar abgelehnt, sich aber gleichzeitig dagegen gewandt hat, einen offensichtlichen Sterbevorgang durch lebenserhaltende Maßnahmen zu verlängern. „Ich sehe hier gute Ansatzmöglichkeiten für eine weitere vertiefte Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft und katholischer Kirche“, sagte Montgomery. Papst Franziskus hatte ausgeführt, dass es moralisch vertretbar sei, auf Therapien zu verzichten oder diese einzustellen, wenn sie in keinem Verhältnis zum erhofften Ergebnis stünden. „Dabei steht der Patient an erster Stelle“, heißt es in der Erklärung des Papstes. Der Patient habe das Recht, gemeinsam mit den behandelnden Ärzten die vorgeschlagenen Maßnahmen einzuschätzen und ihre Verhältnismäßigkeit zu beurteilen. Es gehe in solchen Fällen nicht darum, den Tod herbeizuführen, sondern zu akzeptieren, dass man ihn nicht verhindern kann. Der BÄK-Präsident hob hervor, dass diese Haltung den Grundsätzen der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung entspreche. Darin wird ausgeführt, dass es Situationen geben kann, in denen sonst angemessene Diagnostik und Therapieverfahren nicht mehr angezeigt und Begrenzungen geboten sind. Der Arzt hat dann für eine Basisbetreuung zu sorgen. Dazu gehören unter anderem menschenwürdige Unterbringung, Zuwendung, Körperpflege, Lindern von Schmerzen, Atemnot und Übelkeit sowie Stillen von Hunger und Durst. Im Rahmen des zweitägigen europäischen Regionaltreffens hatten der Weltärztebund, die Päpstliche Akademie für das Leben und die Bundesärztekammer Juristen, Ethiker, Theologen und Philosophen aus ganz Europa in den Vatikan eingeladen, um über Fragen zur ärztlichen Begleitung von Menschen an ihrem Lebensende zu diskutieren. Das nächste Regionaltreffen zu dem Thema ist für Anfang 2018 in Nigeria geplant. Zuvor hatten bereits Konferenzen in Tokio und Rio de Janeiro stattgefunden.
Regionaltreffen des Weltärztebundes 17.11.2017

Montgomery: Es gibt Alternativen zur Euthanasie

Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery hat am Rande des europäischen Regionaltreffens des Weltärztebundes im Vatikan das vor zwei Jahren in Deutschland beschlossene Verbot der geschäftsmäßigen Beihilfe zum Suizid als richtigen und wichtigen Schritt bezeichnet. „Die Aufgabe eines Arztes ist es, Leben zu erhalten und zu retten. Ein Zielwechsel in diesem Bereich würde das gesamte Spektrum ärztlicher Tätigkeit verändern", sagte Montgomery in einem Interview mit Domradio. Es gebe Alternativen zur Euthanasie mit einer sehr gut ausgebauten Palliativmedizin und mit einer intensiven Betreuung am Lebensende für Patienten. „Und wir wissen, dass Patienten, denen man Palliativmedizin anbietet, sehr oft innerhalb von kurzer Zeit ihren Todeswunsch verlieren und auf eine würdige Art und Weise ihr Leben zu Ende leben“, so Montgomery. Der Bundesärztekammer-Präsident begrüßte zudem, dass Papst Franziskus in seinem Grußwort zu der Konferenz Euthanasie klar abgelehnt, sich aber gleichzeitig dagegen gewandt hat, einen offensichtlichen Sterbevorgang durch lebenserhaltende Maßnahmen zu verlängern. Franziskus hatte in seiner Stellungnahme ausgeführt, dass es moralisch vertretbar sei, auf therapeutische Mittel zu verzichten oder diese einzustellen, wenn sie in keinem Verhältnis zum erhofften Ergebnis stünden. Es gehe in solchen Fällen nicht darum, den Tod herbeizuführen, sondern zu akzeptieren, dass man ihn nicht verhindern kann. Montgomery hob hervor, dass diese Haltung den Grundsätzen der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung entspricht. Darin wird ausgeführt, dass es Situationen geben kann, in denen sonst angemessene Diagnostik und Therapieverfahren nicht mehr angezeigt und Begrenzungen geboten sind. Der Arzt hat dann für eine Basisbetreuung zu sorgen. Dazu gehören unter anderem menschenwürdige Unterbringung, Zuwendung, Körperpflege, Lindern von Schmerzen, Atemnot und Übelkeit sowie Stillen von Hunger und Durst. Im Rahmen des zweitägigen europäischen Regionaltreffens haben der Weltärztebund, die Bundesärztekammer und die Päpstliche Akademie für das Leben Juristen, Ethiker, Theologen und Philosophen aus ganz Europa in den Vatikan eingeladen, um über Fragen zum Umgang mit Menschen an ihrem Lebensende zu diskutieren. Montgomery betonte, dass eine große Anzahl der 114 Mitgliedstaaten des Weltärztebundes die ablehnende Haltung Deutschlands zur Euthanasie teilt. Es gebe jedoch auch Länder, in den die Euthanasie rechtlich zulässig ist. „Wir wollen auf unserem Treffen im Vatikan die unterschiedlichen Positionen diskutieren, die es dazu in Europa gibt, und die besondere ethische Verpflichtung des Arztes verdeutlichen.“
Europäischer Antibiotikatag 17.11.2017

Im Kampf gegen Resistenzen an einem Strang ziehen

Berlin – „Keime kennen keine Grenzen. Den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen können wir nur gewinnen, wenn wir europaweit und weltweit an einem Strang ziehen.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery im Vorfeld des Europäischen Antibiotikatages, der am 18. November 2017 begangen wird. „Deutschland hat mit seinen Initiativen gegen Antibiotika-Resistenzen in den letzten Jahren eine Vorreiterrolle übernommen. Diesen Weg müssen wir weiter gehen“, forderte Montgomery mit Blick auf aktuelle Daten des European Centre for Disease Prevention and Control, nach denen die Zahl der durch Antibiotika-Resistenzen infizierten Patienten in der Europäischen Union steigt. Antibiotikaresistente Bakterien beeinträchtigten die Möglichkeiten zur Therapie bakterieller Infektionskrankheiten. “Nur wenn wir jetzt handeln, können wir eine weitere Zunahme von nicht beherrschbaren Antibiotika-Resistenzen verhindern. Neben Maßnahmen zur Förderung der rationalen Antibiotika-Therapie in der Humanmedizin zählt dazu auch ein Verbot oder zumindest eine deutliche Begrenzung der Antibiotikaabgabe in der Tiermast", sagte der Bundesärztekammer-Präsident. In Deutschland wurden mit der Antibiotika-Resistenzstrategie wichtige Maßnahmen auf den Weg gebracht, mit denen unter anderem die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika, alternativer Therapiemethoden und schnellerer Testverfahren verstärkt werden sollen. In der ärztlichen Aus- und Weiterbildung werden grundlegende Kenntnisse über Antibiotika-Resistenzen und einer rationalen Antibiotika-Therapie vermittelt. Aktuell hat die Bundesärztekammer die strukturierte curriculare Fortbildung „Antibiotic Stewardship“ beschlossen, mit der Strategien zum rationalen Einsatz von Antiinfektiva vermittelt werden. Fragen zum Einsatz von Antibiotika sind fester Bestandteil vieler weiterer Fortbildungsangebote der Landesärztekammern. In Vorträgen, Seminaren und Workshops wird über die Diagnostik von Infektionskrankheiten, Indikationsstellung, Auswahl des Antibiotikums, Dauer der Anwendung und Nebenwirkungen der Antibiotikatherapie ebenso informiert, wie auch zu Fragen der Resistenzentwicklung. Montgomery begrüßte die in dieser Woche gestartete Antibiotika-Verbrauchs-Surveillance des Robert Koch-Instituts, die erstmals allen Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen die Möglichkeit bietet, Antibiotikaverbrauch mit Referenzdaten zu vergleichen. Ein weiteres Augenmerk müsse auf die Vermeidung nosokomialer Infektionen gelegt werden. "Wir müssen die Strukturen im Bereich der Krankenhaushygiene durch den Ausbau von Lehrstühlen und Instituten so fördern, dass ausreichend in Krankenhaushygiene qualifizierte Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin sowie für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie zur Verfügung stehen." Der BÄK-Präsident wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es in Krankenhäusern bereits bei der täglichen Patientenversorgung an ausreichend ärztlichem und pflegerischem Personal mangele. „Aus Studien wissen wir, dass eine hohe Arbeitsdichte das größte Risiko für nosokomiale Infektionen darstellt. Deshalb brauchen wir insbesondere in infektiologischen Risikobereichen wie Intensivstationen mehr Ärzte und Pflegepersonal."
Regionaltreffen des Weltärztebundes 15.11.2017

Montgomery: Besondere ethische Verpflichtung des Arztes verdeutlichen

Berlin/Rom - Zum europäischen Regionaltreffen des Weltärztebundes am 16. und 17. November 2017 im Vatikan erklärt Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer: „Überall auf der Welt diskutieren Gesellschaften die großen ethischen Fragen zum Lebensende. Daher ist es gut, dass der Weltärztebund, die Bundesärztekammer und die Päpstliche Akademie für das Leben Juristen, Ethiker, Theologen und Philosophen aus Europa zu einem Treffen in den Vatikan eingeladen haben. Wir werden uns zwei Tage lang die Zeit nehmen, um abseits vom politischen Tagesgeschäft über die Fragen zu diskutieren, die sich am Ende des Lebens stellen. Wir werden über die Rechte der Patienten und die Pflichten  der Ärzte reden, über die Grenzen der Behandlungsmöglichkeiten und über die Chancen der Palliativversorgung.  Wir wollen die unterschiedlichen Positionen diskutieren, die es dazu in Europa gibt, und die besondere ethische  Verpflichtung des Arztes verdeutlichen.“
Ärztliche Psychotherapie 14.11.2017

Körper und Seele zusammenhalten

Berlin – „Psychische Erkrankungen werden immer mehr zu einer Herausforderung für die Gesundheitsversorgung. Sie verursachen immenses menschliches Leid und auch erhebliche volkswirtschaftliche Kosten.“ Das sagte Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), zum Auftakt der Tagung „Chancen und Wert der ärztlichen Psychotherapie“ am 11. November 2017 in Berlin. Die direkten Krankheitskosten beziffert das Statistische Bundesamt für das Jahr 2016 auf 40 Milliarden Euro. Mittlerweile ist in Deutschland jeder dritte Erwachsene im Zeitraum eines Jahres von einer psychischen Erkrankung betroffen. „Die gute Nachricht ist, dass psychische Erkrankungen meist erfolgreich behandelt werden können. Mit dieser Tagung nehmen wir eine Standortbestimmung der ärztlichen Psychotherapie vor, zeigen ihr Alleinstellungsmerkmal und ihren spezifischen Wert auf“, sagte Montgomery. So betonten zahlreiche Referenten auf der von den BÄK-Vorstandsmitgliedern Dr. Heidrun Gitter und Dr. Ulrich Clever moderierten Veranstaltung die Notwendigkeit, die psychiatrische beziehungsweise psychotherapeutische Versorgung eng in den somatischen Behandlungskontext einzubinden. Die Kompetenz der spezifisch ärztlichen Form der Behandlung psychisch Kranker liege insbesondere darin, ein individuelles, somatische wie psychische Aspekte integrierendes Gesamtkonzept für den einzelnen Patienten anbieten zu können. Dies sei umso wichtiger, weil psychische Erkrankungen häufig mit behandlungsbedürftigen somatischen Erkrankungen einhergehen und sich beide wechselseitig sogar noch verstärken können. Langjähriges Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt In Deutschland wird die psychotherapeutische Versorgung sowohl von ärztlichen als auch von psychologischen Psychotherapeuten sowie von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten mit den ihnen jeweils eigenen Qualifikationen getragen. Für die ärztliche Psychotherapie können Patienten auf ein sehr breit gestuftes Angebot zurückgreifen, das von der psychosomatischen Grundversorgung durch Haus- und Fachärzte bis hin zur fachärztlichen psychiatrischen, psychosomatischen und psychotherapeutischen Versorgung reicht. Nahezu 400.000 Patienten werden jährlich in der ärztlichen ambulanten, stationären und rehabilitativen psychosomatischen Medizin behandelt. Das berichtete auf der Tagung Prof. Dr. Johannes Kruse, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. „Die ärztliche Psychotherapie schafft für Patienten wie für Ärzte eine Brücke zwischen der somatischen und der psychotherapeutischen Versorgung. Sie verhindert eine Aufspaltung zwischen einer Versorgung für den Körper und die Seele“, sagte Kruse, der auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) ist. Tatsächlich leisten Haus- und Fachärzte die psychosomatische Grundversorgung in Deutschland. Patienten mit Depressionen werden zu mehr als 80 Prozent von ihrem Hausarzt behandelt, zwei Fünftel der Patienten mit psychischen und psychosomatischen Störungen bei einem Facharzt mit entsprechender Zusatzweiterbildung. Darauf hob auch PD Dr. Martina Rauchfuß, Chefärztin der Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Klinik Henningsdorf, ab. Die Vorsitzende des Weiterbildungsinstituts für psychosomatische Frauenheilkunde berichtete über die Behandlung psychischer Erkrankungen durch Fachärzte mit einer Zusatzweiterbildung in Psychosomatischer Grundversorgung. Der Vorteil hier: Es bestehe meist ein langjähriges Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt. Der Einstieg in eine Psychotherapie falle deshalb leichter. Prof. Dr. Sabine C. Herpertz, Direktorin der Klinik für Allgemeine Psychiatrie der Universität Heidelberg, beleuchtete die ärztliche Psychotherapie aus der psychiatrischen Perspektive. „Psychiater erbringen die gesamte Bandbreite psychotherapeutischer Leistungen, vom psychotherapeutischen Gespräch bis hin zu antragspflichtigen Leistungen“, erläuterte sie. Herpertz wies auf Besonderheiten der Psychotherapie in der Psychiatrie hin. So befänden sich Patienten oft in extremen, mitunter sogar lebensbedrohlichen Situationen. Dass Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie auch eine wichtige „Gate-Keeper-Funktion“ einnehmen, betonte Dr. Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater. Ihre therapeutische Haltung und ihr therapeutischer Einsatz seien je nach Krankheitsstadium höchst flexibel. Kürzere psychotherapeutische Interventionen von etwa 20 Minuten Dauer seien integraler Bestandteil der Behandlung. Unzureichende Vergütung Als „Dilemma“ bezeichnete Roth-Sackenheim die unzureichende Vergütung. Die Gesprächsleistungen der Psychiater seien in vielen Kassenärztlichen Vereinigungen budgetiert. Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie seien in der Vergütung gegenüber technikorientierten Fächern stark benachteiligt. Eine Aufwertung der Leistungen sei dringend erforderlich. Änderungsbedarf in der Vergütung sieht auch Dr. Norbert Hartkamp, stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbandes der Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Deutschlands (BPM). Er stellte auf der Tagung die spezifischen Möglichkeiten der psychosomatischen Medizin dar. In diesem Versorgungsbereich würden vermehrt Patienten behandelt, die körperlich, seelisch und psychosozial deutlich bis stark belastet seien. Hartkamp berichtete, dass Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie – gemessen an der Honorarsumme - zu etwa zwei Dritteln Leistungen der Richtlinien-Psychotherapie, also antragspflichtige Leistungen, erbringen und nur wenige Leistungen aus dem Facharztkapitel. Grund sei, dass sich nur so ein angemessenes Einkommen erzielen lasse. Es sei notwendig, dass auch flexible und staffelbare Gesprächsleistungen in einem angemessenen Umfang honoriert werden. Mehr Behandlungsressourcen und verbesserte Zuweisungsmodelle forderte auch Dr. Christa Schaff vom Berufsverband der Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Die in hohem Maße interdisziplinär mit anderen Heil- und Gesundheitsberufen ausgerichteten kinder- und jugendpsychiatrischen Praxen und Klinikabteilungen sollten unbedingt gefördert und ausgebaut werden. Ein Ansatz könnte das Vier-Ebenen-Modell ärztlich-psychotherapeutischer Kompetenzen sein, das Prof. Dr. Gereon Heuft von der Universität Münster vorstellte. Es soll die psychosomatischen, psychotherapeutischen und psychosozialen Kompetenzen schon im Medizinstudium, aber auch auf Facharztebene stärken. Fachärzten für Psychosomatische Medizin und Psychotherapeuten bliebe durch dieses differenzierte Kompetenzmodell mehr Zeit für die Therapie schwerer psychischer Störungen. Kritik an Gesetzesplänen Der Gesetzgeber setzt indes auf eine Aufwertung der nicht-ärztlichen Psychotherapie und strebt eine Ausbildungsreform in diesem Bereich an. So soll die Ausbildung psychologischer Psychotherapeuten an die Universitäten verlagert werden und mit der Approbation abschließen. Auf zum Teil heftige Kritik stieß auf der Tagung das Vorhaben des Bundesgesundheitsministeriums, im Rahmen der Ausbildungsreform Modellstudiengänge zu schaffen, die dem Erwerb von Kompetenzen "zur Feststellung, Verordnung und Überprüfung von psychopharmakologischen Maßnahmen als Bestandteil einer psychotherapeutischen Versorgung" dienen sollen. Die Verordnung von Arzneimitteln ist bislang allein Ärzten vorbehalten. Mit der Reform folge die Politik der Tendenz, arztersetzende Berufe und Tätigkeiten zu schaffen, hieß es. BÄK-Präsident Montgomery warnte, komme das Gesetz so, wie es skizziert sei, würden sich die Kapazitäten für die psychotherapeutische Aus- und Weiterbildung für den ärztlichen Nachwuchs weiter verknappen. Vorträge und Videobeiträge zur Tagung...
Welt-COPD-Tag 13.11.2017

Welt-COPD-Tag: Rauchen ist Gift für die Lunge

Berlin - „Rauchen ist Gift für die Lunge“, warnt San.-Rat Dr. Josef Mischo, Vorsitzender der Bundesärztekammer-Arbeitsgruppe Sucht und Drogen, anlässlich des Welt-COPD-Tages am Mittwoch (15.11.). Atemnot und chronische Hustenanfälle sind typische Beschwerden der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD, die in 80-90 Prozent der Fälle durch Tabakkonsum ausgelöst wird. „Gegen die Raucherlunge hilft nur der Verzicht auf die Zigarette“, mahnt Mischo. Ärzte sind qualifizierte Ansprechpartner für eine Tabakentwöhnung. Zudem appelliert er an die Politik, die Außenwerbung für Zigaretten auch in Deutschland endlich zu verbieten. Die Lungenkrankheit COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) tritt schleichend meist bei langjährigen Rauchern über 40 Jahre auf, die über Jahre zunehmend unter Atemnot, Husten und Auswurf leiden. Knapp sechs Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind nach neuesten Zahlen des Robert Koch-Instituts von einer COPD betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit einer COPD-Erkrankung. Etwa zwölf Prozent der über 65jährigen leiden an der chronisch-obstruktiven Lungenkrankheit. "Sie stellt in Deutschland die sechsthäufigste Todesursache dar". „Tabakkonsum steht im Zusammenhang mit vielen Krebserkrankungen sowie Gefäßleiden und Lungenkrankheiten wie COPD“, so Mischo. Mehrere Deutsche Ärztetage hatten sich in der Vergangenheit für Einschränkungen bei der Tabakwerbung ausgesprochen. Die Ärzteschaft fordert auch ein strafbewehrtes Rauchverbot in Autos einzuführen, wenn Kinder und Jugendliche mitfahren. Zahlreiche wissenschaftliche Studien konnten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Passivrauchbelastung und schwerwiegenden gesundheitlichen Risiken von Kindern und Jugendlichen nachweisen. In Fahrzeugen entspricht die Feinstaubbelastung durch Tabakrauch etwa der einer durchschnittlich verrauchten Bar. Rauchen ist die Hauptursache für eine COPD. Aber auch die Umweltbelastung durch Feinstaub gerade in Ballungsräumen ist ein zusätzlicher Risikofaktor. Noch ist die wissenschaftliche Datenlage nicht eindeutig, wie die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) erklärt. Allerdings bestätigten aktuelle Langzeitstudien die gesundheitlichen Gefahren durch Feinstaub, Stickoxide und Rußpartikel. Neueste Untersuchungen belegten ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs bei Erwachsenen, Lungenentzündungen bei Kleinkindern sowie eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lungenfunktion in allen Altersbereichen. Patienteninformationen zu COPD: Was passiert bei COPD? [PDF] Verschlechterung bei COPD - Was kann ich tun? [PDF] 
Ökonomisierung 08.11.2017

Montgomery: "Es darf keine Stückzahl-Mentalität geben"

Berlin - Zu der Studie „Die Ökonomisierung patientenbezogener Entscheidungen im Krankenhaus“ von Prof. Karl-Heinz Wehkamp und Prof. Heinz Naegler erklärt Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery: „Die Politik hat seit Anfang der Neunziger Jahre den Preiswettbewerb in unserem Gesundheitswesen forciert. Die Folgen sind für Ärzte tagtäglich spürbar, etwa wenn sie von Klinik- und Kostenträgern dazu angehalten werden, primär in ökonomischen Dimensionen zu denken und nach rein betriebswirtschaftlichen Vorgaben zu handeln. Sie geraten in einen Zielkonflikt, denn sie müssen einerseits ihren berufsethischen Pflichten genügen, die sich auch in der ärztlichen Berufsordnung widerspiegeln, anderseits aber auch wirtschaftliche Rentabilitätsziele erreichen, die ihnen durch die Sozialgesetzgebung vorgegeben werden. Zu Recht fordern die Studienautoren, dieses Dilemma zu enttabuisieren und die wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Steuerungskonzepte zu verändern. Für die Studie wurden 22 Ärzte und 21 Geschäftsführer interviewt. Wenig überraschend verwiesen die Geschäftsführer auf die erforderliche Gewinnorientierung und betonten, keinen direkten Einfluss auf ärztliche Entscheidungen zu nehmen. Ganz anders die Aussagen der Ärzte: Sie berichteten von wachsendem und mittlerweile alltäglichem Druck, betriebswirtschaftliche Interessen bei patientenbezogenen Entscheidungen zu berücksichtigen. Arbeitsverdichtung, Zeitknappheit und Stress wirkten sich auf die Qualität der Entscheidungen und der sie vorbereitenden Prozesse aus. So entstünden Risiken für Personal und Patienten, lautet der besorgniserregende Befund der befragten Mediziner. Die Ärzteschaft hat deshalb immer wieder gefordert, dass sich die Ökonomie am Primat des Patientenwohls und an Qualitätskriterien ausrichten muss. Das fängt mit der Reform des unflexiblen Fallpauschalensystems an. Kliniken in dünn besiedelten Regionen können sich aus den DRG-Vergütungen kaum mehr kostendeckend finanzieren, was sich mehr und mehr auch auf das verfügbare Personal auswirkt. Die Ärzteschaft lehnt den 100-Prozent-Ansatz des deutschen Fallpauschalensystems ab. Wir brauchen eine Vergütungssystematik, die an den individuellen Bedürfnissen der Patienten ausgerichtet ist. Notwendig sind für Krankenhäuser und Kostenträger mehr Ermessensspielräume bei ihren Budgetverhandlungen, damit die Sicherstellung der wohnortnahen Krankenhausbehandlung in strukturschwachen Gebieten ebenso berücksichtigt werden kann wie die Finanzierung von Extremkostenfällen. Ebenso dringender Reformbedarf besteht bei der Investitionsförderung durch die Bundesländer. Die Investitionsmittel sind seit 1991 um rund 30 Prozent gesunken. Das daraus entstandene Defizit beläuft sich bundesweit auf mehr als 30 Milliarden Euro. Krankenhäuser sind deshalb gezwungen, Gelder aus der Betriebsfinanzierung zur Abdeckung unaufschiebbarer, investiver Maßnahmen zu verwenden. Diese Mittel fehlen in der Patientenversorgung. Deutsche Ärztetage haben aus diesen Gründen mehrfach klargestellt, dass medizinische Einrichtungen im stationären wie im ambulanten Bereich Instrumente benötigen, die eine ärztliche Mitverantwortung für die Betriebsführung stärker berücksichtigen. Darauf verweisen auch die Studienautoren, die eine Intensivierung der krankenhausinternen Kommunikation und eine stärkere Beteiligung der Ärzte an der Weiterentwicklung der Leistungs- und Ressourcenplanung fordern. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich ärztliche Leistungen und deren Honorierung ausschließlich an ihrer medizinischen Sinnhaftigkeit orientieren und dass bei der Wahl der Behandlungsmethode nicht die Kosten, sondern der Nutzen für den Patienten ausschlaggebend sind. Es darf keine "Stückzahl-Mentalität" in unserem Gesundheitswesen geben. Wir haben es schon oft gesagt und wir bleiben dabei: Patienten sind keine Kunden und Ärzte keine Kaufleute."...