News-Archiv

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HTA 29.03.2018

BÄK warnt vor Zentralisierung der medizinischen Nutzenbewertung

Berlin - In einer vorläufigen fachlichen Einschätzung bezieht die Bundesärztekammer (BÄK) Position zu den Plänen der Europäischen Kommission, die medizinische Nutzenbewertung von Arzneimitteln, Medizinprodukten und weiteren Versorgungsleistungen (Health Technology Assessment, HTA) zu zentralisieren. Grundsätzlich sei die Absicht begrüßenswert, systematische, evidenzbasierte Nutzenbewertungen innerhalb der EU zu fördern, heißt es in dem Papier. Allerdings überzeuge der konkrete Vorschlag der EU-Kommission  nur bedingt, denn sie habe sich entschlossen, eine Angleichung zu erzwingen. Dabei gelte die Sorge der Kommission weniger den möglicherweise parallel beschäftigten HTA-Institutionen, sondern vor allem den wirtschaftlichen Interessen der Hersteller von Arznei- und Medizinprodukten. Für die bedeute die Zentralisierung nämlich eine erhöhte Planungssicherheit sowie eine leichtere Einflussnahme auf die Bewertung. Hinzu kämen methodische Defizite. So möchte die EU-Kommission absehbaren Konflikten bei Preisfindung und Kostenübernahme vorbeugen, indem sie lediglich die Bewertung des medizinischen Nutzens zentralisiert. Die Bewertung der sozialen, ethischen oder ökonomischen Dimension soll hingegen weiter in den Händen der Nationalstaaten liegen. Aus Sicht der BÄK ist diese Trennung „artifiziell“. Das HTA-Verfahren erfordere ein Gesamtkonzept. Zudem sei eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Kategorien „nicht so trennscharf möglich, wie es im Kommissionspapier unterstellt wird.“ Auch das Argument der Kommission, die singuläre Bewertung trage zu einem besseren Patientenschutz bei, kann nach Ansicht der Ärzteschaft nicht überzeugen. So lieferten gerade divergierende Ergebnisse in verschiedenen HTA-Verfahren wichtige Warnsignale und Hinweise auf weiteren Klärungsbedarf. Die BÄK verweist in diesem Zusammenhang auf die wachsende Bedeutung des Mehraugenprinzips und von Zweitmeinungsverfahren. In der Summe ziele der Vorstoß in Richtung Binnenmarkt-Harmonisierung auf einen weiteren Kompetenzverlust der Nationalstaaten für ihre Gesundheits- und Sozialsysteme, bilanziert die Bundesärztekammer. Zum Vorhaben der EU-Kommission zur Zentralisierung medizinischer Nutzenbewertungen (HTA)
Ärztestatistik 2017 29.03.2018

Wer nur die Köpfe zählt, macht es sich zu einfach

Berlin – „Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland steigt, aber wer nur Köpfe zählt, macht es sich zu einfach. Die Realität ist komplexer. Uns fehlen Arztstunden. Und wenn wir nicht endlich entschieden gegensteuern und mehr Ärzte ausbilden, dann wird sich dieser Mangel verschärfen.“ So kommentierte Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), die Ärztestatistik für das Jahr 2017. Wie aus den Daten der Bundesärztekammer hervorgeht, waren im Jahr 2017 im Bundesgebiet 385.149 Ärztinnen und Ärzte ärztlich tätig. Dies waren zwar etwas mehr als im Vorjahr (+ 6.542), gleichzeitig steigt aber in einer Gesellschaft des langen Lebens der Behandlungsbedarf. Derzeit prognostiziert das Statistische Bundesamt bis zum Jahr 2040 eine Steigerung des Bevölkerungsanteils der über 67-jährigen um 42 Prozent. Für das Statistikjahr 2016 meldet das Amt 19,5 Millionen Behandlungsfälle in den Krankenhäusern. Hinzu kommen rund eine Milliarde Arztkontakte jährlich in den Praxen. Nach der Statistik der Bundesärztekammer stieg die Zahl der Krankenhausärzte nur leicht um 2,1 Prozent auf 198.500. Bei der Zahl der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ist sogar ein Rückgang um 1.285 auf 118.356 zu verzeichnen; dies entspricht einem Minus von 1,1 Prozent. Montgomery begrüßte in diesem Zusammenhang die im Koalitionsvertrag angelegten Maßnahmen zur Bekämpfung des Ärztemangels. Dirigistische Eingriffe wie die geplanten Mindestsprechstundenzeiten trügen jedoch nicht dazu bei, die Niederlassung in eigener Praxis attraktiver zu machen. Statt einer Erhöhung der Mindestsprechstundenzeiten sei eine stärkere Flexibilisierung notwendig. Tatsächlich arbeiten niedergelassene Vertragsärzte schon jetzt durchschnittlich mehr als 50 Stunden. In den Krankenhäusern ist es ähnlich: Nach Erhebungen des Marburger Bundes sind viele Ärzte im Krankenhaus (40 Prozent) 49 bis 59 Stunden pro Woche im Einsatz, jeder fünfte hat sogar eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 60 bis 80 Stunden, inklusive aller Dienste und Überstunden. Zum Vergleich: Das Statistische Bundesamt beziffert die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen in Deutschland auf 35,6 Stunden. „Ein großer Teil unserer Ärzte arbeitet am Limit. Gleichzeitig sind gerade in der jungen Generation viele nicht mehr bereit, sich auf Kosten der eigenen Gesundheit aufzureiben“, sagte Montgomery mit Blick darauf, dass sich immer mehr Ärzte für eine Festanstellung im ambulanten Bereich entscheiden. Nach der Ärztestatistik ist der Anteil der Ärztinnen an der Gesamtzahl der berufstätigen Ärzteschaft im vergangenen Jahr weiter angestiegen und hat jetzt 46,8 Prozent (2016: 46,5 Prozent) erreicht. Aus der aktuellen Statistik wird auch deutlich, dass der demografische Wandel längst die Ärzteschaft selbst betrifft. So hat sich die Verteilung der berufstätigen Ärzte auf die Altersgruppen weiter zu den höheren Altersjahren verschoben. Der Anteil der unter 35-jährigen Ärzte ist zwar um 0,1 Prozentpunkte auf 18,9 Prozent gestiegen, aber gleichzeitig ist der Anteil der über 59-Jährigen auf 18,4 Prozent angewachsen (Vorjahr: 17,9 Prozent). Weiterhin ist der Anteil der 40- bis 49-Jährigen von 23,3 Prozent auf 22,7 Prozent zurückgegangen und der Anteil der 50-bis 59-Jährigen von 28,4 Prozent auf 28,2 Prozent gesunken. Dennoch gibt es viel mehr 50- bis 59-Jährige (108.559) als 40- bis 49-Jährige (87.280). Das Durchschnittsalter der Krankenhausärztinnen und -ärzte stieg um 0,1 Jahre auf 41,7 Jahre. Während der Anteil der Krankenhausärztinnen und -ärzte, die jünger als 35 Jahre sind, bei 33,4 Prozent stagniert, erhöhte sich der Anteil der über 59-Jährigen auf 7,3 Prozent (Vorjahr: 7 Prozent). Bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten stagnierte der Anteil der unter 40-Jährigen bei 2,7 Prozent. Zugleich ist der Anteil der mindestens 60-Jährigen von 32,6 Prozent auf 33,9 Prozent gestiegen. Diese Entwicklungen tragen dazu bei, dass in Zukunft trotz steigender Arztzahlen in Deutschland Ärzte fehlen werden. Für den BÄK-Präsidenten liegen die Ursachen klar auf der Hand: „Es handelt sich hier in erster Linie nicht um ein Verteilungs-, sondern um ein Kapazitätsproblem. Wir bilden zu wenig Ärzte aus.“ Daher dürfe die Politik bei der Umsetzung des „Masterplans Medizinstudium 2020“ nicht weiter trödeln. „Bund und Länder stehen gemeinsam in der Pflicht, die Zahl der Medizinstudienplätze um mindestens zehn Prozent  zu erhöhen“, fordert Montgomery. Nach der Ärztestatistik haben im vergangenen Jahr 1.965 Ärztinnen und Ärzte Deutschland verlassen. Die beliebtesten Auswanderungsländer sind – wie in den vergangenen Jahren – die Schweiz (641), Österreich (268) und die USA (84). Für etwas Entlastung sorgt die weiterhin recht hohe Zuwanderung aus dem Ausland. Der Ärztestatistik zufolge ist die Zahl der in Deutschland gemeldeten Ärztinnen und Ärzte aus EU-Ländern und aus sogenannten Drittländern im Jahre 2017 um 4.088 auf 50.809 gestiegen. „Gerade in ländlichen Regionen leisten Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung. Wir können und sollten aber nicht versuchen, unser Fachkräfteproblem im ärztlichen Dienst durch Zuwanderung aus dem Ausland zu lösen“, sagte Montgomery. Die zugewanderten Kollegen fehlten in ihren Herkunftsländern. Auch seien enorme Anstrengungen nötig, die für eine gute Patientenversorgung notwendigen Fachsprachen-Kenntnisse zu prüfen. Die Ärztekammern engagierten sich auf diesem Gebiet in besonderer Weise. Montgomery erneuerte in diesem Zusammenhang seine Forderung, dass ausländische Ärzte aus Staaten, die nicht der Europäischen Union angehören, einen Nachweis über ihre Kenntnisse und Fähigkeiten durch Teilnahme am medizinischen Staatsexamen, d. h. durch Ablegen einer Prüfung analog dem 2. Abschnitt der „Ärztlichen Prüfung“ und durch Teilnahme am 3. Abschnitt der „Ärztlichen Prüfung“ erbringen sollten, um in Deutschland eine Zulassung zu erhalten. „Patienten haben einen Anspruch auf eine qualitativ hochwertige Behandlung. Deshalb muss auch bei zugewanderten Medizinern aus dem Ausland zweifelsfrei geklärt werden, dass sie über die gleichen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen, wie ihre in Deutschland ausgebildeten Kollegen“, sagte Montgomery. Ärztestatistik 2017...
Demenz 26.03.2018

Zwei Patienteninformationen zum Thema „Demenz“

Berlin - Schlüssel weg, Termin vergessen, Tür aufgelassen – sowas kennt jeder. Der Gedanke, dass es sich dabei um Demenz handelt, kann Angst machen. Denn bei einer Demenz lassen Gedächtnis und praktische Fähigkeiten nach. Irgendwann können demenzkranke Menschen nicht mehr alleine leben. Dann versorgen und pflegen häufig Angehörige das kranke Familienmitglied. Das kann an den Kräften zehren. Vor diesem Hintergrund hat das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) zwei kompakte und allgemein verständliche Informationsblätter zum Thema Demenz entwickelt. Die Kurzinformation "Demenz – mehr als nur vergesslich" gibt einen Überblick über die Krankheit: Sie informiert über die verschiedenen Erscheinungsformen und erläutert die Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten. Das Informationsblatt richtet sich an Menschen, die mehr über Demenz wissen möchten oder befürchten, betroffen zu sein. In der zweiten Kurzinformation "Demenz – eine Herausforderung für Angehörige" stehen die Angehörigen im Mittelpunkt. Sie finden darin Hinweise, wie sie einem demenzkranken Menschen helfen können und was sie vor allem für sich selbst tun können. Ärzte, Psychotherapeuten und andere Fachleute können die beiden Informationsblätter ausdrucken, an Patienten und deren Angehörige weitergeben oder im Wartezimmer auslegen. Im Auftrag der Bundesärztekammer (BÄK) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) bislang zu über 70 Themen qualitätsgesicherte Informationen erstellt. Sie informieren auf zwei Seiten über Erkrankungen oder andere Gesundheitsthemen. Alle Texte beruhen auf dem besten derzeit verfügbaren Wissen. Zu ausgewählten Themen liegen Übersetzungen in Arabisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch und Türkisch vor. Demenz - mehr als nur vergesslich [PDF] Demenz - eine Herausforderung für Angehörige [PDF] Weitere Patienteninformationen
Patientenmaterialien 16.03.2018

Koronare Herzkrankheit: Patientenmaterialien für das Arzt-Patienten-Gespräch in sechs Sprachen

Berlin - In Deutschland zählt die koronare Herzkrankheit (KHK) zu den Volkskrankheiten. KHK und Herzinfarkt gehören zu den häufigsten Todesursachen. Aber mit einer guten Behandlung können Betroffene eine ähnliche Lebensqualität haben wie Gesunde. Die drei Entscheidungshilfen "Brauche ich eine Herzkatheter-Untersuchung?", "Stents einsetzen oder erst mal abwarten?" und "Verengte Herzkranzgefäße: Stent oder Bypass?" sollen das Arzt-Patienten-Gespräch unterstützen. Die Informationen liegen jetzt auch in Arabisch, Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch und Türkisch vor, wie das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin mitteilt. Die Patientenmaterialien sind Bestandteile des Programms für Nationale VersorgungsLeitlinien, das unter der Trägerschaft von Bundesärztekammer, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften steht. Mit der Durchführung wurde das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin beauftragt. Die Patientenmaterialien sind zu finden unter den Patienteninformationen, Herzkrankheit
Notfallversorgung 14.03.2018

Montgomery: "Die Stellungnahme des G-BA-Vorsitzenden belegt das Versagen des G-BA"

Berlin - Zu den heutigen Äußerungen des Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Reform der Notfallversorgung erklärt Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery: "Statt sich mit den Inhalten des Notfallkonzeptes auseinanderzusetzen, hebt der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ausschließlich auf  prozedurale Fragen ab. Zumindest gibt er richtigerweise zu, dass es trotz massiven Drucks aus Politik und Selbstverwaltung zwei Jahre gedauert hat, ein einseitig formuliertes und nicht praxistaugliches Konzept zur Entscheidung vorzulegen. Nachdem sich der G-BA nun zwei Jahre Zeit für ein nicht weiterführendes Konzept gelassen hat, sollte  er die kurze Zeit bis zur nächsten Gesundheitsministerkonferenz abwarten, um dann ein von allen Partnern der Selbstverwaltung getragenes vernünftiges und umsetzbares Notfallkonzept zu entwickeln. Die BÄK warnt daher davor, mit übereilten Scheinlösungen aus den Schwierigkeiten des Heute Probleme der Zukunft zu bewirken."
Reform der Notfallversorgung 13.03.2018

Montgomery: „Wir brauchen eine konzertierte Aktion von Bund, Ländern und Selbstverwaltung“

Berlin – „Die neue Bundesregierung wird morgen vereidigt und in der Gesundheitspolitik muss sich die Koalition nun als erstes der Neugestaltung der Notfallversorgung widmen.“ Das forderte Bundesärztekammerpräsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery heute in Berlin. Die aktuelle Grippewelle habe die ohnehin schon angespannte Situation in den Ambulanzen noch einmal verschärft. Dabei sei deutlich geworden, dass ausreichende Notfallkapazitäten in Krisenzeiten unerlässlich sind. „Wir brauchen deshalb eine konzertierte Aktion von Bund, Ländern und Selbstverwaltung für eine gute Notfallversorgung in Deutschland. Was wir nicht brauchen, sind unausgegorene Reformkonzepte, wie sie derzeit im Gemeinsamen Bundesausschuss beraten und womöglich demnächst beschlossen werden.“ Das sogenannte Stufenkonzept des G-BA beinhaltet Vorgaben für Kliniken, die diese erfüllen müssen, um an der Notfallversorgung teilnehmen zu können. „Bislang fehlt jedoch eine aussagekräftige Folgeabschätzung für diese weitreichende Reform. Sie ist unerlässlich, damit es nicht zu einem Abbau von dringend notwendigen Versorgungskapazitäten kommt, der die Situation noch weiter verschärft“, so der BÄK-Präsident. In einem Schreiben an den Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschuss, Prof. Dr. Josef Hecken, sprach sich Montgomery dafür aus, vor einer Beschlussfassung im G-BA die Ergebnisse der Folgeabschätzung abzuwarten und auch stärker regionale Versorgungsstrukturen in dem Konzept zu berücksichtigen. Der BÄK-Präsident schlug außerdem vor, dass Bund, Länder und Selbstverwaltung gemeinsam ein Procedere erarbeiten, das auf der nächsten Gesundheitsministerkonferenz am 20. und 21. Juni 2018 beraten werden könnte.
Psychotherapie 12.03.2018

Bundesärztekammer kritisiert Arbeitsentwurf zur Reform der Psychotherapeutenausbildung

Berlin - Die Bundesärztekammer (BÄK) fordert Nachbesserungen an dem vom Bundesministerium für Gesundheit vorgelegten Arbeitsentwurf zur Reform der Psychotherapeutenausbildung. Die Reform dürfe nicht dazu führen, „dass voneinander getrennte Versorgungsbereiche entstehen oder die Versorgung von Menschen mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen aus dem medizinischen Versorgungssystem ausgegliedert wird“, warnt die BÄK in einer Stellungnahme. Darin unterstreicht die Ärzteschaft zwar die Notwendigkeit, die Psychotherapeutenausbildung zu reformieren sowie die Zugangsvoraussetzungen und die Qualifikationswege akademischer Heilberufe zu vereinheitlichen. Der vorliegende Entwurf erreiche diese Ziele aber nur eingeschränkt. Dies zeige sich beispielsweise an der unzureichenden strukturellen Anpassung der Psychotherapeutenausbildung an die ärztliche Aus- und Weiterbildung. Zudem sei es notwendig, die grundlegenden Erkenntnisse der Psychologie auch weiterhin in der ganzen Breite für die Versorgung zu nutzen. Daher lehnt die BÄK es ab, bereits das grundständige Bachelor-Studium allein auf die Psychotherapie zu beschränken. Nur eine „breite wissenschaftliche Grundlage“ könne die Patientenversorgung stärken und weiterentwickeln.  Im Hinblick auf das vorgesehene Master-Studium hält die Bundesärztekammer umfangreiche praktische Ausbildungsanteile für zwingend erforderlich, wenn die Approbation wie im ärztlichen Bereich zur selbstständigen Berufsausübung befähigen soll. Die BÄK spricht sich daher für ein Praktisches Jahr zwischen Master-Studium und Staatsexamen aus. Diese Struktur habe sich bei der Ausbildung von Ärzten bewährt. Nachdrücklich fordert die BÄK überdies den Verzicht auf Modellstudiengänge, die Kompetenzen zur Feststellung, Verordnung und Überprüfung von psychopharmakologischen Maßnahmen vermitteln sollen. Die für eine sichere Anwendung der Psychopharmaka erforderlichen Kenntnisse könnten allein in einem Medizinstudium mit anschließender Facharztweiterbildung vermittelt werden.  Stellungnahme der Bundesärztekammer zum Arbeitsentwurf eines Gesetzes zur Reform der Psychotherapeutenausbildung (Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz – PsychThGAusbRefG) [PDF] 
EU-Datenschutzgrundverordnung 09.03.2018

BÄK und KBV legen Informationen für niedergelassene Ärzte vor

Die Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union gilt vom 25. Mai 2018 an. Zusammen mit dem im Juli 2017 neu gefassten Bundesdatenschutzgesetz erfolgte eine grundlegende Neuordnung des Datenschutzrechts in Deutschland. Diese datenschutzrechtlichen Bestimmungen sind auch für Ärztinnen und Ärzte relevant. Die Bundesärztekammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben deshalb ihre Empfehlungen zur ärztlichen Schweigepflicht, Datenschutz und Datenverarbeitung in der Arztpraxis aktualisiert und ergänzt. Wegen punktueller Gesetzesänderungen im Bereich der ärztlichen Schweigepflicht infolge des Geheimnisschutz-Neuregelungsgesetzes vom November 2017 ist zudem der Abschnitt zur "Schweigepflicht" des Papiers überarbeitet worden. Begleitend zu den „Hinweisen und Empfehlungen“ bietet die Checkliste "Datenschutz-Check 2018“ eine Hilfestellung. Sie benennt die wichtigsten Aspekte zum neuen Datenschutzrecht und gibt Ärztinnen und Ärzten eine Prüfliste zur Einhaltung des Datenschutzrechts an die Hand. Zum Hintergrund: Bei der Informationsverarbeitung in der Arztpraxis sind insbesondere die Bestimmungen der EU-Datenschutz-grundverordnung und des neu gefassten Bundesdatenschutzgesetzes von Bedeutung. Mit der von Mai an geltenden neuen Rechtslage gehen zwar keine gravierenden Änderungen einher; viele Vorgaben müssen schon jetzt in den Praxen berücksichtigt werden. Datenschutz soll aber künftig besser durchgesetzt werden. Daher sind die Befugnisse der Aufsichtsbehörden für den Datenschutz erweitert und die Bußgeldrahmen drastisch erhöht worden. Von Ärztinnen und Ärzten sind künftig zahlreiche datenschutzrechtliche Pflichten zu erfüllen: Neuerdings muss der Verantwortliche für die Datenverarbeitung (zum Beispiel der Inhaber einer Arztpraxis) die Einhaltung der Grundsätze nachweisen können. Überdies bestehen ausgeweitete Informationspflichten gegenüber Patienten. Diese erfordern die Kenntnis der rechtlichen Voraussetzungen der Verarbeitung von Patientendaten, um Patientinnen und Patienten darüber zutreffend informieren zu können. Weil Ärzte sensible Gesundheitsdaten verarbeiten, gelten für sie besondere Bestimmungen mit erhöhten Rechtmäßigkeitsanforderungen. Besonders relevant ist künftig die Datenschutzorganisation in der Arztpraxis. Sie beinhaltet unter anderem die Überprüfung aller Verarbeitungsvorgänge im Zusammenhang mit der Berufsausübung auf ihre datenschutzrechtliche Konformität und die Erstellung eines Verzeichnisses für Datenverarbeitungstätigkeiten. Zudem muss unter Umständen ein interner oder externer Datenschutzbeauftragter in der Arztpraxis benannt werden und es bestehen Meldepflichten bei Datenpannen. Ferner gilt es, Auskunftsrechte von Patienten zu beachten. Augenmerk muss zudem auf das Verhältnis zu externen Dienstleistern und Dritten gelegt werden. Die Hinweise und Empfehlungen zur ärztlichen Schweigepflicht, Datenschutz und Datenverarbeitung in der Arztpraxis sowie die Publikation „Datenschutz-Check 2018: Was müssen Arztpraxen angesichts der neuen Vorschriften zum Datenschutz tun?“ können im Internet unter http://www.bundesaerztekammer.de/recht/aktuelle-rechtliche-themen/ds/ abgerufen werden.
Alzheimer-Risikodiagnostik 08.03.2018

BÄK informiert über prädiktive Alzheimertests

Die nachvollziehbare Sorge, an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken, lässt viele Menschen zu prädiktiven Tests greifen. Die Hersteller locken mit dem Versprechen, die Erkrankungswahrscheinlichkeit vorherzusagen, auch wenn keine familiäre Belastung vorliegt oder keine objektiven kognitiven Beeinträchtigungen bestehen. Dabei sind solche Tests lediglich für einen sehr kleinen Personenkreis sinnvoll, denn der Einfluss der Gene auf die Erkrankungswahrscheinlichkeit ist geringer, als häufig vermutet wird. Der größte Risikofaktor für eine Alzheimer-Erkrankung ist nicht die genetische Disposition, sondern das Lebensalter. Das geht aus der „Stellungnahme zum Umgang mit prädiktiven Tests auf das Risiko für die Alzheimer Krankheit“ hervor, die die Bundesärztekammer (BÄK) auf Empfehlung ihres Wissenschaftlichen Beirats jetzt vorgelegt hat. Die Stellungnahme wendet sich an Ärztinnen und Ärzte sowie Interessierte. Sie soll sachlich und kompakt über die Aussagekraft diagnostischer und genetischer Tests zum individuellen Alzheimer-Risiko informieren. Die Stellungnahme ist auf drei Personengruppen fokussiert: Menschen ohne objektive und kognitive Defizite und ohne familiäre Belastung, Menschen ohne Symptome und mit familiärer Belastung sowie Patienten mit subjektiven Beschwerden. Lediglich für die zweite Personengruppe sind nach Auswertung der aktuellen wissenschaftlichen Literatur bestimmte prädiktive Tests sinnvoll –allerdings nur nach entsprechender ärztlicher Aufklärung. Vor dem Hintergrund der fehlenden Präventions- und Heilungsmöglichkeiten könnten die Testresultate den Betroffenen und ihren Angehörigen eventuell schaden, warnt die BÄK. Denn wie empirische Studien zeigen, fällt es vielen Betroffenen schwer, ihr Erkrankungsrisiko auf Grundlage der Testergebnisse angemessen einzuschätzen. Daher sollten solche Angebote nicht ohne qualifizierte ärztliche Begleitung wahrgenommen werden. Stellungnahme zum Umgang mit prädiktiven Tests auf das Risiko für die Alzheimer Krankheit [pdf]Berlin, 09.03.2018 Begleitartikel "Alzheimer Krankheit - Vorhersage eng begrenzt" [PDF] Deutsches Ärzteblatt, Jg. 115, Heft 10, 9. März 2018