News-Archiv

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BÄKground 21.06.2018

Neue Ausgabe des BÄK-Informationsdienstes BÄKground

Beschlüsse sind nur etwas Wert, wenn sie auch umgesetzt werden“, stellt Prof. Dr. Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, im Interview in der aktuellen Ausgabe des BÄKground fest. Konkret bezieht er sich damit auf den 121. Deutschen Ärztetag. Das Ärzteparlament hat in Erfurt eine Reihe von Entscheidungen mit großer Tragweite gefällt. So ebnete es den Weg für die ausschließliche Fernbehandlung. In Zukunft werden Ärzte ihre Patienten im Einzelfall auch ohne vorherigen persönlichen Kontakt beraten und behandeln können. Damit schafft die Ärzteschaft die Voraussetzung dafür, den Digitalisierungsprozess der Medizin selbst zu gestalten – wobei der persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patient weiterhin der Goldstandard ärztlichen Handelns bleiben wird. Einen Beratungsschwerpunkt bildeten die psychischen und psychosomatischen Erkrankungen. Etwa ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland ist inzwischen jedes Jahr von ihnen betroffen. In Anbetracht der steigenden Erkrankungszahlen riefen die Abgeordneten Politik und Selbstverwaltung zu einem stärkeren Einsatz für die Betroffenen auf. Sie warnten eindringlich davor, das Versorgungsmodell mit ärztlichen und nicht-ärztlichen Angeboten im Rahmen der Novellierung des Psychotherapeutengesetzes aufzuspalten. Mit großer Mehrheit verabschiedete das Ärzteparlament die Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung. Damit fand ein Reformprozess seinen Abschluss, der im Jahr 2012 auf dem 115. Deutschen Ärztetag in Nürnberg angestoßen worden war. Die Reform trägt den dramatischen Veränderungen in der Versorgungslandschaft und dem rasanten medizinisch-technischen Fortschritt Rechnung. „Die Kernfrage lautet nun nicht mehr, wie oft und in welcher Zeit wurden Inhalte erbracht, sondern wie und in welcher Form werden Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten erworben“, erläuterte Dr. Franz Bartmann, der als Vorsitzender der Weiterbildungsgremien der Bundesärztekammer das Mammut-Projekt maßgeblich vorangetrieben hat. BÄKground Juni 2018 [PDF]
Assistierte Reproduktion 01.06.2018

Ärzteschaft übernimmt weiter Verantwortung – und fordert dies auch von der Politik

Berlin – Die Bundesärztekammer (BÄK) hat heute die „Richtlinie zur Entnahme und Übertragung von menschlichen Keimzellen im Rahmen der assistierten Reproduktion“ veröffentlicht. Mit der vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesärztekammer im Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut erstellten Neufassung wird die bisherige „(Muster-)Richtlinie zur Durchführung der assistierten Reproduktion" gegenstandlos. Dazu Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery: „Mit dieser Richtlinie übernimmt die Ärzteschaft weiter Verantwortung für die medizinisch-wissenschaftlichen Belange der Reproduktionsmedizin und schafft transparente, bundeseinheitliche Regelungen für Ärzte und Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch. Die Richtlinie verzichtet ganz bewusst auf eine Interpretation von rechtlich nicht eindeutig geregelten, häufig gesellschaftspolitischen Fragen in diesem Bereich. Diese zu beantworten ist und bleibt Aufgabe des Gesetzgebers. Denn nur dieser ist legitimiert, die das menschliche Leben elementar berührenden Fragen zu den medizinethischen und rechtlichen Aspekten der Reproduktionsmedizin verbindlich zu entscheiden. Wir stehen ihm bei der Erarbeitung entsprechender gesetzlicher Regelungen natürlich auch weiterhin mit unserer Expertise beratend zur Seite.“ Der Vorstand der Bundesärztekammer hatte im Februar 2015 beschlossen, die medizinisch-wissenschaftlichen Fragestellungen im Bereich der Reproduktionsmedizin klar von den gesellschaftspolitischen Aspekten abzugrenzen und die „(Muster-)Richtlinie zur Durchführung der assistierten Reproduktion“ aus dem Jahr 2006 nicht fortzuschreiben. Stattdessen erarbeitete ein Arbeitskreis des Wissenschaftlichen Beirates unter Federführung von Prof. Dr. Jan-Steffen Krüssel, Prof. Dr. Eberhard Nieschlag und Prof. Dr. Hermann Hepp auf Basis der mit dem Gewebegesetz geschaffenen Rechtsgrundlage (§16 b TPG) eine Neufassung der Richtlinie. Sie fokussiert – dem gesetzlichen Auftrag entsprechend – auf die Entnahme und Übertragung menschlicher Ei- und Samenzellen und stellt hierzu den allgemeinen medizinisch-wissenschaftlichen Stand der Erkenntnisse fest. Ausführliche Darstellungen zu den Spenderauswahlkriterien sowie zu Information und Einwilligung der Spender sind ebenfalls wichtige Richtlinienbestandteile. Verabschiedet wurde vom BÄK-Vorstand mit Blick auf die Rechtsanwender zudem eine Anpassung dieser Richtlinie an das zum 1. Juli 2018 in Kraft tretende Gesetz zur Regelung des Rechts auf Kenntnis der Abstammung bei heterologer Verwendung von Samen (Samenspenderregistergesetz – SaRegG). Die Ärzteschaft hatte in der Vergangenheit wiederholt gefordert, dass der Gesetzgeber wichtige offene gesellschaftspolitische Fragestellungen der Reproduktionsmedizin diskutiert und beantwortet. Dazu zählen beispielsweise der Umgang mit ärztlichen Beratungs- oder Unterstützungsleistungen für in Deutschland nicht erlaubte Verfahren der assistierten Reproduktion, die Diskussion über die sogenannte „Dreier-Regel“ und damit die zahlenmäßige Beschränkung entwicklungsfähiger Embryonen insbesondere auch im Rahmen der Präimplantationsdiagnostik sowie die Behandlung lesbischer Paare und alleinstehender Frauen mit heterolog verwendeten Samenzellspenden. Vor diesem Hintergrund hatten Bundesärztekammer und Deutsche Ärztetage darauf hingewiesen, dass die zunehmende Komplexität der mit der Reproduktionsmedizin verbundenen medizinischen, ethischen und rechtlichen Fragen insbesondere für die Betroffenen, für ihre Kinder und gegebenenfalls für die Spender von Samen zur heterologen Verwendung ebenso wie für die behandelnden Ärzte eine systematische Rechtsentwicklung für die Fortpflanzungsmedizin dringend erforderlich machen – diese steht bislang aus. Richtlinie zur Entnahme und Übertragung von menschlichen Keimzellen im Rahmen der assistierten Reproduktion ...