Berlin 11.09.2017

Ärztekammer Berlin ehrt Antje Blankau, Wolfram Singendonk und Volker Schliack mit der Georg-Klemperer-Medaille

Auszeichnung geht an drei Berliner Ärztinnen und Ärzte für ihre besonderen Verdienste um die medizinische Versorgung der Bevölkerung und die Förderung des ärztlichen Nachwuchses.

Berlin - Für ihre herausragenden Verdienste um die medizinische Versorgung der Bevölkerung und für die Förderung des ärztlichen Nachwuchses sind heute die Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Antje Blankau, der Kinder- und Jugendmediziner Dr. med. Wolfram Singendonk und der Diabetologe Obermedizinalrat Dr. med. Dr. sc. med. Volker Schliack mit der Georg-Klemperer-Medaille der Ärztekammer Berlin ausgezeichnet worden. Damit wählte der Vorstand der Ärztekammer Berlin in diesem Jahr drei Preisträger aus unterschiedlichen ärztlichen Fachgebieten für die Ehrung aus.

Antje Blankau und Dr. Wolfram Singendonk zeichnet vor allem ihr unermüdlicher Einsatz für den ärztlichen Nachwuchs – insbesondere in der Weiterbildung – und ihre geradlinige, wertschätzende Haltung in den Gremien der ärztlichen Selbstverwaltung aus. Dr. Volker Schliack hat – seiner Zeit weit voraus – eine international vorbildliche Versorgungsstruktur von Diabetes-Patienten etabliert. Im Vordergrund seiner Arbeit stand eine systematische Versorgung und Betreuung der Patienten. „Unsere drei Preisträger eint, dass sie sich aus persönlicher Überzeugung in ganz herausragendem Maße für die Verbesserung der Patientenversorgung und die nachfolgenden Generationen von Ärztinnen und Ärzten eingesetzt haben“, erklärte Kammerpräsident Dr. med. Günther Jonitz.

Die Georg-Klemperer-Ehrenmedaille ist die höchste Auszeichnung der Ärztekammer Berlin. Sie wird jedes Jahr im Rahmen des Kammertages an Menschen verliehen, die sich durch Tugenden wie wissenschaftlicher Weitblick, Neugier, Mut und Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem, aber auch durch Menschlichkeit und Zuwendung zum Patienten und um das Berliner Gesundheitswesen in herausragender Weise verdient gemacht haben.

Der Vorstand und Geschäftsführer der Ärztekammer Berlin begrüßten an diesem Nachmittag ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter der Kammer sowie zahlreiche Gäste aus dem Gesundheitswesen. Die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kolat würdigte die Preisverleihung mit einem Grußwort.
 
Die Preisträger
 
Antje Blankau

Antje Blankau (67), geborene Hamburgerin, wollte eigentlich Krankenschwester werden. Doch zunächst machte sie eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau und arbeitete auch als solche. Zwischenzeitlich nach Berlin gezogen, entschied sie sich für den zweiten Bildungsweg. Dem folgte ein BWL-Studium, an dessen Ende sie dann endlich den ersehnten Platz für ein Medizinstudium erhielt. Antje Blankau entschied sich für die Frauenheilkunde und war an der Frauenklinik der Freien Universität in die Pulsstraße tätig. Mit der Anerkennung des Facharztes für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Jahr 1992 durch die Ärztekammer Berlin kam Antje Blankau in den 90er Jahren zur Reproduktionsmedizin. Ein Gebiet, dessen Anfänge sie hier in Berlin miterlebt und vor allem auch mitgestaltet hat. Künstliche Befruchtungen waren damals noch viel schwieriger als heute, sie hat sich in das Gebiet eingearbeitet und war Teil eines kleinen Teams. Anfang 1997 eröffnete sie dann eine eigene Praxis und kümmerte sich mit viel Engagement und Verantwortungsbewusstsein um ihre Patientinnen. Ihre Praxis hat sie im Juli 2015 an ihre Nachfolgerin übergeben. Von 1991 bis 2014 war sie mit dreijähriger Unterbrechung für die FrAktion Gesundheit Mitglied der Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin. Von 2005 bis 2015 hat sie aktiv in der Haushaltskommission mitgearbeitet.

Besonders herauszuheben ist Antje Blankaus unermüdliches Engagement in der ärztlichen Weiterbildung. Dabei war und ist es ihr wichtig, ihr Wissen an junge Ärztinnen und Ärzte stets wertschätzend und immer auf Augenhöhe weiterzugeben. Gut ausgebildete Ärztinnen und Ärzte in Berlin zu haben, ist ihr eine Herzensangelegenheit. „Antje Blankau ist eine aufrechte, beharrliche und engagierte Streiterin für die ärztlichen Belange im Allgemeinen und für die Weiterbildung im Besonderen“, betonte Kammerpräsident Dr. Günther Jonitz in seiner Laudatio.
 
Dr. med. Wolfram Singendonk
 
Der Kinder- und Jugendmediziner Dr. med. Wolfram Singendonk (76) ist seit mittlerweile rund 22 Jahren für die ärztliche Fort- und Weiterbildung ehrenamtlich aktiv. Er wurde mitten im 2. Weltkrieg als zweites von fünf Kindern geboren. Seine Kindheit war vor allem von zahlreichen Umzügen und entsprechenden Schulwechseln geprägt. Nachdem er ganz ursprünglich Archäologie im Kopf hatte, dann aber Elektroingenieur werden wollte, entschied er sich doch für die Medizin, die er ab 1965/66 an der Freien Universität Berlin studierte. Nach dem Staatsexamen und der Ableistung der Medizinalassistentenzeit erhielt er 1973 seine Approbation und begann zunächst eine Facharztweiterbildung im Bereich Geriatrie. Allerdings war sein Ziel die Pädiatrie. Er konnte zu seinem großen akademischen Lehrer, Professor Stück, wechseln. Dieser schickte ihn zusammen mit seiner Kollegin Dr. med. Elke Jäger-Roman in die Rheuma-Sprechstunde für Kinder und Jugendliche. Damit wurde der Grundstein für eines, wenn nicht für DAS wichtigste Thema im medizinischen Leben von Dr. Singendonk gelegt.
Es folgte Ende 1979 die Promotion in Hamburg und die Anerkennung als Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin durch die Ärztekammer Berlin. Nach gut zwei Jahren in der Kinderradiologie eröffnete Dr. Singendonk 1983 gemeinsam mit Kollegin Dr. Jäger-Roman eine Gemeinschaftspraxis in Schöneberg, wo sie die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit rheumatischen Behandlungen fortsetzten. In der Praxis waren regelmäßig sowohl angehende Kinder- und Jugendärzte, als auch angehende Allgemeinmediziner zur Weiterbildung angestellt. Die Beschäftigung mit der Weiterbildungssituation hat Wolfram Singendonk dazu gebracht, sich der FrAktion Gesundheit anzuschließen und sich zur Wahl in der Delegiertenversammlung der Ärztekammer zu stellen. Seitdem ist er in zahlreichen Gremien der Kammer aktiv. Er zeichnet sich dabei durch sein ganz persönliches Engagement aus: Beispielsweise ist er seit 2008 Mitglied im Gemeinsamen Weiterbildungsausschuss (GWBA) der Ärztekammer Berlin und zudem stellvertretender Ausschussvorsitzender des Weiterbildungsausschusses II. Seine äußerst integre und wertschätzende Haltung, ebenso wie sein leidenschaftliches Eintreten für sein Fachgebiet – die Pädiatrie – und für die ärztliche Selbstverwaltung machen ihn aus. Wolfram Singendonk ist es wichtig, sein Wissen weiterzugeben. Denn obwohl er eigentlich schon seit Ende 2010 im Ruhestand ist, ist er dennoch nicht „ruhig“. So war er von 2012 bis 2016 am ambulanten Gesundheitszentrum der Charité als Arzt für Kinder- und Jugendmedizin angestellt und hat die Aufgabe, eine Weiterbildungsstelle für die allgemeine ambulante Pädiatrie aufzubauen, wahrgenommen. „Mit diesem außerordentlichen Engagement für die Medizin, für seine jungen Patienten und für den ärztlichen Nachwuchs ist Wolfram Singendonk ein leuchtendes Vorbild“, hob die Vizepräsidentin der Ärztekammer Berlin, Dr. med. Regine Held, in ihrer Laudatio hervor.
 
OMR Dr. med. Dr. sc. med. Volker Schliack
 
Obermedizinalrat Dr. med. Dr. sc. med. Volker Schliack (96) hat die Diabetologie nicht nur in der DDR, sondern auch international entscheidend geprägt und stetig vorangetrieben. Er wurde im Sommer 1921 in Berlin-Schmargendorf geboren. Nach dem Abitur 1939 stand für Volker Schliack fest, dass er Arzt werden möchte. Allerdings kam zunächst der 2. Weltkrieg, in dem er als Mitglied der Studentenkompanie so gut es ging Medizin studierte und deshalb auch als sogenannter „Feldunterarzt“ eingesetzt wurde. In Greifswald konnte Dr. Schliack 1948 schließlich sein Medizinstudium mit dem Staatsexamen abschließen. Dann promovierte er bei Professor Gerhard Katsch, dem Gründer des weltweit ersten Diabetikerheims in Garz auf Rügen sowie des international renommierten Diabetes-Instituts in Karlsburg bei Greifswald. Katsch war es auch, der Volker Schliack zur Diabetologie brachte.

Als Oberarzt am Institut für Diabetes in Karlsburg fand Dr. Schliack 1950 erste wissenschaftliche Anerkennung durch eine Diabetes-Reihenuntersuchung im Raum Anklam, bei der zehn Mal mehr Diabetiker entdeckt wurden, als vorher bekannt waren. Der Früherkennung des Diabetes und seiner Vorstadien galt seitdem zeitlebens seine besondere Aufmerksamkeit. So führte er 1955 in der Bundesrepublik die erste westdeutsche Reihenuntersuchung zur Erfassung der Häufigkeit von Diabetes durch und etablierte zudem den noch heute gängigen oralen 75g-Glukosetoleranztest.

1958 wurde Dr. Schliack Direktor der Zentralstelle für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten in der Berliner Klosterstraße. Sukzessiv baute er ein einmaliges Diabetes-Großstadt-Modell auf. Er entwickelte die Zentralstelle zu einem multidisziplinären, ambulant tätigen Zentrum (Poliklinik) und inaugurierte in jedem Ostberliner Stadtbezirk eine Stadtbezirksstelle mit erfahrenen Diabetologen, die fachlich der Zentralstelle angeschlossen waren und nach deren einheitlichen Therapieempfehlungen arbeiteten.

In Personalunion als Chefarzt leitete Dr. Schliack zudem die Klinik für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten in Berlin-Kaulsdorf, in der er auch die weltweit erste teilstationäre Nachtklinik etablierte. Diese war eine Sensation und diente sowohl zur nächtlichen Diabeteseinstellung unter Alltagsbedingungen, als auch zur Schulung und Stoffwechseloptimierung. In diesem weltweit einzigartigen Betreuungssystem wurden über drei Jahrzehnte alle Ostberliner Diabetiker nach einheitlichen Kriterien für Diagnostik und Therapie betreut.
Neben seiner praktischen Arbeit nahm Dr. Schliack auch über seine Emeritierung 1986 hinaus einen Lehrauftrag für das Fach Diabetologie an der Charité wahr, verfasste über
300 Beiträge für Zeitschriften, Hand- und Fachbücher und engagierte sich auf internationalem Parkett. So gründete er bereits 1959 das „Internationale Komitee für Diabetessuche in der Internationalen Diabetes Federation“, gehörte 1964 wiederum zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Diabetes Gesellschaft, bevor ihm ein Jahr später die Gründung der Europäischen Studiengruppe der Diabetesepidemiologie gelang, die er ebenfalls leitete. Außerdem war er langjähriges Mitglied im „Council der European Foundation for the Study of Diabetes“. Seine internationale Reputation zeigt, dass er – auch ohne Parteibuch – über die Landes- und Systemgrenzen hinaus aktiv war und dass er es regelmäßig schaffte, seine Ergebnisse auch außerhalb der DDR zur Diskussion zu stellen.

„Das Leben und Wirken von Obermedizinalrat Dr. Schliack ist beeindruckend und wegweisend. Er hat sich nicht nur herausragend um die Krankheit seiner Patienten gekümmert, sondern vor allem um eine gute Versorgung für die erkrankten Menschen“, erklärte Kammerpräsident Dr. Günther Jonitz in seiner Laudatio.
 
Der Namensgeber
 
Die Georg-Klemperer-Medaille wurde von der Ärztekammer Berlin in diesem Jahr zum elften Mal vergeben. Damit wurden bisher insgesamt 25 Personen geehrt. Namensgeber der Auszeichnung ist der Berliner Internist Professor Georg Klemperer (1865-1946). Der Sohn eines Rabbiners etablierte im Krankenhaus Moabit eine ebenso menschliche wie wissenschaftlich fundierte Medizin. 1935 musste Klemperer vor den Nazis in die USA fliehen.

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