Gemeinsame Pressemitteilung 27.06.2014

Ärztliche Psychotherapie: Mehr Effizienz durch flexiblere Therapieformen?

Bundesärztekammer und Ärztekammer Niedersachsen diskutieren aktuelle Ergebnisse der Versorgungsforschung: Hannoversches Symposium am 28. Juni 2014

Hannover, 27.06.2014

Wer krank ist, geht zum Arzt - wer psychisch krank ist, nicht unbedingt. Denn in Deutschland wird die psychotherapeutische Versorgung sowohl von ärztlichen als auch von psychologischen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten mit den ihnen jeweils eigenen Qualifikationen getragen.

„Die spezifisch ärztliche Form der Behandlung psychisch Kranker liegt in ihrer Kompetenz, ein individuelles Gesamtkonzept für den einzelnen Patienten anbieten zu können. Dies ist umso wichtiger, weil psychisch Kranke häufig auch unter behandlungsbedürftigen somatischen Erkrankungen leiden, die sich wechselseitig sogar noch verstärken können.“ Darauf verwies Dr. med. Cornelia Goesmann, Beauftragte des Vorstandes der Bundesärztekammer (BÄK) für Fragen der ärztlichen Psychotherapie, im Vorfeld des Symposiums der BÄK und der Bezirksstelle Hannover der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) am 28. Juni 2014. Goesmann forderte, die  psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung noch enger in den „somatischen“ Behandlungskontext einzubinden. Sowohl im Medizinstudium als auch in der Facharztweiterbildung müsse die Psychotherapie den ihr gebührenden Stellenwert erhalten. Mit Blick auf die Diskussion über lange Wartezeiten in der Psychotherapie forderte Goesmann bessere strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen. „Dazu gehören neben der Antragspsychotherapie  auch ausreichend finanzierte diagnostische und psychotherapeutische Gespräche im haus- und fachärztlichen Bereich.“

Unter dem Titel „Die spezifische Rolle der ärztlichen Psychotherapie“ werden auf der Tagung aktuelle Ergebnisse aus der Versorgungsforschung vorgestellt, die aufzeigen, welche Versorgungsformen für welche Patienten besonders geeignet sind.  Diese lassen dabei auch Rückschlüsse darauf zu, welche Versorgungsstrukturen geeignet sein können, durch mehr Effizienz dem drohenden Versorgungsengpass vorzubeugen.

„Für diese Tagung konnten etliche hochkarätige Referenten aus den Fächern Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie gewonnen werden. Hintergrund hierfür ist, dass die Bundesärztekammer im Zuge ihres Projektes Versorgungsforschung auch drei Expertisen zum Versorgungsstand von Patienten mit psychischen Störungen eingeholt hatte, deren Ergebnisse nun vorgestellt werden sollen“, erläuterte Goesmann, die auch  Vorsitzende der ÄKN-Bezirksstelle Hannover ist.

Auf dem Symposium werden unter anderem folgende Fragestellungen diskutiert:

● Welche Berufsgruppe und welcher Facharzt betreut psychisch kranke Patienten in Deutschland in welchem Umfang?
● Worin unterscheiden sich ärztliche Interventionen und Therapien von denen anderer Gesundheitsberufe?
● Gibt es eine spezifische ärztliche Form der Psychotherapie?
● Welche Probleme kennzeichnen den Alltag ärztlicher Psychotherapeuten und ihrer Patienten?
● Welche zukünftigen Versorgungsstrukturen wünschen sich psychisch Kranke und ihre ärztlichen Therapeuten?

Als Grundlage der Debatte dienen die genannten drei Expertisen der BÄK sowie Studien der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und verschiedener wissenschaftlicher Forschergruppen. „Mit diesem Symposium möchten wir wissenschaftliche und politische Impulse zur Steuerung der künftigen Versorgung von psychisch Kranken in Deutschland geben“, so Dr. Goesmann.

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