Ärzte 15.12.2014

Clever: „Ein Bedarf besteht für alle Facharztbereiche“

Berlin, 15.12.2014

Der Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg und Menschenrechtsbeauftragte der Bundesärztekammer, Dr. Ulrich Clever, hat bessere Bedingungen für die ärztliche Versorgung von Flüchtlingen in Deutschland gefordert. Es sei problematisch, wenn Flüchtlinge in bereits medizinisch unter­versorgte Regionen untergebracht werden, zum Beispiel in abgelegen Industriegebieten. „Hier kann nicht optimal versorgt werden“, sagte Clever in einem Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt (12.12.2014).

Bedarf bestünde für alle Facharztbereiche. Die Krankheiten, bedingt durch Entbehrungen jeglicher Art und das über einen meist langen Zeitraum, seien vielzählig. „Wichtig sind in diesem Zusammenhang vor allem auch Dolmetscher. Ideal wäre, wenn auch mit Blick auf psychotherapeutische Behandlungen Muttersprachler für die Übersetzung zur Verfügung stünden.“

Verbesserungsbedarf sieht Clever auch bei der Kostenabrechnung. Zwar sei nach § 4 Asylbewerberleistungsgesetz eine Kostenabrechnung für den Notfall gewährleistet, Ärzte blieben aber oftmals auf ihren Kosten sitzen. „Zum einen weil ein Sozialamtsschein nicht nachgereicht wurde, zum anderen kann der Leistungsträger darüber entscheiden, ob ein Notfall überhaupt vorgelegen hat und welche Leistungen im Rahmen der ärztlichen Notfallbehandlung letztendlich abgerechnet werden“, sagte Clever.

Positiv sieht er die Vertragslösungen in  Bremen. Dort erhalten Leistungsberechtigte seit 2005 eine Chipkarte der AOK Bremen. Da das Bremer Modell sich durchaus für registrierte Flüchtlinge bewährt habe, stelle sich die Frage, warum nicht schon längst mehr Bundesländer nachgezogen haben. Zumal sich gezeigt habe, dass eher Kosten für die gesundheitliche Versorgung gespart würden.

Interview im Wortlaut