Weibliche Genitalverstümmelung 27.03.2015

Clever: Mit Betroffenen behutsam umgehen

Berlin, 27.03.2015

Der Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg und Menschenrechtsbeauftragte der Bundesärztekammer, Dr. Ulrich Clever, hat sich für einen behutsamen Umgang mit Frauen, die von Genitalverstümmelung betroffen sind, ausgesprochen. Der Gynäkologe sagte in einem Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt (27.03.2015): "Manchmal kann man sich erst im Laufe der Zeit, mit wachsendem Vertrauen, dem Thema nähern. Und dann hat man das nächste Problem: Wie formuliert man das? Viele Frauen wollen nicht als verstümmelt gelten. Da muss man feinfühlig vorgehen." Clever betonte, dass die weibliche Genitalverstümmelung schwerwiegende körperliche und seelische Folgen wie Störungen beim Wasserlassen, beim Stuhlgang, bei der Sexualität oder bei Geburten habe. Mit der wachsenden Zahl von Flüchtlingen nehme dieses Problem auch in Europa zu. In Deutschland gehe man von etwa 25 000 betroffenen Frauen und Mädchen aus.

„Wenn es darum geht zu verhindern, dass Mädchen in ihre Heimatländer gebracht werden, um dort verstümmelt zu werden, ist in bestimmten Fällen eine Schweigepflichtentbindung gegenüber Jugendamt oder Polizei möglich“, berichtete Clever. Bei erwachsenen Frauen sei das schwieriger. Wenn Frauen beispielsweise nach einer Geburt eine Reinfibulation wünschen, sei das nach deutschem Straf- und Berufsrecht verboten.

Die Bundesärztekammer engagiert sich in einer Arbeitsgruppe aus Bund, Ländern und Nichtregierungsorganisationen zum Thema Genitalverstümmelung.


Interview im Wortlaut