Presse 16.08.2013

Geprüft auf Leber, Herz und Nieren – Die Kontrollen von Prüfungskommission und Überwachungskommission

Berlin, 16.08.2013

Nach den im Sommer bekannt gewordenen Vorfällen in der Transplantationsmedizin haben Gesetzgeber und Selbstverwaltung ein ganzes Maßnamenbündel für mehr Kontrolle und Transparenz in der Transplantationsmedizin veranlasst. Die Richtung gaben Prüfungskommission und Überwachungskommission, Bundesärztekammer, Deutsche Krankenhausgesellschaft und Spitzenverband der Krankenkassen Anfang August 2012 in einer gemeinsamen Erklärung vor. Sie beinhaltet neben der bereits Gesetz gewordenen Ausweitung der Kontrollbefugnisse unter anderem auch die Einführung des Mehraugenprinzips bei der Anmeldung von Wartelisten-Patienten. Vertreter von Bund, Ländern und den maßgeblichen Akteuren der Transplantationsmedizin griffen diese Ansätze auf und entwickelten weitere Vorschläge bei einem Kri­sentreffen im August 2012 im Bundesgesundheitsministerium. Der hierbei erarbeitete Maßnahmenkatalog legte die erforderlichen Schritte und Ziele für alle Beteiligten fest.
Anknüpfend an die dort vereinbarten Maßnahmen haben die Prüfungs- und Überwachungskommission in ihrer Si­zung vom 26. September 2012 verschärfte Vor-Ort-Kontrollen beschlossen und das Prozedere der Visitationen im Einzelnen festgelegt. Während die Prüfer bis dahin nur bei gemeldeten Auffälligkeiten tätig werden konnten, sehen die Neuregelungen vor, dass alle Zentren mit ihren insgesamt 140 organspezifischen Transplantationsprogrammen mindestens einmal in einem Zeitraum von 36 Monaten vor Ort zu prüfen sind. Dazu werden für jede Visitation Prüfteams gebildet. In jeder Gruppe wirken in der Regel zwei Mitglieder der Prüfungskommission oder der Überwachungskommission sowie zwei für das jeweilige Organtransplantationsprogramm sachverständige unabhängige Ärzte mit, die von Mitarbeitern der zuständigen Landesministerien begleitet werden.

Zwischenzeitlich wurden alle 24 Leberprogramme geprüft. Ab September folgen die weiteren Programme – unter anderem für Herz und Niere. Schon vor der gesetzlichen Neuregelung der Kontrollen nahmen die Kommissionen bei gemeldeten Auffälligkeiten auch Vor-Ort-Überprüfungen unter anderem bei Herzprogrammen vor. Aller­dings beschränkten die gesetzlichen Rahmenbedingungen die Befugnisse der Prüfer.
Vor jeder Prüfung bereiten sich die Prüfteams akribisch vor. Tage bevor das entsprechende Zentrum über die anstehende Kontrolle unterrichtet wird, gehen die Experten Zahlenkolonnen der Organvermittlungsstelle Eurotransplant durch, vergleichen Patientendaten und begutachten Laborwerte und ärztliche Befundungen.

Die Krankenakten werden nach Abgleich der Eurotransplant-Nummern in der jeweiligen Klinik und der Feststellung der Patientendaten einer umfangreichen medizinischen Begutachtung unterzogen. Dazu überprüfen die Experten zu­nächst die Meldung und die dazu notwendigen Daten von Eurotransplant. Die Laborwerte und Dialysedaten vergleichen sie anhand der Original-Unterlagen. Die Prüfer befragen die Klinikvertreter zur Indikation der Transplantation, zur Dialyse, zu möglichen Besonderheiten sowie zur Dokumentation der Krankenblätter und der Verlaufskontrolle vor der Meldung an Eurotransplant. Diese Verlaufsentwicklung soll Aufschluss über die medizinische Plausibilität geben.
Sofern sich im Zuge einer Visitation Auffälligkeiten ergeben, die weitere Untersuchungen erfordern, kommt in einem zweiten Schritt eine zweiköpfige Sonderprüfungsgruppe, bestehend aus einem Arzt und einem Juristen, zum Einsatz. Alle gutachterrelevanten Unterlagen sind dann Grundlage des Kommissionsberichts, der den Kliniken zur Möglichkeit der Stellungnahme zugeleitet wird. Danach ergeht der Abschlussbericht an die zuständigen öffentlichen Stellen.

Weitere Informationen: www.aerzteblatt-thueringen.de/pdf/thu13_335.pdf