Stellungnahme 19.08.2015

Indikationsstellung muss auf Patientenwohl bezogen sein

Medizinische Indikationsstellung und Ökonomisierung

Berlin - Das Gebot der Wirtschaftlichkeit darf die Zielsetzung des ärztlichen Handelns nicht in ein ökonomisch orientiertes Handeln umdefinieren. Das fordert die Bundesärztekammer (BÄK) in ihrer Stellungnahme „Medizinische Indikationsstellung und Ökonomisierung“.

Die Indikationsstellung müsse immer auf das Patientenwohl bezogen bleiben, um das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Patienten und Arzt nicht zu gefährden. In Anbetracht der um sich greifenden ökonomischen Überformung der Medizin werde die Indikation aber zunehmend für die Erlösoptimierung zweckentfremdet.

Gegen solche Tendenzen wendet sich die BÄK in ihrer Stellungnahme. Die Grundlage der Indikation dürften nur der Stand der Wissenschaft sowie die allgemein anerkannten medizinischen Standards und Zielsetzungen des medizinischen Handelns bilden. Darüber hinaus sei die Individualität des Patienten ein weiterer Aspekt zur Bestimmung der Indikation. Diese setze unweigerlich eine singuläre Entscheidungsfindung voraus.

Mit Sorge betrachtet die BÄK Anreizsysteme in den Arbeitsverträgen von Ärzten, die darauf abzielen, medizinische Entscheidungen im Sinne der Erlösoptimierung zu steuern. Von einer „stillschweigenden inneren Umpolung“ spricht der Medizinethiker Prof. Dr. Giovanni Maio, der für die Stellungnahme federführend im Ausschuss für ethische und medizinisch-juristische Grundsatzfragen der Bundesärztekammer tätig war. Solche Vertragsklauseln könnten dazu führen, dass Ärzte trotz mangelnder Evidenz ertragreiche Diagnostiken und Behandlungen vornähmen oder auf notwendige Maßnahmen verzichteten, wenn diese nicht angemessen oder gar nicht honoriert würden.

Stellungnahme „Medizinische Indikationsstellung und Ökonomisierung“ [PDF]
Stand: 20.02.2015