Presse 10.01.2013

Lilie: „Wir haben alle Vorkehrungen getroffen, dass solche Täuschungen nicht mehr vorkommen können“

Berlin, 10.01.2013

Der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Hans Lilie, geht davon aus, dass die verschärften Kontrollen von Transplantationszentren und neue Regelungen für die Organvergabe Manipulationen künftig verhindern. „Die Vorgänge, die uns jetzt unruhig machen, stammen aus vergangenen Jahren. Wir haben alle Vorkehrungen getroffen, dass solche Täuschungen nicht mehr vorkommen können“, sagte Lilie in einem Interview mit dem Stern (10.01.2013).

Keine Klinik könne mehr selbst bestimmen, welcher Patient ein Organ bekommt. Die Kliniken müssten entsprechende Vorschläge an Eurotransplant machen, die dort geprüft würden. Erst nach  Prüfung und Freigabe durch Eurotransplant könnten Organe vergeben werden. „Wir versuchen die Richtlinien so zu gestalten, dass Missbrauch unmöglich ist. Dabei sind etwa für die Vergabe von Lungen und Lebern hochkomplexe Regelwerke entstanden.“

Stärkere staatliche Kontrollen der Organvergabe sind nach Auffassung Lilies nicht zielführend. Die beteiligten staatlichen Stellen hätten weder die Kompetenz, noch das Personal und die Ausstattung wie die Selbstverwaltung. „Vor allem haben sie nicht so kurze Reaktionszeiten. Keine staatliche Institution hätte die Richtlinien so schnell ändern und das System stabilisieren können.“

Stattdessen forderte Lilie ein konsequenteres Vorgehen gegen die mutmaßlichen Täter. „Ich erlebe es als Strafverteidiger sehr oft, dass Ärzten die Approbation rasch entzogen wird. In der Transplantationsmedizin aber trauen sich die staatlichen Einrichtungen noch nicht einmal, die Zulassung ruhen zu lassen. Das beklage ich laut und nachhaltig. Mit nichts treffen Sie den Arzt härter. Hier sind staatliche Stellen zuständig.“