Transplantation 03.01.2013

Montgomery: „Das Kontrollsystem der Selbstverwaltung greift“

Berlin, 03.01.213

Als „erschreckend“ hat der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery,  die bekannt gewordenen Manipulationen bei Organtransplantationen am Universitätsklinikum Leipzig bezeichnet. Gleichwohl sieht er die von der Prüfungs- und Überwachungskommission von Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband aufgedeckten Fälle als Beleg für die Wirksamkeit der Kontrollen der Selbstverwaltung.

Der Schaden sei groß, weil durch immer weniger Spenderorgane mehr Menschen auf der Warteliste sterben. Die gute Nachricht sei: „„Unser scharfes Kontrollsystem, das wir nach den Vorfällen in Göttingen und Regensburg im letzten Jahr eingeführt haben, greift“, sagte Montgomery der Bild-Zeitung (02.01.2013). Jetzt würden alle Ungereimtheiten aufgedeckt und transparent gemacht. „Die Fälle in Leipzig werden noch im Januar weiter geprüft und gegebenenfalls an die Staatsanwaltschaft geleitet.“

Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (03.01.2013) betonte er, die in Leipzig festgestellten Verstöße hätten 2010 begonnen und dauerten bis Ende 2011. Im vergangenen Jahr sei nur noch ein Verstoß festgestellt worden. „Das ist das Jahr, in dem die öffentliche Debatte begann und die schärferen Kontrollen eingeführt wurden. Die Ärzte haben das registriert, der Missbrauch hat sofort aufgehört. Ich kann mit gutem Gewissen sagen: Nie war die Transplantationsmedizin sicherer als heute.“

Gleichwohl rechnet Montgomery damit, dass die Kontrollen der Selbstverwaltung weitere Manipulationsfälle aus der Vergangenheit ans Licht bringen könnten. „Ob wir bisher nur die Spitze des Eisberges sehen, lässt sich nicht sagen. Wir haben 47 Transplantationszentren in Deutschland. Alle werden jetzt überprüft. Bei knapp einem Viertel ist das bereits geschehen, von Göttingen, Regensburg und jetzt Leipzig abgesehen ohne größere Beanstandungen. Wir müssen jetzt die weiteren Kontrollen abwarten. Ich kann nicht ausschließen, dass dabei weitere Schummeleien ans Licht kommen“, sagte er in der Passauer Neuen Presse (03.01.2013).

Mit scharfen Worten kritisierte der BÄK-Präsident das Fehlverhalten der an den Manipulationen beteiligten Ärzte. Eine Reihe von Transplantationsmedizinern säge an dem Ast, auf dem sie sitzt. „Die Fälle in Göttingen und Regensburg haben zu einem großen Vertrauensschaden und zu sinkender Organspende-Bereitschaft geführt. Wer als Transplantationsmediziner immer noch nicht begreift, dass er sein eigenes Fach durch Schummeln und Manipulieren kaputt macht, der hat in diesem Fach nichts mehr zu suchen.“ Vorgänge wie jetzt in Leipzig müssten mit allen Mitteln des Straf- und des Berufsrechts geahndet werden. Zu überlegen sei auch, ob man Ärzten, die nachweislich Werte gefälscht haben, den Dienst in der Transplantationsmedizin untersagt. Gegenüber Bild-Zeitung forderte Montgomery auch strukturelle Veränderungen: „Wir wollen, dass es auf Dauer weniger Transplantations-Zentren gibt, also lieber wenige Große, statt vieler Kleiner. Das macht eine ständige Überprüfung einfacher und sorgt dafür, dass falsche ökonomische Anreize keine Rolle spielen.​“