Presse 08.11.2013

Montgomery: Durch Klinikschließungen wird niemand gesünder

Berlin, 08.11.2013

„Die Menschen werden älter und kränker, aber durch Klinikschließungen ist noch niemand gesünder geworden.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (08.11.2013) mit Blick auf Diskussionen in der Koalitionsarbeitsgruppe Gesundheit über eine Ausdünnung der Krankenhauslandschaft. Voraussetzung für eine patientenorientierte Krankenhauspolitik müsse immer eine umfassende und klare Analyse des Behandlungsbedarfs sein. Sonst drohten massive Einschnitte bei der flächendeckenden wohnortnahen Versorgung der Patientinnen und Patienten.

Montgomery sieht die Landesregierungen in der Bringschuld. Die Länder seien verantwortlich für die stationäre Versorgung der Menschen und sollten dies auch bleiben. „Das nimmt die Bundesländer aber auch in die Pflicht, zur finanziellen Entlastung der Krankenhäuser ihren Beitrag zu leisten und endlich in vollem Umfang ihren Investitionsverpflichtungen nachzukommen.“ Vor 15 Jahren seien noch zehn Prozent der Landes-Investitionen in die Kliniken geflossen, heute 3,5 Prozent.

Auch von den Krankenkassen fordert Montgomery mehr Mittel. Er stelle nicht das Fallpauschalen-System grundsätzlich infrage, doch müssten die Pauschalen mit den Löhnen der Ärzte und des Pflegepersonals Schritt halten. „Notwendig ist eine volle Refinanzierung der Tariflohnsteigerungen und Personalentwicklungskosten, um auch bereits defizitären Häusern eine adäquate Stellenbesetzung zu ermöglichen“, sagte Montgomery.

Er warnte zudem vor politischen Plänen, den  Krankenkassen so genannte Selektivverträge mit einzelnen Kliniken zu gestatten. Dies würde zu erheblichen Einbußen in der flächendeckenden stationären Versorgung führen, weil Häuser ohne solche Verträge finanziell ausbluten würden. Dies könne in einer Gesellschaft des langen Lebens mit steigender Behandlungsbedürftigkeit und Mehrfacherkrankungen keiner wirklich wünschen.