Ärzte 05.09.2014

Montgomery fordert große Krankenhausreform

Berlin, 05.09.2014

Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, hat davor gewarnt, die im Koalitionsvertrag angekündigte Initiative für eine weitreichende Finanzreform im Kliniksektor „versanden“ zu lassen. „Eine große Reform wäre für alle Beteiligten etwas Gutes. Wir befürchten aber, dass am Ende nur ein kleines Reförmchen herauskommen wird“, sagte er in einem Interview mit der Ärzte Zeitung (05.09.2014). Der BÄK-Präsident nannte drei zentrale Herausforderungen: „Der erste Punkt ist der gravierende Personalmangel und die damit verbundene enorme Belastung der Beschäftigten im Krankenhaus. Wir brauchen konkrete Personalentwicklungs-Konzepte.“ Zudem sei eine kontinuierliche Anpassung der Klinikfinanzierung an die tatsächlichen Kosten der Häuser notwendig. Das betreffe insbesondere auch nicht vorhersehbare und beeinflussbare kurzfristige Ereignisse, wie etwa eine Erhöhung der Energiekosten.  „Und der dritte Punkt ist die Investitionsfinanzierung. Wir bräuchten mindestens sechs Milliarden Euro pro Jahr, im Moment liegen wir bei etwa 2,7 Milliarden Euro“, so Montgomery.

Mit Blick auf die geplante Einrichtung eines Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen forderte der BÄK-Präsident Praxisnähe. „Eine Behörde, die lediglich ein Register aller Qualitätsprojekte erstellt, würde sicherlich am Ziel vorbei gehen. Das Institut sollte für alle eine Anlaufstelle sein, die dort mit ihren innovativen Ideen zur Qualitätssicherung Gehör finden wollen.“

Zufrieden zeigte sich Montgomery über den Verlauf der Arbeiten an einer neuen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). „Wir befinden uns in der letzten Runde der Detailverhandlungen.  Unser Ziel ist es, eine Regelung zu finden, die dazu führt, dass eine Reform eben nicht erst wieder nach 30 Jahren erfolgt. Anpassungen müssen künftig zeitnah im Konsens - aber unter der Verantwortung des Ministeriums - erreicht werden“, so der BÄK-Präsident.