Sterbehilfe-Debatte bei Beckmann 19.09.2014

Montgomery: „Pille für den Exit ist der falsche Weg“

Berlin, 19.09.2014

„Der Weg zum Arzt, um sich die Pille für den Exit zu holen, ist in meinen Augen der falsche Weg. Wir wollen den Menschen Alternativen bieten, und die gibt es in den meisten Fällen.“ Mit diesen Worten wandte sich der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, in der ARD-Sendung „Beckmann“ (18.09.) gegen die Forderung nach einem ärztlich assistierten Suizid. „Wenn wir Patienten über die modernen Therapiemöglichkeiten aufklären, verlieren sehr viele von ihnen ihren Suizidwunsch. Einem großen Teil kann mit Schmerztherapie, Palliativmedizin und Hospizen geholfen werden“, so Montgomery weiter.

Der BÄK-Präsident warnte vor den negativen Auswirkungen einer technisierten und ärztlich administrierten Sterbehilfe für das Patienten-Arzt-Verhältnis. „Wir Ärzte haben eine Garantenstellung für das Leben und die Gesundheit der Menschen. Für den Patienten wäre es dramatisch, wenn er nicht mehr weiß, ob der Arzt an sein Bett tritt, um sein Leben zu erhalten oder um es zu beenden.“ Auch der Fall des belgischen Sexualstraftäters, der jüngst vor Gericht die Erlaubnis zum assistierten Selbstmord erstritten hat, zeige, auf welch gefährliche Ebene eine Liberalisierung führe.

Montgomery kritisierte, dass die Diskussion über menschliche Würde und Selbstbestimmung zu wenig aus Sicht der betroffenen Patienten geführt werde: „Wir machen den großen Fehler, als Gesunde über die Würde des Kranken zu bestimmen.“

Ein strafrechtliches Verbot des ärztlich assistierten Suizids lehnte der BÄK-Präsident ab. Diese Frage sei durch das Berufsrecht ausreichend und gut geregelt. Eine optimale palliativmedizinische Versorgung würde den Ärzten schwerfallen, wenn der Staatsanwalt immer im Hintergrund stünde.