Medizinstudium 18.07.2014

Montgomery: Praxisnähe und fundierte wissenschaftliche Grundausbildung wichtig

Berlin, 18.07.2014

Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, bewertet die Modelstudiengänge in der Medizin positiv. „Die jungen Mediziner aus den Modellstudiengängen sind nicht nur sehr gut ausgebildet. Sie haben auch weniger Berührungsängste den Patienten gegenüber, sie sind praktischer veranlagt und auch zufriedener mit ihrem Studium.“ Das sagte er in einem Interview mit der ZEIT (17.07.2014). An dem Gespräch nahm auch Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze teil, Vorsitzender des Medizin-Ausschusses des Wissenschaftsrates und Ärztlicher Direktor der Neurologie der Universität Magdeburg.

Theorie und Praxis würden besser miteinander verzahnt als in den herkömmlichen Studiengängen, sagte der BÄK-Präsident. Er wies aber auch darauf hin, dass Reformen im Medizinstudium viel Mühe und Zeit kosteten. „ Sie müssen das gesamte Studium umkrempeln, aus Semesterveranstaltungen neue kleine Lerneinheiten schneidern, und alle Professoren einer Fakultät müssen da mitziehen. Das ist eine gewaltige Umstellung.“ Aktuell gibt es in Deutschland neun Modellstudiengänge in der Medizin.

Montgomery und Heinze betonten, dass bei aller notwendigen Praxisnähe des Studiums eine fundierte wissenschaftliche Grundausbildung unverzichtbar sei. „Angesichts des rasanten medizinischen Fortschritts werden Ärzte immer häufiger in die Situation kommen, für unsere Patienten Therapien zu erwägen, für die es noch keine endgültigen Wirkungsstudien gibt, die aber dennoch sehr sinnvoll sein können.“ Dafür sei ein wissenschaftliches Grundverständnis nötig. „Wir wollen schließlich keine Ärzte, die stur Leitlinien abarbeiten“, so Montgomery.

Hintergrund des Gespräches  waren die neuen Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur künftigen Gestaltung des Medizinstudiums. Auch im Deutschen Ärzteblatt (18.07.2014) äußerte sich Montgomery zu dem Thema und begrüßte das Anfang der Woche vorgelegte Expertenpapier. „Die Medizin ist ein hochdynamisches Feld mit ständig komplexer werdenden Versorgungssituationen, die auch für die ärztliche Ausbildung große Herausforderungen darstellen. Deshalb ist es gut, dass sich der Wissenschaftsrat intensiv mit der Weiterentwicklung des Medizinstudiums befasst hat“, sagte er. Insbesondere unterstützt Montgomery die Forderungen des Wissenschaftsrates, die Studieninhalte auf ein Kerncurriculum zu reduzieren und Möglichkeiten für individuelle Studienschwerpunkte zu schaffen.

„Gute medizinische Ausbildung muss angesichts des enormen Innovationstempos in der Medizin mehr denn je wissenschaftliches Denken und Handeln fördern. Wichtig ist aber auch, den ärztlichen Nachwuchs auf die praktischen Herausforderungen des Berufsalltags vorzubereiten und frühzeitig in Kontakt mit den Patienten zu bringen. Daher begrüßen wir es sehr, dass auch der Wissenschaftsrat an einer sechsjährigen Studiendauer festhält“, betonte der BÄK-Präsident.