Einsatz von Antibiotika 09.10.2015

Montgomery: „So oft wie notwendig und so selten wie möglich“

Berlin - „Antibiotikaresistente Bakterien verbreiten sich weltweit und beeinträchtigen die Möglichkeiten zur Therapie bakterieller Infektionskrankheiten. Deshalb ist es gut, dass die führenden Wirtschaftsnationen gemeinsam gegen die Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen vorgehen wollen. Nur wenn wir jetzt handeln, können wir eine Zunahme von nicht beherrschbaren Antibiotika-Resistenzen verhindern.“ Das sagte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, anlässlich des Treffens der G7-Gesundheitsminister in dieser Woche in Berlin.

Antibiotika zählten zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln. „Grundsätzlich gilt beim Einsatz von Antibiotika: So oft wie notwendig und so selten wie möglich“, stellte der BÄK-Präsident klar. Bereits in der Aus- und Weiterbildung würden grundlegende Kenntnisse über Antibiotikaresistenzen und eine rationale Antibiotika-Therapie vermittelt. Zudem seien fragen zum Einsatz von Antibiotika fester Bestandteil der Fortbildungsprogramme der Landesärztekammern. In Vorträgen, Seminaren, Workshops und Curricula werde über die Diagnostik von Infektionskrankheiten, Indikationsstellung, Auswahl des Antibiotikums, Dauer der Anwendung und Nebenwirkungen der Antibiotikatherapie ebenso informiert wie auch zu Fragen der Resistenzentwicklung.

Vor dem G7-Gesundheitsgipfel hatte auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zu einem verstärkten Kampf gegen resistente Krankheitserreger und gegen Epidemien aufgerufen. "Nur mit gemeinsamen internationalen Anstrengungen werden wir die Menschen auch in Deutschland wirksam vor multiresistenten Keimen und grenzüberschreitenden Epidemien schützen  können", sagte der Minister.

Die BÄK hatte bereits nach der Novellierung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr  2011 eine strukturierte curriculare Fortbildung „Krankenhaushygiene“ aufgelegt. Diese Maßnahme war jedoch nur als Übergangslösung gedacht, um kurzfristig und flächendeckend genügend Ärztinnen und Ärzte in „Krankenhaushygiene“ zu qualifizieren. „Für eine dauerhafte Lösung müssen Bund und Länder jetzt nachlegen“, forderte Montgomery. Die Strukturen im Bereich der Krankenhaushygiene müssten unter anderem durch den  Ausbau von Lehrstühlen und Instituten so gefördert werden, dass ausreichend in Krankenhaushygiene qualifizierte Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin sowie für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie zur Verfügung stehen.

Der BÄK-Präsident wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es in Krankenhäusern bereits bei der täglichen Patientenversorgung an ausreichend ärztlichem und pflegerischem Personal mangele. „Aus Studien wissen wir, dass eine hohe Arbeitsdichte das größte Risiko für nosokomiale Infektionen darstellt. Deshalb brauchen wir insbesondere in infektiologischen Risikobereichen wie Intensivstationen mehr Ärzte und Pflegepersonal."