Ärztemangel 02.03.2015

Montgomery: Wir brauchen zehn Prozent mehr Medizinstudienplätze

Berlin, 02.03.2015

„Wir haben einen echten Ärztemangel.“ Das stellte Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) im Interview mit dem Magazin „Focus“ (28.02.) klar. Besondere Sorge bereitet Montgomery der Nachwuchsmangel: „Die 10.000 Medizinstudienplätze reichen nicht. Wir brauchen mindestens zehn Prozent mehr. Aber weder der Bund noch die Länder sind bereit, sich finanziell zu engagieren.“

Darüber hinaus forderte er eine Ausweitung der Investitionshilfen in unterversorgten Gebieten. „Solche Investitionshilfen brauchen wir nicht nur für Hausärzte, sondern zum Beispiel auch für Augenärzte und Neurologen. Und: Man sollte für eine Landarztstelle gleich zwei Kollegen suchen, damit die Arbeitszeiten im erträglichen Rahmen bleiben.“

Die von der Großen Koalition beschlossenen Servicestellen für Facharzttermine hält Montgomery für falsch. „Das Versprechen der Politik wird nicht aufgehen. Wer denkt, er kommt binnen vier Wochen zum Facharzt seiner Wahl, täuscht sich. Patienten kommen zu den Ärzten, die gerade Termine frei haben“, so der BÄK-Präsident. Es sei eine seltsame Kombination politischer Signale, die Schließung von Praxen zu erzwingen und zugleich lange Wartezeiten zu beklagen.

Als „politischen Dauerskandal“ bezeichnete Montgomery die Weigerung der Bundesländer, die finanzielle Lage der Krankenhäuser zu verbessern. „Die Länder stehlen sich seit Jahren aus ihren Investitionsverpflichtungen – viele Krankenhäuser sind in einem miserablen Zustand! Die Länder wollen nur weiter das zahlen, was sie von 2012 bis 2014 gezahlt haben.“

Der Ärztechef wiederholte außerdem seine Forderung nach einem anonymen Krankenschein für Menschen ohne legalen Aufenthaltstitel: „Sie sollen bei schweren Erkrankungen die nötigen Behandlungen bekommen, und zwar geschützt vor Eingriffen des Staates. Das ist ein Gebot der Menschlichkeit.