Gesundheitspolitik 04.01.2016

Montgomery: „Wir müssen über ethische Preisbildung bei Medikamenten reden“

Berlin - Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, hat scharfe Kritik an zum Teil überhöhten Arzneimittelpreisen in Deutschland geübt. Die Pharmaindustrie nutze die Bestimmungen des Gesetzes zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (Amnog) hochkompetent für ihre Zwecke aus, sagte er in der Westdeutschen Zeitung (02.01.2016). Wenn es stimme, dass Herstellungs- und Vertriebskosten für eine Therapie mit dem anerkanntermaßen sehr wirksamen Hepatitis-C-Präparat Sovaldi tatsächlich bei 1500 Euro liegen, die Therapie am Anfang 60 000 Euro koste und nach Verhandlungen mit den Krankenkassen immer noch 45 000 Euro, "dann ist das unanständig. So was darf nicht sein". Montgomery kündigte an, man wolle auf dem nächsten Ärztetag über ethische Preisbildungen von Medikamenten reden.

Nachbesserungsbedarf sieht Montgomery auch bei der Krankenhausreform der Bundesregierung. Das Problem sei die fortdauernde Weigerung der Länder, ihren Verpflichtungen zu Investitionen in die Krankenhäuser nachzukommen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Dieses Problem habe auch Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) nicht lösen können. Gegenüber der Rheinischen Post (02.01.02016) warnte Montgomery vor einer zunehmenden Arbeitsverdichtung in den Krankenhäusern: „In den letzten 20 Jahren wurden bereits über zehn Prozent der Krankenhäuser geschlossen. Es wurden 25 Prozent der Betten abgebaut. Die Fallzahlen stiegen gleichzeitig um 25 Prozent, aber die Verweildauer wurde um die Hälfte gekürzt.“ Es sei davon auszugehen, dass sich viele kleinere Häuser nicht werden halten können. „Wir werden eine Konzentration von Leistungen in größeren Häusern erleben. Die Politik muss der Bevölkerung dann aber auch klar sagen, dass das mit weiteren Wegen verbunden ist.“

Positiver beurteilt der BÄK-Präsident das von der Bundesregierung geplante Anti-Korruptionsgesetz für das Gesundheitswesen. Mit dem Gesetz werde klargestellt, dass es sich dort um korruptives Verhalten handelt, wo medizinische Entscheidungen nicht im Sinne des Patienten, sondern nur im Sinne der eigenen Ökonomie getroffen werden. „Wir begrüßen auch, dass der Gesetzentwurf alle im Gesundheitswesen tätigen Gruppen in den Fokus nimmt. Denn auf die Ärzteschaft fallen nur 14 Prozent der Fälle von Korruption im Gesundheitswesen.“ Notwendig seien aber noch konkretere und lebensnähere Ausführungen.