Presse 24.05.2013

Montgomery: Wir wollen über Zusammenhang von Armut und Gesundheit aufklären

Berlin, 24.05.2013

Mehr Wettbewerb um Qualität, statt reinen Preiswettbewerb, hat der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, in einem Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt gefordert. "Wir haben schon immer davor gewarnt, ständig neue Marktelemente im Gesundheitswesen zu etablieren. In diesem Zusammenhang halte ich den Begriff der reinen Ökonomie für unangebracht. Denn wenn es um die Verwendung von Solidarbeiträgen geht, brauchen wir zwar eine ökonomische Orientierung – aber eine, die die humane Funktion des Gesundheitswesens und die ethischen Grenzen respektiert." Das sagte der BÄK-Präsident mit Blick auf den 116. Deutschen Ärztetag in der nächsten Woche in Hannover, auf dem die Delegierten unter anderem darüber diskutieren, wie viel Markt die Medizin verträgt.

Montgomery betonte, dass in Hannover auch über die Marktverlierer und in diesem Kontext über den Zusammenhang von Armut und Gesundheit gesprochen werde."Es ist ein Schandfleck für unsere Gesellschaft, dass die Lebenserwartung eines heute geborenen Jungen in der unteren Einkommensschicht um zehn Jahre geringer ist als in der oberen. Das ist auch ein bildungspolitisches und gesellschaftspolitisches Problem, das wir im Kontext mit dem geplanten Präventionsgesetz diskutieren wollen."

Ein weiteres Schwerpunktthema des Ärztetages ist die künftige Finanzierung des Krankenversicherungssystems in Deutschland. Montgomery erläuterte, dass die Bundesärztekammer vom letzten Deutschen Ärztetag beauftragt worden sei, ein Konzept zur Weiterentwicklung des dualen Krankenversicherungssystems zu erarbeiten. "Das Ergebnis, eine mit Unterstützung von Gesundheitsökonomen erarbeitete Reformskizze, legen wir jetzt vor." Kernelemente seien ein einkommensunabhängiger Beitrag der Versicherten, der nach den Berechnungen der Gesundheitsökonomen 135 bis 170 Euro monatlich erreichen dürfte, flankiert von einem Sozialausgleich für Einkommensschwache aus Steuermitteln sowie ein grundlohnabhängiger Arbeitgeberbeitrag. "Wir glauben, dass das reine Umlageverfahren nicht demografiefest zu gestalten ist. Deshalb schlagen wir ein Gesundheitssparkonto vor: Aus Steuermitteln soll für alle in Deutschland geborenen Kinder ein kapitalgedecktes Ansparprogramm aufgebaut werden.", sagte Montgomery.

Wortlaut des Interviews