Presse 02.09.2013

Rochell: Bürgerversicherung fällt durch Faktencheck

Berlin, 02.09.2013

Die von den Oppositionsparteien geforderte Bürgerversicherung sei keine nebenwirkungsfreie Wunderpille, sondern eine Radikaltherapie am deutschen Gesundheitswesen. Davor warnt Dr. Bernhard Rochell, Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer (BÄK), im aktuellen Deutschen Ärzteblatt Heft 110(35-36). „Auf den Punkt gebracht soll der in der Frage einer nachhaltigen Finanzperspektive kränkelnden gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu deren finanzieller Entlastung die private Krankenversicherung (PKV) einverleibt werden.“ Begehrliche Blicke richteten sich dabei insbesondere auf die bestehenden Alterungsrückstellungen der privat  Versicherten. „Da gäbe es derzeit etwa 180 Milliarden Euro zu holen. Auf der Seite des Versicherungsschutzes bedeutet die Bürgerversicherung schlicht GKV für alle.“

Rochell kommt auf Grundlage zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen zum Bürgerversicherungskonzept zu dem Ergebnis: „Das Konzept der Bürgerversicherung besteht den Faktencheck nicht.“ Die Bürgerversicherung sei kein Garant gegen die Zweiklassenmedizin, weil der Wegfall des Systemwettbewerbs zwischen GKV und PKV die Rationierung und Ausdünnung des Grundleistungskataloges befördere. Wer es sich leisten könne, erwirbt zusätzlich Leistungen privat. Auch werde die Versorgungsqualität nicht besser, sondern schlechter, weil die De-facto-Abschaffung der PKV dem Gesamtsystem Finanzmittel in Milliardenhöhe entziehe. Durch Abwürgen des „Innovationsmotors“ PKV entfalle für die GKV der Wettbewerbsdruck, ebenfalls für GKV-Versicherte neue Diagnose- und Therapieverfahren anzubieten.

Versprechungen, Ärztinnen und Ärzte würden bei Einführung der Bürgerversicherung finanziell nicht schlechter gestellt, seien nicht mit seriösen Zahlen unterlegt. In mehreren Studien würden dagegen Honorarverluste allein im niedergelassenen Bereich von jährlich bis zu sechs Milliarden Euro prognostiziert. „Es drohen Personalentlassungen, Praxis- und Krankenhausschließungen und Wartelistenmedizin“, warnt Rochell.
Der BÄK-Hauptgeschäftsführer verweist darauf, dass sich der diesjährige Deutsche Ärztetag in Hannover für eine umfassende Finanzreform des Gesundheitssystems auf Grundlage der Fortentwicklung der Dualität von gesetzlicher und privater Krankenversicherung ausgesprochen hat. Mit seinem klaren Votum für die Reformskizze der Bundesärztekammer habe der Ärztetag verdeutlicht, dass es die Ärzteschaft als eine ihrer Aufgaben ansieht, sich aktiv an der Debatte über die weitere Ausgestaltung des Krankenversicherungssystems in Deutschland zu beteiligen. „Dazu gehört auch, auf Risiken und Nebenwirkungen in der Diskussion befindlicher Reformmodelle hinzuweisen“, so Rochell.

Der vollständige Beitrag im Deutschen Ärzteblatt: Bürgerversicherung: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihren Politiker . . .