Presse 03.12.2013

Schönheitsoperationen bei Jugendlichen: BÄK unterstützt geplantes Verbot

Berlin, 03.12.2013

Die Bundesärztekammer (BÄK) hat ein mögliches Verbot von Schöhnheitsoperationen bei Minderjährigen ohne medizinische Grundlage begrüßt und darüber hinaus europaweite Regelungen gefordert. Man dürfe nicht hinnehmen, dass die Schönheitsindustrie das Menschenbild definiere. "Eine medizinisch nicht notwendige Brust-OP als Geschenk zum Abitur oder Geburtstag – das sind fürchterliche Entwicklungen. Besonders Kinder und Jugendliche werden von der ständigen Sorge um das Aussehen in ihrer Stimmung und in ihrem Selbstwertgefühl beeinflusst. Die Unzufriedenheit und Verunsicherung in Bezug auf den eigenen Körper geht manchmal so weit, dass junge Menschen Schönheitsoperationen als einzigen Ausweg aus dem Unglücklichsein und als wirksame Befreiung von Komplexen betrachten", so die BÄK. Verbote allein würden aber nicht ausreichen. Dem unerträglichen Hype um den Schönheitskult müsse man eine nachhaltige Wertediskussion entgegensetzen. "Wir müssen das Selbstwertgefühl gerade der Jugendlichen stärken. Die jungen Menschen müssen selber erkennen, dass Schönheitsoperationen ,uncool` sind."  Aus diesem Grund hat die Bundesärztekammer die Koalition gegen den Schönheitswahn gegründet.

Die Initiative hat seit ihrer Gründung breite Zustimmung erfahren. Das Zusammenwirken von so unterschiedlichen Persönlichkeiten wie der damaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und dem ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, hat eine nachhaltige Resonanz in den Medien gefunden. Die Berichterstattung über die Gefahren von Schönheitsoperationen gerade bei jungen Menschen ist kritischer geworden. Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) und die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) haben die Aktivitäten der Koalition gegen den Schönheitswahn ausdrücklich begrüßt.  Das Interesse an Schönheitsoperationen ist allerdings auch bei jungen Menschen nach wie vor groß, wie Umfragen immer wieder belegen. Deshalb ist es wichtig, dass die Koalition weiterhin Resonanz erfährt und dass das Thema auch Teil des Unterrichts an den Schulen wird. Eine mit Unterstützung des Deutschen Lehrerverbandes erstellte didaktische DVD „Wa(h)re Schönheit“ zum Thema Schönheitswahn ist ein Arbeitsergebnis der Koalition.

Die Bundesärztekammer stellt darüber hinaus klar: Nur ausreichend qualifizierte Ärzte dürfen plastisch-ästhetische chirurgische Eingriffe vornehmen. Die Ärztekammern haben im Weiterbildungsrecht bereits seit langem die Grundlagen dafür geschaffen, dass nur ausreichend qualifizierte Ärzte sogenannte schönheitschirurgische Eingriffe vornehmen dürfen. Fachlich qualifizierte Ärzte entsprechend der geltenden ärztlichen (Muster-) Weiterbildungsordnung sind Fachärzte für Plastische und Ästhetische Chirurgie (24 Monate Basisweiterbildung Chirurgie, 48 Monate Weiterbildung in Plastischer und Ästhetischer Chirurgie). Außerdem haben Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen und Hals-Nasen-Ohren-Ärzte die Möglichkeit, die Zusatzqualifikation „Plastische Operationen“ zu erlangen (eine zweijährige Zusatz-Weiterbildung nach fünfjähriger Weiterbildung zum Facharzt für Hals-Nasen- und Ohrenheilkunde bzw. Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie). Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe können nach 5-jähriger Weiterbildung und zusätzlich 3-jähriger Weiterbildung zum Schwerpunkt „Gynäkologische Onkologie“ rekonstruktive plastisch-ästhetische Operationen der Brust durchführen. Auch Fachärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten (Hautärzte) und Fachärzte für Augenheilkunde (Augenärzte) können im Rahmen ihrer Gebietsgrenzen plastisch-ästhetisch und rekonstruktiv tätig sein.

Mit der Erweiterung der Facharztbezeichnung „Plastische Chirurgie“ um den Zusatz „Ästhetische“ in der Weiterbildungsordnung im Jahr 2005 wurde nach außen deutlicher angezeigt, dass es eine bundesweit einheitliche Facharztqualifikation zur Ausübung plastisch-ästhetischer Operationen gibt. Ästhetische Eingriffe sind ausdrücklich Teil dieser Facharztqualifikation „Plastische und Ästhetische Chirurgie“. Patienten sollen besser zwischen hochqualifizierten Fachärzten und selbst ernannten „Schönheitschirurgen“ unterscheiden können.