Versorgung psychisch Kranker 29.06.2015

Spezifisch ärztliche Kompetenz in der Psychotherapie unersetzbar

Dr. Cornelia Goesmann, Vorstandsbeauftragte der Bundesärztekammer für die ärztliche Psychotherapie, hat sich gegen die derzeit diskutierte Direktausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten ausgesprochen. Käme es zu einem solchen Studiengang, würde letztlich die auch die ärztliche Psychotherapie geschwächt, sagte Goesmann in einem Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt (Heft 26).

In Deutschland wird die psychotherapeutische Versorgung sowohl von ärztlichen als auch von psychologischen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten mit den ihnen jeweils eigenen Qualifikationen getragen. Mit einer Direktausbildung von psychologischen Psychotherapeuten, also einem Hochschulstudium, an dessen Ende ein Staatsexamen mit einer einheitlichen Approbation in Psychotherapie steht, hat sich auch der diesjährige Deutsche Ärztetag in Frankfurt kritisch auseinandergesetzt. Die Delegierten des Ärztetages begrüßten ausdrücklich ein Positionspapier der Bundesärztekammer zur ärztlichen Psychotherapie.

Die BÄK  warnt darin: „Die Einführung einer basalen Direktausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten würde die bestehende Versorgung von Menschen mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen wesentlich verändern. Folge wäre eine Qualitätseinbuße der Versorgung.“  Der Slogan „der Körper den Ärzten und die Seele den Psychologen“ sei in vielen Köpfen in der Gesundheitspolitik verankert und bestimme zurzeit die Diskussionen um eine Direktausbildung für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Die komplexe Behandlung psychischer und psychosomatischer Störungen müsse jedoch sowohl die psychischen wie die somatischen Aspekte von Erkrankungen umfassen. 

Ärztinnen und Ärzte seien die zentrale Säule in der Versorgung von Patienten mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen. Die  weit überwiegende Zahl dieser  Patienten würde im Rahmen des ärztlichen Versorgungssystems behandelt, betont die BÄK in ihrem Positionspapier. Dies entspreche auch den Präferenzen der Patienten: Eine repräsentative Befragung der Bevölkerung habe jüngst gezeigt, dass Hausärzte, Psychosomatiker und Psychiater als zentrale Ansprechpartner für psychische Störungen gesehen werden.

Die Bundesärztekammer und die Ärztekammer Niedersachsen hatten sich bereits im vergangenen Jahr im Rahmen eines Symposiums  intensiv mit Fragen der ärztlichen Psychotherapie beschäftigt. Goesmann hatte auf dem Symposium betont, dass es notwendig sei, ein individuelles Gesamtkonzept für den einzelnen Patienten anbieten zu können. Darin liege die spezifisch ärztliche Kompetenz für die Behandlung psychisch Kranker. Dies sei umso wichtiger, als psychisch Kranke häufig auch unter behandlungsbedürftigen somatischen Erkrankungen leiden, die sich wechselseitig sogar noch verstärken können.

Notwendig sei ein breit gefächertes Beratungsangebot, also mehr Gruppentherapie, mehr Krisenintervention und mehr Beratungsgespräche. Solche Maßnahmen müssten von den Kostenträgern aber auch finanziert werden, so Goesmann. Dabei könne auf ein sehr breit gestuftes ärztliches psychotherapeutisches Angebot zurückgegriffen werden, das von der Psychosomatischen Grundversorgung durch den Hausarzt bis hin zur fachärztlichen psychiatrischen, psychosomatischen und  psychotherapeutischen Versorgung reiche.