Humanitäre Prinzipien

Versuche am Menschen / Folter und unmenschliche Behandlung / Arzt und Gesellschaft

Versuche am Menschen

  1. Der medizinische Fortschritt baut auf der Forschung auf, die auf Versuche am Menschen nicht verzichten kann.

  2. Der geplante Ablauf eines jeden Versuchs am Menschen ist vorher zur Einholung einer Stellungnahme und zur Erteilung von Ratschlägen einer von dem Prüfungsleiter unabhängigen Ethikkommission vorzulegen.

  3. Es muß die auf freier Entscheidungsmöglichkeit basierende Einwilligung des Probanden in den Versuch eingeholt werden, wobei er vorher in angemessener Form über die verfolgten Ziele, die anzuwendenden Methoden und die erwarteten Vorteile wie auch die möglichen Gefahren und Unannehmlichkeiten und über sein Recht, die Teilnahme an dem Versuch zu verweigern und jederzeit daraus auszuscheiden, zu unterrichten ist.

  4. Der Arzt darf die biomedizinische Forschung zur Gewinnung neuer medizinischer Erkenntnisse nur dann mit der ärztlichen Behandlung verbinden, wenn diese biomedizinische Forschung aufgrund ihres möglichen diagnostischen oder therapeutischen Nutzens für den Patienten gerechtfertigt ist.

Folter und unmenschliche Behandlung 

  1. Der Arzt darf unter keinen Umständen, auch nicht bei einem Bürgerkrieg oder einem bewaffneten Konflikt, bei Folterungen oder anderen grausamen, unmenschlichen oder entwürdigenden Handlungen Hilfestellung leisten, sich daran beteiligen oder diese zulassen.

  2. Der Arzt darf seine Kenntnisse, seinen Sachverstand oder sein Geschick nie dazu einsetzen, um die Anwendung der Folter oder irgendeines anderen grausamen, unmenschlichen oder entwürdigenden Verfahrens zu welchem Zweck auch immer zu unterstützen.

Arzt und Gesellschaft 

  1. Zur Erfüllung seines humanitären Auftrags hat der Arzt in Friedens- wie in Kriegszeiten Anspruch auf den gesetzlichen Schutz seiner beruflichen Unabhängigkeit.

  2. Der Arzt hat als einzelner oder auf dem Wege über die Berufsverbände die Pflicht, die Gesellschaft auf Unzulänglichkeiten im Hinblick auf die Qualität der medizinischen Versorgung und die berufliche Unabhängigkeit der Ärzte aufmerksam zu machen.

  3. Die Ärzte sind verpflichtet, sich an der Ausarbeitung und Durchführung aller kollektiven Maßnahmen zur Verbesserung der Prävention, der Diagnose und der Therapie von Erkrankungen zu beteiligen. Insbesondere sind sie verpflichtet, bei der Organisation von Hilfsmaßnahmen, vor allem im Katastrophenfall, im medizinischen Bereich mitzuarbeiten.

  4. Die Ärzte sollten sich nach Maßgabe ihrer Fähigkeiten und Möglichkeiten an der ständigen Verbesserung der Qualität der Versorgung durch Forschung und laufende Fortbildung beteiligen, um dem Patienten eine den wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechende Versorgung bieten zu können.