Kollegialität / Veröffentlichungen / Streik / Honorare

Kollegialität / Veröffentlichungen von Entdeckungen / Kontinuität der Versorgung / Freie Arztwahl / Ärztestreik / Honorare

Kollegialität

  1. Die Regeln der ärztlichen Kollegialität bestehen im Interesse der Patienten. Sie sollen den Patienten vor einem unlauteren Wettbewerb unter Ärzten oder vor unsachlichen Auseinandersetzungen in seiner Gegenwart schützen. Die Ärzte sind berechtigt, auf die von ihrer Berufsorganisation anerkannten beruflichen Qualifikationen hinzuweisen.

  2. Ein Arzt, der aufgefordert wird, einen schon bei einem seiner Kollegen in Behandlung befindlichen Patienten zu behandeln, sollte versuchen, sich im Interesse des Patienten, soweit dieser nicht dagegen ist, mit diesem Kollegen in Verbindung zu setzen.

  3. Es widerspricht nicht dem Gebot der Kollegialität, wenn der Arzt der zuständigen Standesorganisation Verstöße gegen die Regeln der ärztlichen Ethik und der beruflichen Kompetenz mitteilt, von denen er Kenntnis erhalten hat.

Veröffentlichung von Entdeckungen 

  1. Der Arzt hat die Verpflichtung, von ihm gemachte Entdeckungen oder Schlußfolgerungen aus seinen diagnostischen oder therapeutischen wissenschaftlichen Studien vorrangig in Fachzeitschriften bekanntzugeben. Er stellt sich damit in geeigneter Form der Kritik seiner Kollegen, bevor er seine Erkenntnisse der nichtärztlichen Öffentlichkeit zur Kenntnis bringt.

  2. Jegliche Form der Nutzung eines ärztlichen Erfolges in der Werbung zu Gunsten einer Person, Gruppe oder Schule widerspricht der ärztlichen Ethik.

Kontinuität der Versorgung 

  1. Unabhängig von seinem Gebiet ist der Arzt verpflichtet, die Notversorgung eines in unmittelbarer Lebensgefahr schwebenden Patienten zu übernehmen, solange er nicht die Gewißheit hat, daß andere Ärzte diese Versorgung durchführen können und dazu befähigt sind.

  2. Wer sich als Arzt zur Versorgung eines Patienten bereit erklärt, verpflichtet sich damit, die Kontinuität der Behandlung gegebenenfalls mit Unterstützung von Assistenzärzten, Vertretern oder Berufskollegen mit vergleichbarem Sachverstand zu gewährleisten.

Freie Arztwahl 

  1. Die freie Arztwahl stellt einen fundamentalen Grundsatz des Verhältnisses Patient/Arzt dar. Der Arzt muß diese freie Wahl respektieren und hierfür Sorge tragen.

    Der Arzt selbst kann die ärztliche Behandlung eines Patienten ablehnen, es sei denn, es handelt sich um einen Patienten, der unmittelbar gefährdet ist.

Ärztestreik 

  1. Sofern ein Arzt beschließt, sich einer gemeinsamen Maßnahme anzuschließen, die ärztliche Versorgung nicht zu gewährleisten, ist er damit nicht seiner ärztlichen ethischen Verpflichtung gegenüber dem Patienten enthoben, d. h. die erforderliche ärztliche Versorgung in dringenden Fällen zu erbringen sowie Patienten, die in Behandlung stehen, zu versorgen.

Honorare 

  1. Der Arzt hat bei der Erstellung der Honorare die erbrachte Leistung - sofern kein Einzel- oder Kollektivvertrag vorliegt - ggf. die besonderen Umstände seiner Leistungserbringung sowie die wirtschaftliche Lage des Patienten zu berücksichtigen.

Einstimmig angenommen am 6. Januar 1987