Stellungnahme der Bundesärztekammer zum Antrag der Fraktion der FDP „Dem Beruf des Rettungsassistenten eine Zukunftsperspektive geben - Das Rettungsassistentengesetz novellieren" (BT-Drs. 16/3343)

anlässlich der Anhörung des Ausschusses für Gesundheit des Deutschen Bundestages am 4. Juli 2007

Die Bundesärztekammer setzt sich seit vielen Jahren für die dringend gebotene und längst  überfällige Novellierung der Rettungsassistentenausbildung  ein, da die derzeitige zweijährige  Rettungsassistentenausbildung dem komplexen Berufsbild dieses Rettungsfachpersonals nicht  mehr gerecht wird.

  • Die Erweiterung der Rettungsassistentenausbildung auf drei Jahre würde die notwendige Zeit  schaffen, um durch Integration zusätzlicher Ausbildungsmodule die theoretischen  Voraussetzungen und praktischen Fähigkeiten, d. h. die gesamte Handlungskompetenz des Rettungsfachpersonals unter Berücksichtigung der nachfolgend genannten Aspekte in der präklinischen Notfallversorgung zu stärken:

  • Beispielsweise könnten technische und einsatztaktische Unterrichtseinheiten, die in der  Praxis zunehmende Bedeutung erhalten, integriert werden.

  • Durch spezielle Unterrichtseinheiten könnte die Qualifikation für die Tätigkeit in der Leitstelle erhöht werden, um den Einsatz von Rettungsmitteln, Rettungsfachpersonal und  Notärzten zielgerichteter disponieren zu können. Die Zahl der kostenträchtigen  Fehleinsätze kann bei professioneller Telefondisposition erheblich reduziert werden.

  • Mit der angestrebten erweiterten dreijährigen Ausbildung stellt sich die Frage der  Ausbildungsziele und Kompetenzen neu. Eine alleinige Umwandlung der jetzigen  ,,Notkompetenz" in eine ,,Regelkompetenz“ im Hinblick auf die Übernahme und eigenständige Durchführung ärztlich vorbehaltener invasiver Tätigkeiten steht nicht zur Diskussion.

  • Künftige Ausbildungsziele und Kompetenzen müssen vielmehr vor dem Hintergrund der  rechtlichen Eingangsvoraussetzungen für die Ausbildung, des Ausbildungsumfangs, des  Qualitätsmanagement der Ausbildungsstätten, der Möglichkeiten und Grenzen eines  Gesundheitsfachberufes, der Delegation ärztlicher Leistungen im Einzelfall sowie des  Anspruchs des Notfallpatienten auf ärztliche Behandlung diskutiert und festgelegt  werden.

  • Rettungsassistenten sollen ihre beruflichen und fachlichen Möglichkeiten innerhalb  eindeutiger rechtlicher Rahmenbedingungen entfalten können. Der Anspruch der Notfallpatienten auf ärztliche Behandlung bleibt davon unberührt.

  • Die Sicherung der erforderlichen Qualifikation in Aus- und Fortbildung sowie Anwendung von künftigen Kompetenzen erfordert zwingend ein umfassendes ärztlich geleitetes Qualitätsmanagement mit ärztlicher Weisungsbefugnis und Fachaufsicht durch einen behördlich bestellten Ärztlichen Leiter Rettungsdienst.

  • Durch eine dreijährige Ausbildung wird die Integration des Berufsbildes ,,Rettungsassistent/Rettungsassistentin" in die anderen dreijährigen Ausbildungskonzepte der Gesundheitsfachberufe möglich.
  • Damit eröffnen sich nicht nur für ältere und/oder aus gesundheitlichen Gründen den hohen psychischen und körperlichen Belastungen im Einsatz nur noch eingeschränkt gewachsenen Rettungsassistenten neue berufliche Perspektiven. Die Attraktivität und soziale Stellung des Berufsbildes wird erhöht.

  • Insbesondere für den immer höher werdenden Anteil von in häuslicher Umgebung zu betreuenden Schwerstkranken ist berufs- und lebenserfahrenes Fachpersonal mit  ausgewiesener hoher medizinischer und technischer Kompetenz wichtig.

  • Die Bundesärztekammer bietet ihre Unterstützung bei der Erstellung eines novellierten Rettungsassistentengesetzes/einer novellierten Rettungsassistentenprüfungsverordnung mit einheitlichem Ausbildungscurriculum, beispielsweise durch Mitarbeit in entsprechenden Arbeitsgruppen, an.

Berlin, 22.. Juni 2007

Ulrike Pantzer

Referentin

Dezernat 2