Richard Toellner: Ärzte im Dritten Reich

Vortrag auf dem 92. Deutschen Ärztetag 1989 in Berlin

"Eine Ärzteschaft aber, die Massenmord an Kranken als Normalität akzeptiert, ja in großen Teilen ausdrücklich als richtig, notwendig und gemeinschaftsdienlich bejaht, hat ihren Auftrag verraten, hat versagt, macht sich moralisch insgesamt schuldig, unabhängig davon, wie viele ihrer Mitglieder an diesem Krankenmord konkret, mittelbar oder unmittelbar in juristisch zurechenbarer Weise schuldig waren." So lautet eine der Kernaussagen in der Rede des Münsteraner Medizinhistoriker Prof. Dr. Richard Toellner auf dem 92. Deutschen Ärztetag 1989 in Berlin. "Die Ärzte im Dritten Reich haben uns eine schwere Last hinterlassen für jetzt und in alle Zukunft", so Toellner weiter. "Erinnern wir uns dieser Last. Lernen wir sie kennen, lernen wir sie wirklich kennen. Anerkennen wir diese Last, lassen wir sie uns eine Lehre sein. Versuchen wir nicht, diese Last abzuschütteln, denn mit der Last geht die Lehre verloren. Nehmen wir sie auf. Die Last ist die Lehre."

Ärzte im Dritten Reich, Wortlaut des Vortrages von Richard Toellner, gehalten auf der 1. Plenarsitzung des 92. Deutschen Ärztetages 1989 in Berlin
(Dtsch Arztebl 1989; 86(33): A-2271)