Ergebnisse der Ärztestatistik zum 31. Dezember 2012

Kein Widerspruch - Ärztemangel trotz moderat steigender Arztzahlen

Wurde das Problem des Ärztemangels lange Zeit von der Politik kleingeredet oder sogar geleugnet, wird heute kaum mehr bestritten, dass in vielen Kommunen der wohnortnahe Zugang zu ärztlichen Leistungen nicht mehr gegeben oder zumindest eingeschränkt ist. In vielen Regionen fehlt es an niedergelassenen Haus- und Fachärzten aber auch in den Krankenhäusern sind bundesweit mehr als 6000 Arztstellen unbesetzt.

Aber wie passen moderat steigende Arztzahlen, wie sie auch die aktuelle Ärztestatistik von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung ausweist, und zunehmender Ärztemangel zusammen?

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen bedingt der medizinische Fortschritt mehr Leistungen und einen Anstieg der Behandlungszahl, weil früher nicht bekannte oder mögliche Eingriffe, Untersuchungen und Therapiemethoden mit zunehmendem Fortschritt durchführbar geworden sind. Dies erfordert ebenso mehr Personal, wie die durch die wissenschaftliche Entwicklung bedingte zunehmende Spezialisierung der Medizin. Vermehrten Personalbedarf ziehen auch Vorgaben der Politik, beziehungsweise des Gemeinsamen Bundesausschusses hinsichtlich neuer Qualifikationsanforderungen nach sich. Als Beispiele seien hier das Gendiagnostikgesetz und das Infektionsschutzgesetz genannt.

Zugleich ziehen auch die demografischen Veränderungen erhebliche Auswirkungen nach sich. So ist der Anteil der über 59-Jährigen an der Gesamtbevölkerung von 1991 bis heute um ein Fünftel gestiegen. Infolgedessen hat die Behandlungsintensität erheblich zugenommen. Hinzu kommt, dass die demografische Entwicklung längst auch die Ärzteschaft selbst erfasst hat, wie die aktuelle Ärztestatistik zeigt. Das Durchschnittsalter der Ärztinnen und Ärzte in Klinik und Praxis nimmt stetig zu. Es ist schwierig, Nachfolger zu finden, wenn sich an den aktuellen Bedingungen der Berufsausübung nicht schnell etwas ändert.

Ein weiterer Grund für den Arztstundenmangel: Die nachwachsende Ärztegeneration hat eine andere Sicht auf die sogenannte Work-Life-Balance. Sie misst dem Familienleben einen höheren Stellenwert zu und entscheidet sich häufiger als früher für Teilzeitarbeit. Hinzu kommt, dass sich die Zahl der Ärztinnen und Ärzte ohne ärztliche Tätigkeit – soweit sie bei den Landesärztekammern registriert sind – wie in den Vorjahren erhöht hat. Die Zahl der Abwanderung aus Deutschland verharrt mit 2.242 Ärztinnen und Ärzten weiter auf einem hohen Niveau.

Wirksam begegnen lässt sich dieser Entwicklung nur, wenn die Arbeit von Ärztinnen und Ärzten wieder attraktiver gestaltet wird, so dass mehr junge Berufsanfänger in der kurativen Medizin tätig werden. Eine Gesellschaft des langen Lebens braucht Ärztinnen und Ärzte in Klinik und Praxis und nicht in anderen Berufsfeldern.

Alle Diagramme und Tabellen [PDF]