Laudatio zur Verleihung der Paracelsus-Medaille an Prof. Dr. med. habil. Otto Bach

Prof. Dr. med. habil. Otto Bach

 

Die deutschen Ärztinnen  und Ärzte ehren in Otto Bach einen Arzt, der sich in seiner klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit sowie mit seinem berufspolitischen Engagement herausragende Verdienste um das deutsche Gesundheitswesen und die Ärzteschaft erworben hat. Nach der politischen Wende war er maßgeblich an der Umgestaltung der Medizinischen Akademie „Carl Gustav Carus“ in Dresden beteiligt. Als deren Rektor schaffte er die Voraussetzungen für die Gründung der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden 1993. Später wurde er Medizinischer Vorstand des Dresdner Universitätsklinikums. Neben der Schaffung demokratischer Hochschulstrukturen war ihm der Aufbau der ärztlichen Selbstverwaltung in Sachsen ein Anliegen. Otto Bach hat sich um die ärztliche Versorgung der Bevölkerung, das Gesundheitswesen, die ärztliche Selbstverwaltung und um das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise verdient gemacht.

Otto Bach wurde am 21. Mai 1937 in Borsdorf bei Leipzig als ältester von zwei Söhnen des Gastronoms Otto Bach und seiner Ehefrau Erna geboren. Nach dem Krieg zog die Familie nach Leipzig, sein Vater war an der Ostfront gefallen. An der Leibniz-Oberschule in Leipzig legte er 1955 die Abiturprüfung ab. Danach schrieb er sich an der dortigen Universität für das Fach Humanmedizin ein. 1960 schloss er das Studium ab und absolvierte ein Jahr als Medizinalpraktikant am Bezirkskrankenhaus Leipzig-Dösen. Nach der Approbation als Arzt 1961 begann er eine Weiterbildung an der Universitätsnervenklinik Leipzig. Ein Jahr später wurde er zum Dr. med. promoviert. Seine Dissertation trägt den Titel „Charakteristische anamnestische Angaben Magenkranker“ und entstand an der Klinik für Innere Medizin der Universität Leipzig. Im Jahr 1965 erwarb er die Facharztanerkennung für Neurologie und Psychiatrie, 1969 wurde er Oberarzt. 1974 wurde er zum ersten Oberarzt der Klinik für Psychiatrie der Universität Leipzig ernannt.

Neben der klinischen Tätigkeit war Bach auch wissenschaftlich aktiv. 1975 habilitierte er sich mit der Arbeit „Über kooperative Beziehungen zwischen psychiatrischen Patienten und ihrer Umwelt“. Diese entstand in der Klinik für Psychiatrie der Universität Leipzig unter Leitung von Prof. Dr. Klaus Weise, der für ihn zum Lehrer und Vorbild wurde. Internationale Erfahrungen sammelte Bach durch Studienaufenthalte. Sie führten ihn an das Fakultätskrankenhaus Sadska bei Prag, heute Tschechien, und nach Russland an das Bechterew-Institut für Neurologie und Psychiatrie im heutigen St. Petersburg.1979 wurde er zum ordentlichen Hochschuldozenten für Neurologie und Psychiatrie an der Universität Leipzig berufen. 1984 erhielt er einen halbjährigen Lehrauftrag an der Medical School of Gondar in Äthiopien, bevor er 1985 zum außerordentlichen Professor in Leipzig ernannt wurde. Im Jahr 1987 folgte er dem Ruf als ordentlicher Professor auf den Lehrstuhl für Psychiatrie und Neurologie der Medizinischen Akademie „Carl Gustav Carus“ in Dresden und wurde Direktor der dortigen Klinik und Poliklinik. Mit der Umstrukturierung des Fachbereichs Nervenheilkunde und der Teilung der Klinik wurde ihm 1990 das Direktorat der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie übertragen. Als einer der wenigen ordentlichen Professoren, die in der DDR nicht parteigebunden waren, erhielt Bach in einem verkürzten Berufungsverfahren 1992 eine C4-Professur. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte waren die klinische Psychiatrie, die Sozialpsychiatrie, die Versorgungsforschung in der Psychiatrie sowie die Familien- und Angehörigenarbeit.

Für die Entwicklung der Hochschulmedizin in Dresden ist er einer der maßgeblichen Protagonisten. Wegbegleiter beschreiben ihn als besonnen und attestieren ihm eine besondere Fähigkeit zur objektiven Beurteilung komplexer Sachverhalte sowie diplomatisches Geschick. Diese Eigenschaften – und die Tatsache, dass er nie SED-Mitglied war – dürften dazu beigetragen haben, dass Bach 1991 zum Rektor der Medizinischen Akademie „Carl Gustav Carus“ gewählt wurde. In dieser schwierigen Zeit des Umgestaltens war er daran beteiligt, die Voraussetzungen zur Gründung einer Medizinischen Fakultät zu schaffen – in enger Zusammenarbeit mit der vom Sächsischen Staatsministerium eingesetzten Gründungskommission. Neue Strukturen und demokratische Gremien, wie zum Beispiel Berufungskommissionen, mussten gebildet werden. Im Jahr 1993 wurde die neue Medizinische Fakultät der Technischen Universität (TU) Dresden gegründet. In der Folge fungierte Bach unter anderem als kommissarischer Dekan, später als Forschungsdekan. 1999 übernahm er das Amt des Medizinischen Vorstandes und des Vorstandssprechers des Universitätsklinikums „Carl Gustav Carus“ in Dresden. Das Klinikdirektorat legte er zugleich nieder. Mit Erreichen der Altersgrenze wurde er 2002 emeritiert.

„Ein Kulturschock war das damals schon“, erinnerte sich Bach 1999 in einem Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt an die Herausforderungen in der Hochschulmedizin nach der Wende. Neben den erwünschten politischen Änderungen hätten die Neuerungen vielen Menschen und auch Hochschulangehörigen in Ostdeutschland ein hohes Maß an Flexibilität abverlangt. Aber, so ergänzte er auf einer Veranstaltung am Dresdner Universitätsklinikum 2009, die Ambivalenzen und Verunsicherungen seien an der Fakultät in Dresden gut bewältigt worden. Zu einem großen Teil ist das sicherlich Bach zu verdanken. Heute sagt er rückblickend: „Es war eine schöne und aufregende Zeit“.

Die Schaffung neuer, freiheitlicher Strukturen in der Hochschulmedizin war eine „Baustelle“, der sich Bach mit vollem Einsatz widmete. Eine andere war der Aufbau einer ärztlichen Selbstverwaltung. Die Gründung der Sächsischen Landesärztekammer hat er von Anfang an maßgeblich unterstützt. Besonders setzte er sich für die ärztliche Fortbildung ein. 1997 wurde er zum Vorsitzenden der neu gegründeten Sächsischen Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung der Sächsischen Landesärztekammer gewählt. Sein besonderer Verdienst liegt in der Einführung der zertifizierten Fortbildung für die Ärzteschaft Sachsens. Von den vielen Aktivitäten, die er ins Leben gerufen hat, seien beispielhaft auch die Fortbildungen über Qualitätssicherung, Suchttherapie und Katastrophenschutz genannt.

Darüber hinaus ist Bach seit 1995 Mandatsträger in der Kammerversammlung der Sächsischen Landesärztekammer. Von 1999 bis 2007 war er im Vorstand der Kammer aktiv. Außerdem ist er langjähriges Mitglied im Gesprächskreis Ethik in der Medizin. Er vertritt die Sächsische Landesärztekammer auch in einem Gemeinsamen Beirat mit der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer. Seit dem Jahr 2000 ist er Delegierter bei Deutschen Ärztetagen. Wegen seines Einsatzes für die Fortbildung wurde Bach 2001 vom Deutschen Ärztetag in den Vorstand des Deutschen Senats für ärztliche Fortbildung gewählt.

Bundesweites Ansehen genoss er nicht nur in der ärztlichen Selbstverwaltung, sondern auch unter Wissenschaftlern. 1990 wurde er erster Präsident der neu gegründeten Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenheilkunde – Ost. Nach deren Zusammenführung mit der westdeutschen Fachgesellschaft war er zeitweilig Vorstandsmitglied der gesamtdeutschen Gesellschaft. Er war langjähriger Vorsitzender und seit 2007 Ehrenvorsitzender der Sächsischen Wissenschaftlichen Gesellschaft für Nervenheilkunde. Von seiner Begeisterung für die Forschung, aber auch die Lehre, zeugen auch 91 wissenschaftliche Publikationen, sechs Fachbücher und mehr als 400 Vorträge. Als Hochschullehrer, Weiterbildungsbefugter und Vorsitzender der Prüfungskommission der Sächsischen Landesärztekammer für das Gebiet Psychiatrie und Psychotherapie hat er zahlreiche Mediziner vom Studium bis zur Facharztprüfung begleitet. Auch in der Politik war sein Sachverstand gefragt. Von 1995 bis 2007 fungierte er als Mitglied des Landesbeirates für Psychiatrie der Sächsischen Staatsregierung.

Für seinen unermüdlichen Einsatz erhielt er zahlreiche Auszeichnungen – darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande, die Ernst-von-Bergmann-Plakette, die Hermann-Eberhard-Richter-Medaille der sächsischen Ärzteschaft und die Jubiläumsmedaille der TU Dresden.

Auch mit 77 Jahren ist Bach den von ihm angestoßenen Themen verbunden. Er ist weiterhin Vorstandsmitglied des Deutschen Senats für ärztliche Fortbildung und Vorsitzender der Sächsischen Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung. Seit 1959 steht ihm seine Ehefrau Hannelore zur Seite. Er hat drei Kinder und zwei Enkelkinder. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Literatur und treibt gerne Sport. Er lebt weiterhin in seiner Heimatstadt Leipzig, hat aber ein kleines Fachwerkhaus auf dem Land, wo er sich gerne handwerklich betätigt.

117. Deutscher Ärztetag in Düsseldorf, 27. Mai 2014
Vorstand der Bundesärztekammer
Präsident