Laudatio zur Verleihung der Paracelsus-Medaille an Prof. Dr. med. Dr. h. c. Peter C. Scriba

Urkunde zur Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft für Prof. Dr. med. Dr. h. c. Peter C. Scriba [PDF]

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Peter C. Scriba erhält die Paracelsus-Medaille der deutschen Ärztetag auf dem 118. Deutschen Ärztetag 2015 in Franfurt am Main

Die deutschen Ärztinnen und Ärzte ehren in Peter C. Scriba einen Arzt, der maßgeblich dazu beigetragen hat, die Laboratoriumsdiagnostik endokriner Erkrankungen fest zu etablieren. Zeit seiner exzellenten ärztlichen Laufbahn war er auf den medizinischen Fortschritt fokussiert. Als ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin der Universität Lübeck und später der Medizinischen Klinik Innenstadt der Universität München hat er entscheidend den klinischen und wissenschaftlichen Aufbau der Hochschulen vorangebracht. Peter Scriba hat durch seine Expertise zahlreiche wissenschaftliche Fachgesellschaften und Gremien bereichert – nicht zuletzt bis heute als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer. Durch sein Engagement im Sachverständigenrat für die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen hat er Wissenschaft und Gesundheitspolitik maßgeblich zusammengeführt. Auch ist die Inzidenz der Jodmangelerkrankungen in der Bevölkerung durch seinen Einsatz im Arbeitskreis Jodmangel deutlich zurückgegangen. Durch sein hohes wissenschaftliches, präventives und gesundheitspolitisches Engagement hat sich Peter Scriba um das Gesundheitswesen, die ärztliche Selbstverwaltung und um das Gemeinwohl in der Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise verdient gemacht.

Peter Scriba wurde am 19. August 1935 als erster Sohn des Pathologen Prof. Dr. med. Karl Scriba in Hamburg geboren, eine Schwester und ein Bruder folgten. Er legte im Sommer 1954 in Hamburg das Abitur auf der Gelehrtenschule des Johanneums ab. Medizin studierte er an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg, wo er 1959 das medizinische Staatsexamen und die Promotion (summa cum laude) erwarb. Von 1957 bis 1961 war er Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter am biochemischen Institut in Freiburg unter Prof. Dr. rer. nat. Holzer und 1962/63 Postdoctoral Research Fellow an der Harvard Medical School Boston. Anschließend begann er seine Facharztausbildung als wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Dr. Gustav Bodechtel an der II. Medizinischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er sich bereits mit 32 Jahren habilitierte. 1966 wurde Scriba Oberarzt in der Medizinischen Klinik Innenstadt. Sechs Jahre später ernannte man ihn dort zum außerplanmäßigen Professor. Von 1974 bis 1980 war er nicht nur leitender Oberarzt, sondern hatte zusätzlich die Leitung der klinisch-chemischen Laboratorien inne.

Im Jahre 1980 folgte Peter Scriba dem Ruf an die Universität Lübeck als C4-Professor und wurde Direktor der Klinik für Innere Medizin. Die Zeit in Lübeck waren für ihn erfüllte Jahre, in denen er den klinischen und wissenschaftlichem Aufbau und die Weiterentwicklung des Lehrstuhls, der Fakultät und der Hochschule vorantrieb. 1991 wurde er zurück an die Medizinische Klinik Innenstadt der Universität München berufen und war bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 Lehrstuhlinhaber und Ärztlicher Direktor des Klinikums Innenstadt, für dessen Fortbestand er sich vehement einsetzte.

Peter Scriba hat mehr als 800 Publikationen, Abstracts und Buchbeiträge veröffentlicht. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Tätigkeit waren endokrinologische Erkrankungen, die Entwicklung von Bestimmungsmethoden für Hormone und die Erforschung hormoneller Wirkungsmechanismen. Scriba war neben seinen wissenschaftlichen Aktivitäten auch ein hervorragender Lehrer. Er konnte die Studenten mit seinen didaktisch exzellenten Ausführungen faszinieren und für das Fach der Inneren Medizin und speziell der Pathophysiologie und Endokrinologie begeistern.

Besonders am Herzen lag ihm schon sehr früh die Prävention, insbesondere die von Jodmangelerkrankungen. Er war 1984 Gründungsmitglied des Arbeitskreises Jodmangel, deren Sprecher er wurde. Er hat entscheidend dazu beigetragen, die gesetzlichen Bestimmungen dahingehend zu ändern, dass Jodsalz im Haushalt sowie in der Nahrungsmittelindustrie und in Großküchen eingesetzt wurde. Die Jodversorgung der Bevölkerung ist nicht zuletzt durch seine Aktivitäten signifikant verbessert worden, und damit ist die Inzidenz der Jodmangelerkrankungen zurückgegangen.

Peter Scriba hatte während seiner beruflichen Laufbahn zahlreiche Ämter in wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Institutionen der Forschungsförderung und im Gesundheitsmanagement inne. So war er Schriftführer und ab 1977 Sprecher des Sonderforschungsbereiches 51 (Medizinische Molekularbiologie und Biochemie, München), hatte die Position des Fachgutachters der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) inne; von 1984 bis 1990 war er stellvertretender Sprecher des Sonderforschungsbereiches 232 (Funktion und Defekte von Rezeptorsystemen) in Hamburg und Lübeck. Außerdem war er bis 1987 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie und seit 1986 Mitglied des Wissenschaftsrates und ein Jahr später Vorsitzender des Medizinausschusses – ein Amt, das er bis 1991 innehatte und in dem er entscheidend an der Umstrukturierung der ostdeutschen Universitätsklinika beteiligt war. Seit 1987 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und von 1987 bis 1999 war er Mitglied der DFG-Senatskommission für Klinische Forschung. 1994/1995 hatte er den Vorsitz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin inne.

Scriba war von 1995 bis 2001 Mitglied des Senats der Hermann-von-Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (Großforschungseinrichtungen) und von 1996 bis 2003 Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums für den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft. Ebenso war er von 1998 bis 2002 Mitglied des Senats der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (Blaue Liste). Besonders hervorzuheben ist sein Engagement im Sachverständigenrat für die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen seit 1993, deren stellvertretenden Vorsitz er von 2002  bis 2007 innehatte.

Auch zahlreiche Beratungsgremien profitierten von der umfangreichen Expertise Peter Scribas. So gehörte er der Schriftleitung der Deutschen Medizinischen Wochenschrift und der Zeitschrift „Der Internist“ an. Er war von 1990 bis 1994 Mitglied und Vorsitzender des Gesundheitsforschungsrates des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Von 1998 bis 2012 war er zudem Wissenschaftlicher Berater der Paul-Martini-Stiftung.

Peter Scriba erhielt für seine wissenschaftlichen und berufspolitischen Tätigkeiten zahlreiche Auszeichnungen, wie die Ludolf-Brauer-Medaille in Silber 1983, die Friedrich-von-Müller-Gedächtnis-Medaille 1988. Im gleichen Jahr verlieh ihm die Universität Zhejiang in Hangzhou/China den Titel eines „Honorary Professor of Internal Medicine”. Die Berthold-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) wurde ihm 1992 verliehen, und im gleichen Jahr erhielt er das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 1995 wurde ihm die Ehrenpromotion durch die Medizinische Fakultät der Medizinischen Universität zu Lübeck zuerkannt. Den Bayerischen Verdienstorden erhielt er 1998. Im Jahr 2001 wurde er Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. 2002 erhielt er das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Ebenso 2002 wurde ihm die Ludwig-Heilmeyer-Medaille in Gold der Gesellschaft für Fortschritte in der Inneren Medizin verliehen. Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie wurde er im Jahr 2004. Außerdem ist er im Besitz des Goldenen Ehrenzeichens der Vereinigung Bayerischer Internisten, der Günther-Budelmann-Medaille des Berufsverbandes Deutscher Internisten, der Gustav-von-Bergmann-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (2008) sowie der Salomon-Neumann-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (2008).

Seit seiner Emeritierung im Jahr 2000 ist Peter Scriba unverändert aktiv den wissenschaftspolitischen Themen verbunden. Er ist seit 1995 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer und leistet als dessen Vorsitzender seit 2002 dort exzellente Arbeit. Auch Kliniken können sich des Sachverstands Scribas glücklich schätzen: Seit 2002 ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats des Universitätsklinikums der Technischen Universität Dresden. Er war Mitglied im Aufsichtsrat des Universitätsklinikums Köln von 2001 bis 2005 und im Hochschulrat der Universität Lübeck von 2001 bis 2007. Seit 2001 profitiert der Aufsichtsrat der Helios-Kliniken Berlin von seiner Expertise. Scriba ist zudem seit 2009 Präsident der Stiftung Initiative Qualitätsmedizin (IQM), in der sich Krankenhäuser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz für mehr medizinische Qualität bei der Behandlung ihrer Patienten engagieren. Man darf gespannt sein, welche der Aufgaben er noch übernehmen wird, die ihm in den nächsten Jahren angetragen werden.

Mit heute 79 Jahren hat Peter Scriba in seinem Leben enorm viel erreicht. Dabei ist ihm bewusst geworden, dass persönlicher Erfolg nur möglich ist im Rahmen von Gemeinschaft. So sei die Harmonie in einer Klinik überaus entscheidend – noch so herausragende Einzelleistungen zählten nicht, wenn sie nicht in einen harmonisch funktionierenden Klinikrahmen eingebunden seien.

Peter Scriba lebt heute mit seiner zweiten Ehefrau in Ammerland am Starnberger See in Bayern. Die beiden haben eine 18-jährige Tochter, die ein Medizinstudium anstrebt. Sie auf diesem Weg zu begleiten, macht dem Vater große Freude. Aus erster Ehe hat er vier Kinder, darunter drei Töchter, die alle in künstlerischen Berufen tätig sind. Sein 1995 verstorbener Sohn war Ingenieur. Mit seiner Frau verbindet ihn ein gemeinsames Hobby, das Jagen. Außerdem besuchen beide gerne Konzerte der Philharmoniker in München und Aufführungen in den Kammerspielen der Stadt.

118. Deutscher Ärztetag in Frankfurt am Main, 12. Mai 2015
Vorstand der Bundesärztekammer
Präsident