Weniger Bürokratie und mehr Zeit für die Patienten

Berlin, 19.01.2006

Die chronische Unterfinanzierung des Gesundheitswesens kann nicht länger durch unbezahlte Mehrarbeit der Gesundheitsberufe aufgefangen werden. Wenn die Politik nicht bereit ist, ausreichend finanzielle Mittel für die Patientenversorgung zur Verfügung zu stellen, wird die Rationierung weiter voranschreiten, warnten die Vertreter des "Bündnis Gesundheit 2000" bei ihrem jüngsten Treffen in Berlin (19.01.2006).

In der Diskussion mit den Repräsentanten der 37 Organisationen und Verbände äußerte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagfraktion, Wolfgang Zöller (CSU), Verständnis für die schwierigen Arbeitsbedingungen der Gesundheitsberufe und versprach, sich für einen Abbau der überbordenden Bürokratie im Gesundheitswesen einzusetzen. Der hohe Dokumentations- und Verwaltungsaufwand lasse zu wenig Zeit für Gespräche mit den Patienten.

Zugleich machte Zöller deutlich, dass es im Gesundheitssystem kaum noch nennenswerte Wirtschaftlichkeitsreserven gebe: "Die Zitrone ist ausgepresst." Beitragserhöhungen und weitere Leistungsausgrenzungen lehnte Zöller allerdings ab. Im Zuge der jetzt anstehenden Finanzreform müssten die Krankenkassen aber entlastet und versicherungsfremde Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung künftig zumindest teilweise über Steuern finanziert werden. Auch dürfe die Finanzierung der kostenlosen Kindermitversicherung nicht allein von den GKV-Versicherten getragen werden. Das sei sozial ungerecht, so Zöller.

Im Bündnis Gesundheit 2000 haben sich 37 Verbände und Organisationen der Gesundheitsberufe zusammengeschlossen. Das Bündnis vertritt die Interessen von 4,1 Millionen Beschäftigten im Gesundheitswesen, unter ihnen die Angehörigen der Pflegeberufe, Arzthelferinnen, Apotheker, Assistenzberufe, Ärzte, Zahnärzte und Heilmittelerbringer.