Thüringen 02.02.2018

Arztzahlen in Thüringen erneut gestiegen

Mehr Ausländische Ärzte – Präsidentin Lundershausen fordert Staatsexamen für Ärzte aus Nicht-EU Ländern zur Sicherung der Qualität der ärztlichen Versorgung

Jena - Zum Jahresabschluss 2017 konnte die Landesärztekammer Thüringen erneut einen Zuwachs an Mitgliedern verzeichnen. So waren zum 31. Dezember 2017 insgesamt 13 118 Ärztinnen und Ärzte bei der Landesärztekammer gemeldet, 2016 waren es 12 819. Aber nicht nur die Gesamtzahl der Ärztinnen und Ärzte – darin sind auch Ruheständler oder Personen in Elternzeit erfasst – ist gestiegen, sondern auch die Zahl der tätigen Ärzte. Auch diese nehmen mit 9474 Kolleginnen und Kollegen einen Spitzenplatz ein. Im vergangenen Jahr waren es noch 9297. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag die Gesamtzahl der Ärztinnen und Ärzte bei etwa 10 700 und die der tätigen Ärzte bei etwa 8000.
 
Gestiegen ist dabei erneut auch die Anzahl der ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte von 3560 (2016) auf 3607 (2017) sowie noch deutlicher der im Krankenhaus tätigen Ärzte von 5263 (2016) auf 5366 Personen (Jahresabschluss 2017).
 
Der Ort in Thüringen mit der höchsten Zahl an (tätigen) Ärztinnen und Ärzten ist Jena. Hier arbeiten 1258 Personen, dicht gefolgt von Erfurt mit 1232 Personen. Im Anschluss folgt dann Gera mit 581 und der Landkreis Weimarer Land mit 539 Ärztinnen und Ärzten.
 
Die Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen, Dr. Ellen Lundershausen, warnt davor, die erneut gestiegenen Arztzahlen fehlzuinterpretieren. Ein generelles Ansteigen der Arztzahlen verhindere letztlich nicht, so Lundershausen, dass es in einzelnen Fachgebieten und Regionen wie z.B. Augenärzten personell eng werde und Patienten einen Mangel fühlen. Auch dürfe man nicht vergessen, dass u.a. in den Krankenhäusern durch höhere Fallzahlen und eine konsequente Beachtung des Arbeitszeitgesetzes mehr Kolleginnen und Kollegen notwendig sind. Gleichfalls forderten Kolleginnen und Kollegen bei hoher Motiviertheit für den Arztberuf zu Recht ein angemessenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit ein. Ebenso trage die demographische Entwicklung dazu bei, die Zahl der Arzt-Patienten-Kontakte zu intensivieren.
 
Erneuter Zuwachs bei ausländischen Ärztinnen und Ärzten – Forderung der Ärztekammerpräsidentin nach bundesdeutschem Staatsexamen für alle Ärzte
 
Erneut ist ein deutlicher Zuwachs bei ausländischen Ärztinnen und Ärzten zu verzeichnen. Wurde 2012 mit 1002 Medizinern aus dem Ausland erstmals die 1000er Marke überschritten, so arbeiten jetzt bereits 1657 Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland in Thüringen. Im vergangenen Jahr waren es noch 1471. Bei ausländischen Ärztinnen und Ärzten überwiegen mit 927 Personen die Männer im Verhältnis zu den Frauen mit 730. Hinsichtlich der Gesamtzahl der Ärztinnen und Ärzte überwiegen dagegen die Frauen – 6935 Personen zu 6183.
 
Im Zusammenhang mit dem erneuten Anstieg der Zahl ausländischer Ärztinnen und Ärzte fordert die Präsidentin der Landesärztekammer zur Sicherung der Qualität der ärztlichen Versorgung die Absolvierung des deutschen Staatsexamens für alle Ärzte, nicht nur für deutsche Staatsbürger, sondern auch für Migranten aus Drittstaaten bzw. Nicht-EU-Ländern. Momentan wird bei jedem Bewerber geprüft, ob die jeweilige Ausbildung mit dem deutschen Staatsexamen vergleichbar ist. „Das reicht aus unserer Sicht nicht“, sagt die Präsidentin der Landesärztekammer, Dr. Ellen Lundershausen. „Das Niveau der Ausbildung ist zu unterschiedlich. Deshalb sollte das bisherige Verfahren einheitlich vom Staatsexamen abgelöst werden, um die hohe Qualität des Abschlusses und damit der Versorgung sowie die Patientensicherheit zu gewährleisten. Eine vergleichbare Regelung gibt es z.B. in den USA,“ so Lundershausen.   
 
Bei der Verteilung der Herkunftsländer ausländischer Mediziner in Thüringen gibt es im Verhältnis zu den vergangenen Jahren teilweise Veränderungen. Den unangefochtenen Spitzenplatz nehmen mit 216 Personen Ärztinnen und Ärzte aus Rumänien ein (zum Jahresabschluss 2016 waren es gleichfalls 216). Unmittelbar im Anschluss folgen Kolleginnen und Kollegen aus Syrien (178), die seit 2016 die zweitgrößte ausländische Arztgruppe sind. Viele Jahre waren weitere Ärztinnen und Ärzte aus Südosteuropa u.a. aus Bulgarien oder der Slowakei auf Rang 2 bei den Herkunfsländern ausländischer Ärzte. „Diese Kollegen sind uns willkommen, aber es ist zu bedenken,“ so die Präsidentin der Landesärztekammer, „dass sie in einigen ihrer Heimatländer dringend zur Patientenversorgung gebraucht werden. Wir werben daher nicht aktiv. Insofern ist es auch wichtig, dass die Staaten jeweils vor Ort vernünftige Bedingungen für Ärztinnen und Ärzte schaffen und es zu solchen dramatischen Aktionen wie den Hungerstreik der polnischen Ärzte gegen Ende des vorigen Jahres gar nicht erst kommen muss.“
 
Mit 1364 Personen arbeitet der überwiegende Teil der ausländischen Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus. 168 Personen sind ambulant tätig. In dieser Gruppe nehmen die aus Ungarn stammenden Ärzte den Spitzenplatz mit 36 Personen ein.

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