Baden-Württemberg 24.10.2017

Baden-Württemberg: Ärzteschaft betritt Neuland

Ausschließliche ärztliche Fernbehandlung erstmals in Baden-Württemberg genehmigt

Stuttgart - Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat bundesweit erstmals die ausschließliche Fernbehandlung von Privatversicherten genehmigt. Das auf zwei Jahre angelegte Modellprojekt wird von dem in München ansässigen Unternehmen Teleclinic GmbH gemeinsam mit zwei privaten Krankenversicherungen getragen und soll in Kürze im ganzen Südwesten starten. Ein sogenannter "verantwortlicher Arzt" garantiert dabei als Mitglied der Landesärztekammer Baden-Württemberg die gewissenhafte Einhaltung des berufsrechtlichen Rahmens gemäß der ärztlichen Berufsordnung sowie Patientensicherheit und Datenschutz.

Vorangegangen war eine entsprechende Änderung eben dieser Berufsordnung der Landesärztekammer Baden-Württemberg. Deren Präsident, Dr. Ulrich Clever, betont nicht ohne Genugtuung: "Nach intensiven Vorarbeiten sind wir nun die erste ärztliche Körperschaft in der Bundesrepublik, die Ärzten die ausschließliche Fernbehandlung im Rahmen von Modellprojekten erlaubt, und wir betreten damit Neuland in Deutschland. In Baden-Württemberg wird das möglich, was außerhalb Deutschlands längst tägliche Routine und zukünftig nicht mehr aufzuhalten ist: Arzt und Patient können sich beispielsweise am Telefon oder via Handy-App begegnen, und der Arzt darf eine individuelle Diagnose stellen und die Therapie einleiten." Die ärztliche Berufsordnung hatte bislang die ausschließliche Behandlung über Kommunikationsnetze untersagt; (Video-) Telefonie durfte immer nur mit Bestandspatienten erfolgen, also mit Patienten, die der Arzt oder die Ärztin bereits kannte.

Dr. Clever weiter: "Der diesjährige Deutsche Ärztetag hat die baden-württembergische Innovation sehr positiv aufgenommen und will sie sich zum Vorbild nehmen. Denn wir prüfen jeden einzelnen Modellantrag sehr kritisch, damit unter anderem Patientensicherheit und Datenschutz gewährleistet sind. Die Behandlung in einem von uns genehmigten Modellprojekt darf ausschließlich durch unsere Kammermitglieder - Ärztinnen und Ärzte aus Baden-Württemberg - vorgenommen werden - nicht etwa durch im Ausland ansässige und tätige Ärzte."

Weitere Anträge auf Modellprojekte seien bereits in der Pipeline, unter anderem auch für gesetzlich Krankenversicherte, ergänzte Dr. Clever. Und: "Wir gehen davon aus, dass ein erster diesbezüglicher Antrag bald entscheidungsreif vorliegend wird."

Eine begleitende wissenschaftliche Evaluation prüfe kontinuierlich, ob Patienten auch bei der ausschließlichen Fernbehandlung die gleiche Qualität und Expertise wie in Praxis oder Krankenhaus geboten werde. Wann immer die Behandlung auf Distanz im Einzelfall unmöglich sei, werde auf entsprechende regionale Experten und Behandlungsangebote verwiesen. Lebensbedrohliche Notfälle würden immer sofort an die Rettungsleitstelle weitergegeben.

http://www.aerztekammer-bw.de