Hessen 21.12.2017

Hessen: „Der Vorwurf einer Zwei-Klassen-Medizin ist schlichtweg falsch“

Hessischer Ärztekammerpräsident spricht sich für Erhalt des dualen Krankenversicherungssystems und gegen die `Bürgerversicherung` aus

Frankfurt - „Vom  Ladenhüter  zum  Topthema:  Um  sich  als Partei der Gerechtigkeit zu profilieren,  hat die SPD wieder die 'Bürgerversicherung` aus der Schublade geholt  und  zum  zentralen  Thema für die Koalitionsverhandlungen erhoben. Doch   der  Vorwurf  einer  `Zwei-Klassen-Medizin`  im  derzeitigen  dualen Krankenversicherungssystem  aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung  ist schlichtweg falsch“, stellt Dr. med. Gottfried von Knoblauch  zu  Hatzbach,  Präsident  der  Landesärztekammer  Hessen,  fest. „Tatsächlich  haben  in  Deutschland  alle Bürgerinnen und Bürger Zugang zu einer hochwertigen medizinischen Versorgung. Der Wettbewerb aus Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung  in  einem  gemeinsamen Versorgungssystem erweist  sich  als  Sicherung  gegen  Rationierung  und `Zwei-Klassen-Medizin`."

Dass  von  angeblichen  Versorgungsdefiziten  keine Rede sein könne und die medizinische Versorgung in Deutschland zu Recht einen hervorragenden Ruf genieße, machten wissenschaftliche Untersuchungen zu Versorgungsunterschieden  in  Europa  deutlich,  erklärt  von  Knoblauch zu Hatzbach.  „Im Unterschied zu den meisten anderen europäischen Ländern gibt es  in  Deutschland  Wahl-  und Therapiefreiheit. Das heißt, dass Patienten einen direkten Zugang zum Facharzt ihrer Wahl und im europäischen Vergleich die  kürzesten Wartezeiten haben." Auch die Europäische  Kommission lobe in ihrem,  im  November  2017  vorgestellten  deutschen  Gesundheitsprofil den großzügigen Leistungskatalog, das hohe Niveau der Gesundheitsleistungen und den generell guten Zugang zu diesen.

„Anders  als  die  Klagen der Befürworter der 'Bürgerversicherung` über die vermeintliche  Ungerechtigkeit  im deutschen Gesundheitssystem suggerieren, ist die Gesundheitsversorgung in Deutschland nicht von der individuellen Finanzkraft  abhängig“,  macht  von  Knoblauch  zu  Hatzbach  deutlich. „Im europäischen  Vergleich  sind wir das Land mit den geringsten Tendenzen zur Leistungsrationierung.  Auch fließen die Steuergelder aller Bürgerinnen und Bürger  in  das  hierzulande  für  alle  Patientinnen  und  Patienten offen
stehende Versorgungssystem."

Gesetzlich   Versicherte   hätten  also  von  der  Abschaffung  des  dualen Krankenversicherungssystems  keine  Vorteile, fasst von Knoblauch zusammen. „Die  Nachteile liegen jedoch auf der Hand: Eine Einheitskasse – und nichts anderes  verbirgt  sich hinter der `Bürgerversicherung` auf längere Sicht – würde  einerseits  zu einer Senkung des  Leistungsniveaus und anderseits zu einer Ausweitung von Zusatzversicherungen führen,   die sich nur Besserverdienende  leisten  können.  Das  wiederum verstehe ich unter einer `Zwei-Klassen-Medizin`."

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