Nierdersachsen 13.11.2017

Nierdersachsen: Emissionen machen Tausende Menschen krank

Welt-COPD-Tag am 15. November 2017: Ärztekammerpräsidentin und Lungenfachärztin Dr. med. Martina Wenker fordert effektivere Maßnahmen zur Verringerung der Luftverschmutzung

Hannover - „Neben dem Rauchen ist die Luftverschmutzung durch Verkehr, Industrie und Heizanlagen der zweitgrößte Risikofaktor zur Entwicklung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)“, erklärt die Lungenfachärztin Dr. med. Martina Wenker anlässlich des Welt-COPD-Tags am 8. November. Feine Partikel, aber auch Gase wie das Stickstoffdioxid belasten die Atemwege und können zahlreiche Erkrankungen auslösen. „Stickstoffdioxid ist ein ätzendes Reizgas, das akut Schleimhautgewebe im Atemtrakt angreift und die Augen reizt. Außerdem ist es als Vorläufersubstanz an der Entstehung von Ozon sowie von Feinstaub beteiligt, der wiederum eine entscheidende Rolle für das Entstehen der COPD spielt.“

 

„Umso unverständlicher ist es, dass die Politik es duldet, dass der EU-Grenzwert von maximal 40 μg/m3 Stickstoffoxid in Deutschland weiterhin an vielen innerstädtischen Messstationen überschritten wird“, so Dr. Wenker. Nach Angaben des Bundesumweltamts war das im Jahr 2016 in Deutschland an 57 Prozent der verkehrsnahen Messstationen der Fall. Davon betroffen ist auch die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover. Die Europäische Umweltagentur geht davon aus, dass jährlich über 10.600 Menschen in Deutschland vorzeitig aufgrund zu hoher Stickstoffdioxidwerte sterben. Die COPD-Erkrankungsrate steigt weltweit. „Auch in Hannover macht die Luftverschmutzung krank. Die hohen Emissionswerte sind einfach nicht mehr akzeptabel. Es ist an der Zeit, dass wir eine gesundheits- und umweltorientierte Technik fördern, verbindlich einführen und endlich auch als Wirtschaftsfaktor betrachten, denn mit zukunftsweisender Technik kann die Industrie auch marktwirtschaftlich erfolgreich sein“, sagt die Ärztepräsidentin. Sie hofft, dass die neuen Regierungen auf Bundes- und Landesebene neue Prioritäten setzen – für eine saubere Luft, eine gesunde Umwelt und einen effektiven Gesundheitsschutz der Bürger.

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