Sachsen 11.10.2017

Sachsen: Reform des Heilpraktikerberufes: Aus-, Weiter- und Fortbildung im Vergleich

Dresden - 17 Experten aus dem Gesundheitsbereich (Münsteraner Kreis) fordern eine umfassende Reform des Heilpraktikerberufes. Sie kritisieren: Die Methoden seien unwissenschaftlich, die Ausbildung unzureichend.   „Die Aus-, Weiter- und Fortbildung von Ärzten und Heilpraktikern weist erhebliche Unterschiede auf, weshalb die Kritik nicht ganz unberechtigt ist“, sagt Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer. Deshalb möchte er in einer sachlichen Darstellung auf die besondere fachliche Qualifikation der Ärzte hinweisen.
 
Die Qualifikation des Arztes oder Heilpraktikers
In Deutschland dürfen neben Ärzten auch Heilpraktiker die Heilkunde ausüben. Was Patienten wissen sollten, sind die unterschiedlichen Voraussetzungen und Qualifikationsanforderungen, die der Gesetzgeber an Heilpraktiker und Ärzte stellt.
 
Ausbildung und Prüfung für Heilpraktiker
Jeder Mensch mit einem deutschen Schulabschluss kann eine "Heilpraktiker-Ausbildung" machen, wobei Art und Umfang der Ausbildung (1 ½-2 Jahre) extrem unterschiedlich und staatlich nicht vorgegeben sind. Man kann sich auch ohne eine Ausbildung zur Heilpraktiker-Überprüfung beim Gesundheitsamt vorstellen. Für eine Anmeldung zur Heilpraktiker-Überprüfung müssen nur vier Voraussetzungen vorliegen (siehe auch Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz). Der Antragsteller:
1. muss das 25. Lebensjahr vollendet haben.
2. darf nicht vorbestraft sein (polizeiliches Führungszeugnis).
3. muss mindestens eine abgeschlossene Schulausbildung nachweisen (mind. Hauptschule).
4. darf keine schweren Krankheiten oder Süchte haben (ärztliches Gesundheitszeugnis).
 
Die Heilpraktiker-Überprüfung gliedert sich in einen schriftlichen Teil, für den die Fragen zentral bundesweit festgelegt werden. Nach Bestehen des schriftlichen Teils folgt eine ca. einstündige mündliche Prüfung. Nach bestandener Prüfung wird von der zuständigen Behörde die Zulassung als Heilpraktiker erteilt.
 
Ausbildung und Staatsexamen für Ärzte

Um eine Approbation als Arzt zu bekommen muss nach bestandenem Abitur ein sechsjähriges Medizinstudium absolviert werden. Die Inhalte richten sich nach dem nationalen Lernzielkatalog, der staatlich vorgegeben ist. Begleitet wird das Studium durch insgesamt vier jeweils mehrtägige Prüfungen (Physikum, 1. und 2. Staatsexamen), die schriftlich bzw. mündlich erfolgen. Das letzte Studienjahr findet im Rahmen eines "praktischen Jahres" in speziell dafür zugelassenen Krankenhäusern bzw. Praxen statt. Nach bestandenem 2. Staatsexamen erteilt die Approbationsbehörde nach Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses und eines ärztlichen Gesundheitszeugnisses die Approbation als Arzt.
 
Weiterbildung der Heilpraktiker
Der zugelassene Heilpraktiker kann direkt nach seiner Zulassung in einer eigenen Praxis oder auch als Angestellter als Heilpraktiker arbeiten. Er muss keine darüber hinausgehende fachliche Weiterbildung absolvieren.
 
Weiterbildung der Ärzte
Der approbierte Arzt geht nach seinem sechsjährigen Studium zunächst in eine mindestens 5-6-jährige Weiterbildung zum Facharzt. Eine klare Weiterbildungsordnung der Ärztekammern legt fest, was in diesen Jahren gelernt werden muss. Die Ärztekammern legen darüber hinaus auch fest, bei welchen Ärzten mit welchen Voraussetzungen diese Weiterbildungszeiten absolviert werden dürfen. Während dieser Weiterbildungsjahre werden die Ärzte in Weiterbildung immer von einem bzw. mehreren erfahrenen Fachärzten angeleitet und überwacht. Hinzu kommen in einigen Fachgebieten noch fachliche Schulungseinheiten von bis zu 720 Stunden. Abgeschlossen wird die Weiterbildungszeit mit einer mündlichen Prüfung vor einer Fachkommission bei der jeweiligen Ärztekammer.
 
Fortbildung der Heilpraktiker
Heilpraktiker dürfen zwar die Heilkunde ausüben, sind aber nicht verpflichtet, sich regelmäßig fortzubilden. Eine berufsbegleitende Fortbildung ist bei Heilpraktikern freiwillig.
 
Lebenslange Fortbildung der Ärzte
Nach der Weiterbildungszeit sind Fachärzte gesetzlich verpflichtet, sich regelmäßig fortzubilden. Innerhalb von fünf Jahren müssen 250 Fortbildungseinheiten (in der Regel Unterrichtsstunden) absolviert werden. Angerechnet werden nur Fortbildungseinheiten, die eine Landesärztekammer nach strengen Regeln anerkannt hat. Das Zertifikat, dass ein Arzt seiner Fortbildungspflicht nachgekommen ist, wird von der Ärztekammer ausgestellt. Ambulant tätige Ärzte verlieren letztendlich ihre Kassenzulassung, wenn sie ihrer Fortbildungspflicht nicht nachkommen.
 
Die Qualifikationsanforderungen zwischen den beiden Berufsgruppen, die per Gesetz dieselben Rechte aber NICHT Pflichten haben, könnten größer nicht sein. „Wer Heilkunde am Menschen ausübt, bedarf einer fundierten wissenschaftlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung sowie Qualitätssicherung seiner Arbeit.“ sagt Erik Bodendieck.

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