Elektronischer Arztausweis

Der elektronische Arztausweis ist eine personenbezogene Chipkarte im Scheckkarten-Format. Er dient neben seiner klassischen Funktion als Sichtausweis auch als Instrument, das seinem Inhaber die Zugehörigkeit zum Beruf „Arzt“ in der digitalen Welt, insbesondere der Telematikinfrastruktur - attestiert.

Die gesetzlichen Regelungen sehen vor, dass für den Zugriff auf diverse Anwendungen der Telematikinfrastruktur und Daten der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ein elektronsischer Heilberufsausweis notwendig ist, da so sichergestellt wird, dass nur Berechtigte Zugriff auf die sensiblen Daten erhalten. Je nach Anwendung sind dies Ärzte, Apotheker oder auch Notfallsanitäter / Rettungsassistenten. Daher müssen diese Berechtigten mit einem entsprechenden elektronischen Ausweis ausgestattet sein. Im Vergleich zu allen anderen elektronischen Heilberufsausweisen (z. B. für Apotheker, Rettungsassistenten) verfügt der elektronische Arztausweis über die umfassendsten Zugriffsrechte.

Funktionen

Der elektronische Arztausweis (eArztausweis) besitzt fünf Grundfunktionen:

  1. Sichtausweis: Wie sein klassischer Vorgänger – der Arztausweis aus Papier – dient er zusammen mit dem amtlichen Lichtbildausweis als Sichtausweis, bspw. um in einer Apotheke verschreibungspflichtige Medikamente zu erwerben.
  2. Signatur: Der Inhaber kann mit dem eArztausweis eine elektronische Unterschrift (Qualifizierte elektronische Signatur – QES) erstellen. Diese elektronische Signatur ist der eigenhändigen Unterschrift rechtlich gleichgestellt. Mit ihr können Arztbriefe, Abrechnungsunterlagen für die Kassenärztliche Vereinigung, Notfalldaten auf der elektronischen Gesundheitskarte, elektronische Rezepte oder elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen rechtssicher und medienbruchfrei elektronisch unterschrieben werden. Die elektronische Signatur wird mittels der Eingabe einer selbst vergebenen, mindestens 6-stelligen PIN ausgelöst. Mittels der sog. Stapelsignatur können mit einer PIN-Eingabe auch mehrere Signaturen ausgelöst werden. Bei der sogenannten Komfortsignatur muss nur einmal die PIN-Eingabe erfolgen und anschließend können durch ein sogenanntes auslösendes Merkmal (z. B. Doppel-Klick am Praxisverwaltungssystem) weitere Signaturen ausgelöst werden.
  3. Authentifizierung: Mit dem eArztausweis ist es möglich, sich in der elektronischen Welt mit seiner virtuellen Identität und in der Eigenschaft „Arzt“ sicher auszuweisen, z. B. an Portalen von Kammern oder Arztnetzen oder in der Telematikinfrastruktur. Unsichere Anmeldeverfahren können ersetzt und auf ein höheres Sicherheitsniveau angehoben werden. Diese Funktionalität ist der Kern für den späteren Zugriff auf die elektronischen Patientenakten von Versicherten.
  4. Vertraulichkeit: Der eArztausweis ist in der Lage, medizinische Daten sicher zu ver- und entschlüsseln. Damit steigt das Datenschutz- und Sicherheitsniveau bei der Übertragung personenbezogener medizinischer Daten oder bei vertraulichen Informationen deutlich.
  5. eGK-Zugriff: Mit dem eArztausweis kann auf medizinische Daten zugegriffen werden, die auf der eGK des Patienten abgespeichert sind wie bspw. „Notfalldaten“ und „elektronischer Medikationsplan“.

Einsatzgebiete

Der elektronische Arztausweis wird zunehmend integraler Bestandteil der ärztlichen Berufsausübung sein. Praxisverwaltungssysteme bieten schon länger die Möglichkeit, die quartalsweisen Sammelabrechnungen ausgewählter Kassenärztlichen Vereinigungen oder auch der Privatärztlichen Verrechnungsstellen zu signieren.

Hinweis

Verpflichtend benötigen Sie den eArztausweis ab 01.01.2021 zur rechtssicheren qualifizierten elektronischen Signatur (QES) von elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (eAU).

Gemäß einer Übergangsregelung - in die allerdings derzeit der GKV-Spitzenverband noch einwilligen muss - kann vor dem 01.01.2022 bei fehlender Verfügbarkeit des eHBA mit der SMC-B-Karte (Praxisausweis) signiert werden.

Zudem benötigen Sie den eArztausweis zur rechtssicheren qualifizierten elektronischen Signatur (QES) von

Darüber hinaus stehen weitere digitale Anwendungen in der vertragsärztlichen Versorgung kurz vor ihrer flächenweiten Einführung.

Notfalldaten der eGK (Notfalldatenmanagement)

Zugriff auf die Daten der eGK des Patienten, Signatur des Notfalldatensatzes

Elektronischer Medikationsplan der eGK

Zugriff auf die Daten der eGK des Patienten

ePatientenakte unter Verfügungsgewalt des Patienten

In einer späteren Realisierungsstufe:

Authentifikation und Verschlüsselung; Signatur von Dokumenten

Ab 01.01.2021 startet die elektronische Patientenakte. In der ersten Realisierungsstufe wird der Praxisausweis zum Zugriff genutzt. Zukünftig wird aber auch hier der eArztausweis zur Authentifizierung und Verschlüsselung zum Einsatz kommen.

Hinweis

  • Für die Erstellung der Signatur des Notfalldatensatzes benötigen sie zwingend einen eArztausweis.
  • Für den Zugriff auf den elektronischen Medikationsplan und den Notfalldatensatz auf der eGK des Patienten reicht aus technischer Sicht der Praxisausweis.
  • In der ersten Realisierungsstufe der elektronischen Patientenakte wird ausschließlich der Praxisausweis zum Zugriff genutzt.

aber: Der Gesetzgeber schreibt vor, dass Praxisausweise nur an Leistungserbringerinstitutionen ausgegeben werden, denen ein Inhaber eines elektronischen Heilberufs- oder Berufsausweises zugeordnet ist. Zur Nutzung der medizinischen Anwendungen benötigen sie also zwingend einen eArztausweis.

Auch jenseits des Gesundheitswesens bieten sich weitere Einsatzmöglichkeiten an. Der elektronische Arztausweis ist mit seiner qualifizierten elektronischen Signatur nutzbar, um beliebige rechtsgültige Verträge zu kontrahieren.