Statistik 2017 „Arbeitsmedizinische Fachkunde“

Stand: 31.12.2017

Tabellen und Diagramme 2017 [PDF]

Aktuell haben 12.545 Ärztinnen und Ärzte eine arbeitsmedizinische Fachkunde. Damit ist deren Anzahl gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Prozent moderat gestiegen. Die Tabelle 1 und die Abbildung 1 führen Ärztinnen und Ärzte mit arbeitsmedizinischer Fachkunde, gegliedert nach Landesärztekammern, auf (s. Anlage 1 und 2).

Der Anteil der 5.645 Ärztinnen mit arbeitsmedizinischer Fachkunde gegenüber der Gesamtzahl an Ärztinnen  und  Ärzten  mit  arbeitsmedizinischer  Fachkunde liegt bei 45 Prozent und hat sich damit um 0,5 Prozent erhöht. Ebenso ist insgesamt die Anzahl der Ärztinnen mit arbeitsmedizinischer Fachkunde gegenüber dem Vorjahr moderat um 1,7 Prozent angestiegen (s. Anlage 1 bis 4).

Die Analyse nach Altersgruppen (s. Tabelle 2) zeigt, dass 6.231 Ärztinnen und Ärzte mit arbeitsmedizinischer Fachkunde bereits 65 Jahre alt und älter sind (49,7 Prozent). Diese Zahl ist gegenüber dem Vorjahr um 3,3 Prozent angestiegen. Von diesen Ärztinnen und Ärzte sind viele zwar noch betriebsärztlich tätig, jedoch ist abzusehen, dass sie mittelfristig dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Der Anteil der Altersgruppe bis 44 Jahre ist, mit 820 Ärztinnen und Ärzten mit arbeitsmedizinischer Fachkunde, deutlich um 7,3 Prozent angestiegen (s. Anlage 3 und 4).

Die Abbildung 3 stellt die Entwicklung der Zahl der Ärztinnen und Ärzte mit arbeitsmedizinischer Fachkunde gemäß §§ 3 und 6 UVV „Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit“ (DGUV V2) im Zeitverlauf von 2002 bis 2017 dar (s. Anlage 5).

Gegliedert nach Landesärztekammer-Bereichen sowie zusammengefasst auf Bundesebene erfolgt die Angabe der Zahl der Ärztinnen und Ärzte mit den nach §§ 3 und 6 DGUV V2 in der Fassung vom 01.01.2011 möglichen betriebsärztlichen Qualifikationen.

Ausgewiesen wird somit nicht nur die Zahl der  Ärztinnen und Ärzte, welche die Gebietsbezeichnung „Arbeitsmedizin“ oder die Zusatzbezeichnung „Betriebsmedizin“ zu führen berechtigt sind (§ 3 Nr. 1 und Nr. 2 DGUV V2), sondern auch die Zahl derjenigen Ärztinnen und Ärzte, die nach Erfüllung der Voraussetzungen die Übergangsregelungen des § 6 Abs. 1 Nr. 1 und 2a) sowie Nr. 1 und 2b) DGUV V2 weiterhin über die arbeitsmedizinische Fachkunde verfügen. Die Zahl dieser Ärztinnen und Ärzte nimmt, entsprechend der Konstruktion dieser Vorschriften als Übergangsregelungen, seit 1988 ständig ab.

Bewertung: Die Ergebnisse der Statistik im Erhebungszeitraum 2017 zeigen einen moderaten Anstieg der Anzahl an Ärztinnen und Ärzte mit arbeitsmedizinischer Fachkunde. Es zeigt sich, dass viele das Pensionsalter erreicht haben. Aber der Nachwuchs stellt sich ein. Mit 820 Ärztinnen und Ärzte mit arbeitsmedizinischer Fachkunde in der Altersgruppe bis 44 Jahren zeigt sich ein deutlicher Anstieg um 7,3 Prozent. Eine weitere Verbesserung der Situation zeigt sich ebenso deutlich im Weiterbildungsbereich. Die Weiterbildungsakademien berichten, dass die Weiterbildungskurse seit einigen Jahren ausgebucht sind. Dies hat die Ärztekammer Hamburg und die Landesärztekammer Schleswig-Holstein bewogen, eine weitere Weiterbildungsakademie im Norden Deutschlands einzurichten. Diese Akademie hat ihre Arbeit im Februar 2018 aufgenommen.

Seit Jahren wird gefordert, dass die Arbeitsmedizin für den Nachwuchs attraktiver gemacht werden muss, insbesondere müssen die Arbeitsbedingungen verbessert  werden.  Hierzu wurde am 14.01.2013 eine Konferenz zur Sicherung des arbeitsmedizinischen Nachwuchses vom Ausschuss für Arbeitsmedizin beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales veranstaltet.  Dabei  wurde  deutlich, dass das präventivmedizinisch  ausgerichtete  Fach „Arbeitsmedizin“ und die Zusatz-Weiterbildung „Betriebsmedizin“ einen wichtigen Platz in der Arbeitswelt einnehmen und weiter einnehmen müssen. Aus dieser Konferenz entstand eine konzertierte Aktion zur Nachwuchssicherung in der Arbeitsmedizin aller am Arbeitsschutz beteiligter Institutionen, dem „Aktionsbündnis Arbeitsmedizin“.

Auch die Bundesärztekammer hat ihren Beitrag zur Nachwuchssicherung geleistet. Die Modalitäten  der  früheren  Weiterbildungsgänge  zur  Erlangung  der Gebietsbezeichnung „Arbeitsmedizin“ und zur Zusatz-Weiterbildung „Betriebsmedizin“ haben sich als nicht mehr zeitgemäß erwiesen und stellten einen „Flaschenhals“ dar. So konnten diese Qualifikationen nur von denjenigen erlangt werden, die eine klinische Weiterbildung in der „Inneren Medizin“ vorwiesen.

Die (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO), beschlossen vom 120. und 121. Deutschen Ärztetag 2017 bzw. 2018, besagt nunmehr, dass für die Weiterbildung in der Arbeitsmedizin und in der Betriebsmedizin die klinischen Zeiten „in allen Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung“ vorgesehen werden können. Dies bedeutet, dass Weiterbildungszeiten über die „Innere Medizin“ hinaus, beispielsweise in der Psychiatrie, Anästhesie, Chirurgie, Dermatologie von den Landesärztekammern anerkannt werden, wenn sie die MWBO der Bundesärztekammer in geltendes Recht im Rahmen der Kammer- und Heilberufegesetze der Bundesländer überführt haben.

Ferner ist die Zusatz-Weiterbildung  „Betriebsmedizin“ so  konzipiert, dass sie  auch berufsbegleitend mit 1.200 Stunden unter Supervision eines Befugten erlangt werden kann. Auf diesem Wege ist beispielsweise für Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner im ländlichen Raum eine Möglichkeit geschaffen worden, neben der Arbeit in der Arztpraxis, flexibel auch die Zusatz-Weiterbildung „Betriebsmedizin“ zu absolvieren.

Sehr hilfreich wird es sein, wenn im letzten Schritt die Landesärztekammern, als Körperschaften öffentlichen Rechts, so schnell wie möglich die Weiterbildung zur Gebietsbezeichnung „Arbeitsmedizin“ und die Zusatz-Weiterbildung „Betriebsmedizin“ durch Novellierung der Kammer- und Heilberufegesetze der  Bundesländer  in geltendes Recht überführen würden.