Bundesärztekammer / 2019-09-19T14:21:37+02:00 https://www.bundesaerztekammer.denews-2246.atom Berlin: Klimaschutz ist Gesundheitsschutz – Ärztekammer Berlin handelt! 2019-09-19T14:08:11+02:00 2019-09-19T14:05:40+02:00 Berlin - „Klimaschutz ist Gesundheitsschutz – Die Ärztekammer Berlin handelt!“ – Unter diesem Titel hat die Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin in ihrer gestrigen Sitzung einstimmig eine erste Resolution zum Klimaschutz beschlossen. Darin bekennt sich die Ärztekammer Berlin zu ihrer Verantwortung, einen Beitrag zur Reduzierung des von Menschen gemachten Klimawandels leisten zu ...

Berlin - „Klimaschutz ist Gesundheitsschutz – Die Ärztekammer Berlin handelt!“ – Unter diesem Titel hat die Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin in ihrer gestrigen Sitzung einstimmig eine erste Resolution zum Klimaschutz beschlossen. Darin bekennt sich die Ärztekammer Berlin zu ihrer Verantwortung, einen Beitrag zur Reduzierung des von Menschen gemachten Klimawandels leisten zu müssen. Denn der Klimawandel ist DIE zentrale Gesundheitsfrage des 21. Jahrhunderts. Der Gesundheitssektor nimmt dabei aufgrund seiner Größe eine bedeutende Rolle ein. 

Bereits 2006 hat die Ärztekammer Berlin bei ihrem Versorgungswerk, der Berliner Ärzteversorgung, als erstem institutionellem Geldanleger in Deutschland das Ziel der „Nachhaltigkeit“ zur Überwachung von Geldanlagen eingeführt. Für den Ausstieg aus Geldanlagen in fossile Brennstoffe wurde die Berliner Ärzteversorgung 2017 von Fossil Free Berlin als „Klimafinanz-Vorreiter“ ausgezeichnet. 

Doch auch die Ärztekammer Berlin selbst will kurzfristig Maßnahmen ergreifen, die eigene Arbeit klimafreundlicher zu gestalten. Dazu gehört die zukünftige Organisation einer papierlosen Gremienarbeit. Außerdem soll der aktuelle Energieverbrauch der Kammer analysiert und optimiert werden. Die zukünftige alleinige Nutzung von erneuerbaren Energien ist aus Sicht der Delegierten ebenso unausweichlich wie die verstärkte Nutzung von klimafreundlichen Verkehrsmitteln. 

Gleichzeitig setzen sich die Delegierten für eine Ausweitung von Klimaschutzmaßnahmen in Berliner Kliniken und Praxen ein. Ziel müssen klimaneutrale medizinische Einrichtungen des Gesundheitswesens sein. Die Ärztekammer Berlin bietet bereits jetzt Veranstaltungen zum Klimaschutz an – die nächste am 13. November 2019.

Daher wünschen sich die Delegierten auch eine starke und kreative Unterstützung aller im Berliner Gesundheitswesen Beschäftigten am morgigen weltweiten Klimaaktionstag. Denn der Klimawandel ist kein theoretischer Prozess, sondern ein ganz handfestes, dringliches und wissenschaftlich erwiesenes Problem der Gegenwart. Die Zeit für Lösungen und zum Handeln ist gekommen.

Interessierte Ärztinnen und Ärzte können sich für den Klimaschutz engagieren, indem sie die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) unterstützen. Über 1.500 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner haben sich bereits gefunden.

Weitere Informationen: healthforfuture.de 

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https://www.bundesaerztekammer.denews-2245.atom Niedersachsen: „Patientenzimmer in den Krankenhäusern klimatisieren“ 2019-09-19T12:01:29+02:00 2019-09-19T11:59:26+02:00 Hannover - Seit der Jahrtausendwende haben Deutschland bereits sechs extreme Hitzewellen heimgesucht. Auch künftig sind in Folge des Klimawandels weiterhin extreme Wetterereignisse zu erwarten. Darauf müsse sich das Gesundheitssystem jetzt einstellen, fordert Dr. med. Martina Wenker, ...

Hannover - Seit der Jahrtausendwende haben Deutschland bereits sechs extreme Hitzewellen heimgesucht. Auch künftig sind in Folge des Klimawandels weiterhin extreme Wetterereignisse zu erwarten. Darauf müsse sich das Gesundheitssystem jetzt einstellen, fordert Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen. „Es gilt, Maßnahmen zu entwickeln, die über allgemeine Ratschläge wie ,viel trinken‘ und ‚im Schatten aufhalten‘ weit hinausgehen“, empfiehlt die Lungenfachärztin und Umweltmedizinerin anlässlich des für den 20. September ausgerufenen Klimastreiks, der mit der nächsten Zusammenkunft des deutschen Klimakabinetts zusammenfällt. 

„Wir müssen unser Gesundheitswesen für solche Hitzeperioden rüsten“, sagt Wenker und schlägt vor, die Patientenzimmer in Krankenhäusern durchweg zu klimatisieren. Denn eine Untersuchung von Forschern um Dr. med. Seven Johannes Sam Aghdassi von der Berliner Charité über den Einfluss von Klimafaktoren auf die Infektionsraten von Wunden habe etwa gezeigt, dass Entzündungen nach Operationen vermehrt in Monaten aufträten, in denen die Temperaturen im Durchschnitt mehr als 20 Grad Celsius erreicht hätten. „Daher rege ich auch an, elektive Operationen in kühlere Jahreszeiten zu verlegen“, drängt Wenker.

Eine weitere wichtige Maßnahme sind dem Klima angepasste Arzneimitteltherapien, um besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen besser zu schützen: „Chronisch kranke Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes oder Herz- und Lungenkrankheiten sind besonders gefährdet“, warnt die Ärztekammerpräsidentin. Besonders wichtig sei daher bei heißen Temperaturen die Regulierung der Medikamente, die sich negativ auf die Anpassungsmechanismen des Körpers an die Hitze auswirkten.

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https://www.bundesaerztekammer.denews-2243.atom Reinhardt: „Klimaschutz ist immer auch Gesundheitsschutz" 2019-09-19T10:26:14+02:00 2019-09-19T10:24:18+02:00

Berlin – „Gesundheit und Wohlergehen der Menschen hängen ganz wesentlich vom Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ab. Klimaschutz ist deshalb immer auch Gesundheitsschutz. Es ist unsere ärztliche Pflicht, auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen und uns für die Einhaltung der Pariser Klimaschutzziele einzusetzen.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt vor dem weltweiten Klima-Aktionstag am 20. September 2019 in Berlin.

Reinhardt kündigte an, dass sich der nächste Deutsche Ärztetag im Mai 2020 intensiv mit den gesundheitlichen Auswirkungen der Erderwärmung auf die Gesundheit befassen wird. „Wir wollen gemeinsam mit ausgewiesenen Experten sowohl die direkten Folgen des Klimawandels auf den menschlichen Körper, als auch die indirekten Folgen für die globale Gesundheit diskutieren. Unser Ziel ist es, dass auch gesundheitliche Aspekte in die Klimapolitik der Bundesregierung mit einfließen.“

Mit den direkten Folgen von Hitzeereignissen beschäftigten sich Wissenschaftler Anfang August in einem Schwerpunktheft des Deutschen Ärzteblattes (Web-Links siehe unten). Dazu zählen eine mögliche Zunahme von Herzinfarkten und Hitzeschlägen sowie ein temperaturbedingter Anstieg der Zahl von Wundinfektionen. Hinzu kommen indirekte gesundheitliche Auswirkungen und Risiken als Folge der Klimaänderungen: Hierzu gehören die Beeinträchtigung der Qualität und Quantität von Trinkwasser und Lebensmitteln, eine längere Leidenszeit für Menschen mit Pollenallergien sowie das vermehrte Auftreten von tierischen Krankheitsüberträgern, wie Zecken oder Stechmücken.

Weitere spürbare Folgen des Klimawandels sind Extremwetterereignisse, Stürme, Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren und Waldbrände. Es ist davon auszugehen, dass sich diese auch auf bereits vorhandene Gesundheitsrisiken wie Armut, Hunger und Unterernährung auswirken.

Reinhardt: „Das Ausmaß klimabedingter Gesundheitsfolgen kann die Leistungsfähigkeit der Gesundheitssysteme weltweit auf Dauer an ihre Belastungsgrenzen bringen. Damit wird der Klimawandel auch zu einer zentralen Gesundheitsfrage des 21. Jahrhunderts.“

Weiterführende Informationen:

  • Deutsches Ärzteblatt: „Zukünftige Häufigkeit temperaturbedingter Herzinfarkte in der Region Augsburg“
    http://daebl.de/GT29
  • Deutsches Ärzteblatt: „Assoziation von Klimafaktoren mit Wundinfektionsraten“
    http://daebl.de/KC27
  • Deutsches Ärzteblatt: „Gesundheitsgefahren und Interventionen bei anstrengungsbedingter Überhitzung“
    http://daebl.de/AH92

 

https://www.bundesaerztekammer.denews-2244.atom Brandenburg: Drittes Staatsexamen 2019-09-19T11:58:39+02:00 2019-09-18T17:55:00+02:00 Potsdam – Auch die Landesärztekammer Brandenburg spricht sich für die Einführung eines Dritten Staatsexamens für Ärzte aus, die außerhalb der EU (sogenannte Drittstaaten) ausgebildet worden sind. „Wir unterstützen ausdrücklich die aktuelle Initiative der sachsen-anhaltinischen Kammerpräsidentin Dr. Simone Heinemann-Meerz“, erklärte ...

Potsdam – Auch die Landesärztekammer Brandenburg spricht sich für die Einführung eines Dritten Staatsexamens für Ärzte aus, die außerhalb der EU (sogenannte Drittstaaten) ausgebildet worden sind. „Wir unterstützen ausdrücklich die aktuelle Initiative der sachsen-anhaltinischen Kammerpräsidentin Dr. Simone Heinemann-Meerz“, erklärte Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz heute in Potsdam. Hierfür hatte sich zudem bereits der Deutsche Ärztetag 2019 in Münster ausgesprochen.


„Auch im Interesse der Kolleginnen und Kollegen, die ihre Ausbildung in Drittstaaten absolviert haben und heute teilweise lange auf ihre Anerkennung warten müssen, brauchen wir eine schnelle und unkomplizierte Lösung“, erklärte der Präsident der Landesärztekammer Brandenburg. Es habe nichts mit Misstrauen zu tun, wenn Ärztinnen und Ärzte aus Drittstaaten die gleichen Kenntnisse und Fähigkeiten nachweisen müssen, die auch bei den Kollegen erwartet und geprüft werden, die in Deutschland Medizin studiert haben.


Schulz verwahrte sich gegen den Vorwurf, eine solche Regelung sei Ausdruck einer Misstrauenskultur oder gar fremdenfeindlich. „Natürlich sind uns alle Ärztinnen und Ärzte sehr herzlich willkommen, die uns dabei unterstützen, die medizinische Versorgung zu sichern“, erklärte der brandenburgische Kammerpräsident. Gleichzeitig gelte aber: „Patientensicherheit ist ein hohes Gut, das nicht verwässert werden darf. Klare und eindeutige Zulassungsregeln schaffen diese Sicherheit – für die Patienten und ihre Ärzte.“

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https://www.bundesaerztekammer.denews-2242.atom Westfalen-Lippe: Klinische Sektionen liefern Gewissheit über Todesursachen 2019-09-18T10:41:20+02:00 2019-09-18T10:39:28+02:00 Münster - Die Ärztekammer Westfalen-Lippe setzt sich für eine größere Zahl von Obduktionen verstorbener Patienten ein. „Obwohl schon vor Jahren sogar per Gesetz die große Bedeutung von Obduktionen festgestellt und eine Steigerung der Zahlen angestrebt wird, ist seither wenig passiert“, kritisiert Ärztekammerpräsident ...

Münster - Die Ärztekammer Westfalen-Lippe setzt sich für eine größere Zahl von Obduktionen verstorbener Patienten ein. „Obwohl schon vor Jahren sogar per Gesetz die große Bedeutung von Obduktionen festgestellt und eine Steigerung der Zahlen angestrebt wird, ist seither wenig passiert“, kritisiert Ärztekammerpräsident Dr. Theodor Windhorst anlässlich des gestrigen Welttages der Patientensicherheit. Offenbar sei es eine Frage der Finanzierung, dass klinische Sektionen nach dem Tod eines Menschen so selten realisiert werden: Nur rund vier Prozent der Verstorbenen wurden Studien zufolge im Jahr 2014 obduziert.

Die letzte Untersuchung nach dem Tod eines Menschen soll Aufschluss darüber geben, warum er verstorben ist. „Obduktionen sind ein wichtiges Instrument der Qualitätssicherung in der Medizin. Sie zeigen Todesursachen und können gegebenenfalls auch Nebenwirkungen von Therapien offenbaren“, erläutert Dr. Windhorst. Doch auch die Angehörigen der Verstorbenen profitierten von klinischen Sektionen: „Viele Angehörige haben ein großes Interesse zu erfahren, was zum Tod eines Menschen geführt hat. Sie möchten in einer Situation großen Abschiedsschmerzes zumindest in diesem Punkt Gewissheit.“

„Eine Obduktion ermöglicht einen abschließenden Blick auf zuvor gestellte Diagnosen und den Erfolg der unternommenen Therapien“, unterstreicht Dr. Windhorst, dass Obduktionen wertvolle Erkenntnisse liefern, aus den Ärztinnen und Ärzte kontinuierlich lernen können – „ein wichtiger Beitrag zur Patientensicherheit, der künftigen Patientinnen und Patienten zugutekommt“.

Das hätten im Übrigen auch die Spitzenverbände von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft grundsätzlich anerkannt, die bereits 2017 – wie im Krankenhausfinanzierungsgesetz vorgeschrieben – eine Vereinbarung über eine Erhöhung der Obduktionszahlen geschlossen hätten. Demnach hätten in diesem Jahr 12,5 Prozent aller Verstorbenen, die bestimmte Voraussetzungen erfüllten, obduziert werden sollen. „Es ist an der Zeit, dass sich Kostenträger und Krankenhäuser einigen, wie eine höhere Zahl von Obduktionen angemessen finanziert werden kann, damit ausreichend Kapazitäten für diese Aufgabe zur Verfügung stehen."

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https://www.bundesaerztekammer.denews-2241.atom Hessen: "Vermutliches Patientendatenleck ist eine Katastrophe" 2019-09-17T15:53:20+02:00 2019-09-17T15:51:08+02:00 Frankfurt - Als Skandal bezeichnet Monika Buchalik, Vizepräsidentin der Landesärztekammer Hessen, das heute – „bittererweise am Tag der Patientensicherheit“ – publik gewordene, vermutliche Patientendatenleck. So sollen nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks und der US-Investigativplattform ProPublica hochsensible ...

Frankfurt - Als Skandal bezeichnet Monika Buchalik, Vizepräsidentin der Landesärztekammer Hessen, das heute – „bittererweise am Tag der Patientensicherheit“ – publik gewordene, vermutliche Patientendatenleck. So sollen nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks und der US-Investigativplattform ProPublica hochsensible medizinische Daten, unter anderem von Patienten aus Deutschland und den USA auf ungesicherten Servern gelandet sein: Wirbelsäulenaufnahmen, Röntgenbilder oder Brustkrebsscreenings: Datensätze mit personenbezogenen Angaben, die jedem zugänglich gewesen sein sollen.

„Auch in Deutschland sollen Tausende von Patienten von dem Datenleck betroffen sein“; empört sich Buchalik. Und dies, obwohl die deutsche Ärzteschaft angesichts fortschreitender Digitalisierung im Gesundheitswesen seit Jahren die Sicherheit von Patientendaten anmahne. „Auch die Landesärztekammer Hessen hat immer  wieder gefordert, Datensicherheit vor blinden Digitalisierungswahn zu stellen“, so Buchalik weiter. „Eine Forderung, die uns seitens der Politik und der Krankenkassen wiederholt den Vorwurf eingebracht hat, den digitalen Fortschritt verhindern zu wollen. Völlig zu Unrecht: Die Digitalisierung im Gesundheitswesen sollte jedoch nur dann vorangetrieben werden, wenn sie die Versorgung der Patienten unterstützt und dieser nicht schadet. Das vermutliche Datenleck ist eine Katastrophe, da es das Vertrauen in den Umgang mit hochsensiblen Patientendaten erschüttert. Zugleich macht es deutlich, dass veraltete digitale Sicherungssysteme  schleunigst abgelöst werden müssen bzw. vorhandene, gute digitale Sicherungssysteme auch richtig eingesetzt werden müssen, um die Datensicherheit zu gewährleisten." Buchalik fordert die Krankenkassen außerdem auf, auch die Kosten für die Sicherungssysteme zu übernehmen, die in Praxen und Kliniken durch die IT-Anbindung entstehen.

Dr. med. Edgar Pinkowski, Präsident der Landesärztekammer Hessen und Vorsitzender des Ausschusses "Patientensicherheit" bei der Bundesärztekammer, betont, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens und die damit einhergehende Frage der Datensicherheit und des Datenschutzes in der kommenden Dekade eine zentrale Frage der Patientensicherheit  sein wird.

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https://www.bundesaerztekammer.denews-2240.atom Reinhardt: „Intelligente digitale Anwendungen können Ärzte unterstützen“ 2019-09-17T12:45:59+02:00 2019-09-17T12:36:31+02:00

Berlin - Die Digitalisierung im Gesundheitswesen verändert die künftige Rolle des Arztes in der Patientenversorgung. Davon ist der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK),Dr. Klaus Reinhardt, überzeugt. Die Digitalisierung werde den Arzt aber nicht überflüssig machen. „Vorstellbar sind technologische Prozesse, die den Arzt in seinem Tun unterstützen“, sagte er in einem gemeinsamen Interview mit dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Gassen, im Deutschen Ärzteblatt (Heft 37/2019). Intelligente digitale Anwendungen könnten Ärztinnen und Ärzte bei der Bewältigung von Bürokratie entlasten. „Die Möglichkeiten reichen aber bis hin zur künstlichen Intelligenz, also algorithmischen Prozessen, die mithilfe von komplexen Datenanalysen Hilfe bei der Diagnose geben können“, so Reinhardt.

Der BÄK-Präsident verwies auch auf das sich ändernde Arzt-Patienten-Verhältnis. Die Fragenstellungen der Patienten würden konkreter und durch größeres Vorwissen zum Beispiel aus eigenen Internetrecherchen geprägt. Das erlebe man bereits jetzt. „Dem müssen wir uns mit unserem ärztlichen Erfahrungsschatz und wissenschaftlichen Sachverstand stellen.“

Der Bundesärztekammer-Präsident forderte eine Digitalisierungsstrategie, die ethische Grundlagen für den Umgang mit neuen digitalen Methoden schafft. „Es darf zum Beispiel nicht so weit kommen, dass der Algorithmus, also die Maschine, über die Therapie entscheidet. Das wäre nicht nur ethisch bedenklich, sondern auch medizinisch fahrlässig.“

Gefragt nach den Plänen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zur Reform der Notfallversorgung in Deutschland, warnte der BÄK-Präsident vor einer Aufsplittung des Sicherstellungsauftrages. Eckpunkte des BMG sehen vor, dass der Sicherstellungsauftrag für die Notfallversorgung von den Kassenärztlichen Vereinigungen auf die Länder übergehen soll. „Bei dem Splitting hat doch jemand nicht zu Ende gedacht. Wenn ich ein Integriertes Notfallzentrum möchte, warum integriere ich dann an der einen Stelle und desintegriere an der anderen, wenn es um den Sicherstellungsauftrag geht.“ Komme es zu einem Splitting des Sicherstellungsauftrages, verschlechtere das die medizinische Versorgung.

Ein weiterer Kritikpunkt des BÄK-Präsidenten ist die zunehmende Einflussnahme des Staates auf Entscheidungen der ärztlichen Selbstverwaltung. Oft werde übersehen, dass die Selbstverwaltung bei ihren Entscheidungen immer auf Interessenausgleich setzen müsse. „Das ist natürlich langwierig, auf der anderen Seite sind die gefundenen Entscheidungen dann aber auch belastbar. Die Selbstverwaltung steht für eine patientenorientierte Gesundheitsversorgung. Sie ist ein wichtiges Korrektiv gegen ungezügelten Wettbewerb und Profitstreben in der Patientenversorgung“, sagte Reinhardt.

https://www.bundesaerztekammer.denews-2239.atom Niedersachsen: „Patientensicherheit hat für die niedersächsische Ärzteschaft höchste Priorität" 2019-09-16T12:46:30+02:00 2019-09-16T12:42:37+02:00 Hannover - Die niedersächsische Ärztekammer hat schon vor Jahren den Wert einer Sicherheitskultur erkannt und organisiert regelmäßig Fortbildungen und Veranstaltungen. Tagtäglich setzt das Gesundheitssystem weltweit Tausende Patienten einem Schadensrisiko aus oder schädigt sie unbeabsichtigt. ...

Hannover - Die niedersächsische Ärztekammer hat schon vor Jahren den Wert einer Sicherheitskultur erkannt und organisiert regelmäßig Fortbildungen und Veranstaltungen. Tagtäglich setzt das Gesundheitssystem weltweit Tausende Patienten einem Schadensrisiko aus oder schädigt sie unbeabsichtigt. Der von der Weltgesundheitsversammlung neu eingeführte Welttag der Patientensicherheit soll mit Veranstaltungen auf die globale Bedeutung des Themas aufmerksam machen. 

Für das Etablieren einer Sicherheitskultur und das systematische Lernen aus Fehlern ist der offene, sanktionsfreie Umgang mit Vorfällen die Voraussetzung. Das Motto des ersten Weltpatientensicherheitstags lautet deshalb „Speak up for patient safety“. Für dieses Motto engagiert sich auch die niedersächsische Ärzteschaft mit großer Motivation und persönlichem Engagement. Die Medizinische Hochschule Hannover hat jetzt zum Beispiel 200 Patientensicherheitsbeauftragte ernannt, andere Kliniken veranstalten einen Tag der offenen Tür, klären ihre Patienten an Infoständen zu patientensicherheitsrelevanten Themen auf oder bieten Mitarbeiterschulungen an.

Die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) hat die Tragweite des Themas Patientensicherheit schon vor rund 15 Jahren erkannt und regelmäßig tagende Gremien eingerichtet. Dieser Einsatz hat Ende 2013 außerdem dazu geführt, dass die ÄKN als erste Länderärztekammer einen Fachbereich Patientensicherheit im Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen (ZQ) etablierte. Das Ergebnis sind regelmäßige Veranstaltungen der ÄKN rund um die Patientensicherheit.

„Es ist uns ein Anliegen, aus der Ärzteschaft heraus Instrumente zu entwickeln, die eine alle Versorgungsbereiche durchdringende Sicherheitskultur und eine positive Fehlerkultur unterstützen“, sagt Wenker. „Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit den niedersächsischen Ärztinnen und Ärzten die Patientensicherheit weiterzuentwickeln.“

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https://www.bundesaerztekammer.denews-2238.atom Berlin: Ehrung für selbstauferlegte Verpflichtung 2019-09-16T12:33:31+02:00 2019-09-16T12:28:29+02:00 Berlin - „Mit ihrem Engagement hat sie das Thema ‚Organspende‘ lange vor der Politik ‚angefasst‘ und sich mit aller Kraft für dessen Wahrnehmung in der Öffentlichkeit stark gemacht“, so Kammerpräsident Dr. med. Günther Jonitz am vergangenen Freitag zur Verleihung der Georg-Klemperer-Medaille ...

Berlin - „Mit ihrem Engagement hat sie das Thema ‚Organspende‘ lange vor der Politik ‚angefasst‘ und sich mit aller Kraft für dessen Wahrnehmung in der Öffentlichkeit stark gemacht“, so Kammerpräsident Dr. med. Günther Jonitz am vergangenen Freitag zur Verleihung der Georg-Klemperer-Medaille an die ehemalige Vorstandsvorsitzende des Forums Organtransplantation e. V., Gudrun Ziegler. Der zweite Preisträger der 13. Verleihung der höchsten Auszeichnung der Ärztekammer Berlin, Professor Dr. med. Harald Mau, wurde für sein Lebenswerk als herausragender Arzt, Dekan, Lehrer und Standespolitiker gewürdigt. „Standespolitik ist kein Spaß, sondern eine selbstauferlegte Verpflichtung“, zitierte Vizepräsidentin Dr. med. Regine Held den Preisträger in ihrer Laudatio. Diese Verpflichtung habe sich Harald Mau bereits in den sogenannten Wendejahren auferlegt und in den vergangenen 30 Jahren in herausragender Weise erfüllt.

Mit der Wahl der diesjährigen Preisträger der Georg-Klemperer-Medaille hat sich der Vorstand der Ärztekammer Berlin für zwei besondere Persönlichkeiten entschieden. Beide haben stets Verantwortung übernommen und sich im Sinne der Auszeichnung für die Belange der Patienten sowie für das Ansehen der Ärzteschaft verdient gemacht.

Zur festlichen Preisverleihung im Rahmen des Kammertages begrüßten der Vorstand und der Geschäftsführer der Ärztekammer Berlin viele ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie zahlreiche Gäste aus dem Gesundheitswesen. Die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, Prof. Dr. med. Claudia Schmidtke, und Martin Matz, Staatssekretär für Gesundheit in der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, hielten Grußworte.

Die Preisträger

Gudrun Ziegler

Gudrun Ziegler arbeitete unter anderem als Bewährungshelferin für suchtkranke Straftäter und infizierte sich 1974 bei einem Dienstunfall mit einer seltenen, damals noch unbekannten Form von „Hepatitis“. Entgegen der Prognose ihres behandelnden Oberarztes schaffte sie es, die Krankheit mithilfe von Cortison in Schach zu halten. Aber 2002 steht fest, dass sie eine neue Leber braucht. Sie wird auf die Warteliste für eine Organtransplantation gesetzt. Auf der Suche nach Informationen stellt Gudrun Ziegler jedoch fest, dass das Thema „Organspende“ nur wenig Aufmerksamkeit und Unterstützung findet. Sie selbst hat Glück: 2003 erhält sie am Berliner Virchow-Klinikum ein neues Organ.

Die Zeit des Wartens war für Gudrun Ziegler die schlimmste Erfahrung ihres Lebens. Deshalb will sie nach ihrer Operation auf die Themen Organmangel, Organspende und Transplantation aufmerksam machen und gründet 2007 gemeinsam mit anderen Patienten das Forum Organtransplantation Berlin e. V. Bis 2018 sucht Gudrun Ziegler als Vorstandsvorsitzende den Dialog mit der Öffentlichkeit, hält Vorträge und gibt Interviews. Neben den Medien sind Schüler ihre Zielgruppe, denn für Ziegler ist das Thema Organspende vor allem eine Chance für die nächste Generation. Gemeinsam mit der Ende 2013 gegründeten AG Organspende, einer Initiative von Medizinstudierenden organisiert sie Workshops für Lehrer und gestaltet fächerübergreifende Unterrichtsstunden an Schulen.

Professor Dr. med. Harald Mau

Professor Harald Mau wirkte 35 Jahre an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er leitete unter anderem die Kinderchirurgische Klinik und machte sich als Spezialist für Neugeborenenchirurgie, Kinderurologie und Pfortaderhochdruck einen Namen. Als ihr Dekan (1990 bis 1995) schaffte er es mit Standhaftigkeit und seiner ihm ganz eigenen Diplomatie, die Abwicklung der Klinik abzuwenden und diese durch einen Prozess der Erneuerung – der nicht selten auch mit unpopulären Entscheidungen einherging – in die neue Zeit zu überführen. Vizepräsidentin Regine Held konstatierte in ihrer Laudatio: „Professor Harald Mau steht wie nur wenige unseres Berufsstandes für ärztliche Haltung. Er konzentrierte sich stets auf das Wohl seiner Patienten und hat zudem Verantwortung übernommen für das medizinische Team, für seine Mitarbeiter und für den medizinischen Nachwuchs.“

Als Standespolitiker hat Harald Mau sich auf unterschiedlichsten Ebenen für die Belange aller Ärztinnen und Ärzte eingesetzt und dabei rund 30 Jahre die Geschicke des NAV-Virchow-Bundes und die der Ärztekammer Berlin – zuletzt als Mitglied des Vorstandes – maßgeblich beeinflusst.

Der Namensgeber

Seit 2007 werden von der Ärztekammer Berlin vorbildliche Ärzte im Sinne Georg Klemperers geehrt. Namensgeber der Auszeichnung ist der Berliner Arzt, Forscher, Herausgeber und Hochschullehrer Professor Dr. Georg Klemperer (1865-1946). Der Sohn eines Rabbiners etablierte im Krankenhaus Moabit eine ebenso menschliche wie wissenschaftlich fundierte Medizin. Dazu holte er eine ganze Reihe innovativ denkender und handelnder Ärzte nach Moabit oder bildete diese selbst aus und stellte den kranken Menschen ins Zentrum ärztlichen Handelns. Unter seiner Leitung wurde das Krankenhaus zu einer Klinik mit überregionalem Ruf. 1935 musste Klemperer vor den Nazis in die USA fliehen.

Die Fotos sind unter Angabe der Quelle „ÄKB/K. Friedrich“ frei verwendbar.

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https://www.bundesaerztekammer.denews-2237.atom Schleswig-Holstein: Hausärzte: Flexibler Einstieg statt Quote 2019-09-16T12:28:18+02:00 2019-09-13T12:26:00+02:00 Bad Segeberg – Die zentrale Rolle der Allgemeinmedizin im Gesundheitswesen ist in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein gestärkt worden. Nun müssen Konzepte erarbeitet werden, die die Bedürfnisse junger Ärztinnen und Ärzte besser berücksichtigen und einen flexiblen Einstieg ...

Bad Segeberg – Die zentrale Rolle der Allgemeinmedizin im Gesundheitswesen ist in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein gestärkt worden. Nun müssen Konzepte erarbeitet werden, die die Bedürfnisse junger Ärztinnen und Ärzte besser berücksichtigen und einen flexiblen Einstieg in die hausärztliche Versorgung in allen Regionen ermöglichen. Die Ärztekammer Schleswig-Holstein hält insbesondere Team- und Delegationsmodelle für sinnvoll. Zwangsmaßnahmen wie etwa die Landarztquote lehnt die Ärztekammer dagegen ab.

Vorbild Allgemeinmedizin – ein Leuchtturmprojekt
"Junge Ärztinnen und Ärzte erwarten, dass sie sich in ihrer Tätigkeit auf die ärztlichen Aufgaben konzentrieren können. Das kann nur gelingen, wenn sie Teamstrukturen vorfinden, die Delegation ermöglichen", sagt der Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, Dr. Henrik Herrmann. Neben diesen beiden Punkten hält er digitale Unterstützung des hausärztlichen Praxisalltags für unerlässlich. Von Arbeitgebern erwartet er, dass Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung positives Feedback erhalten und nicht dauerhaft über der Belastungsgrenze eingesetzt werden.„Die Qualität der universitären Ausbildung der Allgemeinmedizin ist auf einem sehr hohen Niveau. Und durch die gute Zusammenarbeit zwischen Kammer, KV und Landeskrankenhausgesellschaft in Form des Kompetenzzentrums Weiterbildung Allgemeinmedizin (KWA.SH) steigt das Ansehen der Allgemeinmedizin auch außerhalb des universitären Rahmens“, fasst Herrmann den Status Quo der Disziplin zusammen. Das merken die Studierenden sowie Ärztinnen und Ärzte. Herrmann ist sich sicher, durch eine starke Weiterbildung wird die Allgemeinmedizin an Ansehen gewinnen: „In Zukunft wird die Allgemeinmedizin durch Best-Practices und Peer Review-Verfahren anderen Disziplinen ein Vorbild sein.“

Normative Ansätze statt Zwang
Einsatzmöglichkeiten finden Allgemeinmediziner in Schleswig-Holstein reichlich. Neben Einzel- und Gemeinschaftspraxen und Ärztezentren auf dem Land sind auch in den Städten vereinzelt hausärztliche Stellen zu besetzen. Trotz der hohen Nachfrage nach Hausärzten auf dem Land wäre eine Landarztquote, wie sie politisch diskutiert wird, aus Sicht Herrmanns das falsche Signal. "Allgemeinmedizin ist attraktiv - unabhängig von der Region, in der sie ausgeübt wird. Zu dieser Tätigkeit muss niemand verpflichtet werden. Zielführender wäre es, die Regionen, die keinen Hausarzt finden, attraktiver zu machen und die Arbeitsbedingungen vor Ort an die Bedürfnisse der jungen Allgemeinmediziner anzupassen", sagt Herrmann. Er gibt auch zu bedenken, dass die von Politikern diskutierte Landarztquote Studienanfängern diktieren würde, wo sie zwölf Jahre später ihren Beruf ausüben sollen. "Das halte ich für komplett unangemessen. Ich setze auf Hausärzte, die freiwillig und gerne in ihrer Region arbeiten", so Herrmann.

In Schleswig-Holstein hat u.a. die Arbeit der beiden Lehrstühle für Allgemeinmedizin in Kiel und Lübeck, aber auch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass die Allgemeinmedizin unter angehenden Ärztinnen und Ärzten stärker in den Fokus gerückt ist. Einen Überblick über den Wandel in der Allgemeinmedizin, über die aktuelle Situation und die Herausforderungen in der hausärztlichen Versorgung bietet das Schleswig-Holsteinische Ärzteblatt in der aktuellen Ausgabe ab heute.(www.aeksh.de/aerzteblatt/2019/09)

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