8 In Gedenken Zum Tod von Prof. Dr. Karsten Vilmar Mehr als zwei Jahrzehnte lang stand Prof. Dr. Karsten Vilmar an der Spitze der deutschen Ärzteschaft und war anschließend viele Jahre Ehrenpräsident der Bundesärztekammer und des Deutschen Ärztetages. Im Oktober 2024 ist er im Alter von 94 Jahren verstorben. „Wir trauern um einen langjährigen Wegbegleiter, geduldigen Lehrer und verlässlichen Freund. Karsten Vilmar war ein Mann der Beständigkeit, der sich unermüdlich für den Erhalt der ärztlichen Freiberuflichkeit und die Individualität des Patienten-Arzt-Verhältnisses als Grundvoraussetzungen für ein patientengerechtes Gesundheitswesen einsetzte. Mit Weitsicht und unerschütterlicher Beharrlichkeit setzte er schon früh die Themen auf die politische Agenda, die uns bis heute bewegen. Als Mensch, als Arzt und auch als Berufspolitiker hat Karsten Vilmar Großes geleistet.“ Das sagte BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt in einem Nachruf auf den Verstorbenen. Erinnert sei an Vilmars unermüdliche Aufklärung darüber, dass die Altersstruktur der Bevölkerung und die zunehmende Multimorbidität zwangsläufig den Bedarf an ärztlicher und pflegerischer Versorgung und damit auch die Ausgaben für Gesundheitsleistungen erhöhen werden. Auch gesundheitspolitische Grundsatzprogramme der Ärzteschaft, die in dem sogenannten Blauen Papier zusammengefasst sind, gingen maßgeblich auf Professor Vilmar zurück. „Er brachte sich selbst leidenschaftlich in diese programmatischen Ausarbeitungen ein und setzte sich bis ins Detail mit den Problemstellungen und möglichen Lösungsansätzen auseinander. Faktenbasiert, standfest in der Sache, aber auch diplomatisch, so erinnern ihn auch seine Verhandlungspartner. An Vereinbarungen hielt er sich und vertrat sie aus Überzeugung nach außen wie auch innerärztlich“, betonte Reinhardt. Am 24. April 1930 in Bremen geboren, studierte Karsten Vilmar von 1950 bis 1955 Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo er anschließend auch promovierte. Seine Weiterbildung zum Facharzt für Chirurgie absolvierte er in seiner Heimatstadt. Von 1964 bis 1995 war er Leitender Oberarzt der Unfallchirurgischen Klinik der Städtischen Krankenanstalten Sankt-Jürgen-Straße (heute Klinikum Bremen Mitte). Dort begann auch sein berufspolitisches Engagement: Von 1970 bis 1996 übernahm er das Amt des Vorsitzenden des Marburger Bundes (MB) in Bremen. Auf Bundesebene stand Vilmar von 1975 bis 1979 an der Spitze des MB. Präsident der Ärztekammer Bremen war er von 1976 bis 1996 sowie Präsident der BÄK und des Deutschen Ärztetages von 1978 bis 1999. Seine berufspolitischen Aktivitäten setzte Professor Vilmar auch nach dem Präsidentenamt fort. Für die Transplantationsmedizin engagierte er sich im Stiftungsrat der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Als Vorsitzender der Kaiserin-Friedrich-Stiftung engagierte er sich für die ärztliche Fortbildung und als Vorsitzender der Hans-Neuffer-Stiftung für den Erfahrungsaustausch deutscher Ärztinnen und Ärzte mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Ausland. Auf internationaler Ebene trug Professor Vilmar Verantwortung im Exekutivrat der Europäischen Ärzte und im Vorstand des Weltärztebundes. Vehement setzte sich Professor Vilmar für die Interessen aller Ärztinnen und Ärzte in allen Bereichen des Gesundheitswesens ein. Sein außergewöhnliches Engagement für die Ärzteschaft in Deutschland und in der Welt würdigte der 103. Deutsche Ärztetag 2000 in Köln mit der Verleihung der Paracelsus-Medaille. ■ © Georg J. Lopata
RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=