Berlin16.09.2019

Berlin: Ehrung für selbstauferlegte Verpflichtung

Ärztekammer Berlin zeichnet Gudrun Ziegler, ehemalige Vorstandsvorsitzende des Forums Organtransplantation e. V. und Kinderchirurg Prof. Dr. med. Harald Mau mit der Georg-Klemperer-Medaille aus

Berlin - „Mit ihrem Engagement hat sie das Thema ‚Organspende‘ lange vor der Politik ‚angefasst‘ und sich mit aller Kraft für dessen Wahrnehmung in der Öffentlichkeit stark gemacht“, so Kammerpräsident Dr. med. Günther Jonitz am vergangenen Freitag zur Verleihung der Georg-Klemperer-Medaille an die ehemalige Vorstandsvorsitzende des Forums Organtransplantation e. V., Gudrun Ziegler. Der zweite Preisträger der 13. Verleihung der höchsten Auszeichnung der Ärztekammer Berlin, Professor Dr. med. Harald Mau, wurde für sein Lebenswerk als herausragender Arzt, Dekan, Lehrer und Standespolitiker gewürdigt. „Standespolitik ist kein Spaß, sondern eine selbstauferlegte Verpflichtung“, zitierte Vizepräsidentin Dr. med. Regine Held den Preisträger in ihrer Laudatio. Diese Verpflichtung habe sich Harald Mau bereits in den sogenannten Wendejahren auferlegt und in den vergangenen 30 Jahren in herausragender Weise erfüllt.

Mit der Wahl der diesjährigen Preisträger der Georg-Klemperer-Medaille hat sich der Vorstand der Ärztekammer Berlin für zwei besondere Persönlichkeiten entschieden. Beide haben stets Verantwortung übernommen und sich im Sinne der Auszeichnung für die Belange der Patienten sowie für das Ansehen der Ärzteschaft verdient gemacht.

Zur festlichen Preisverleihung im Rahmen des Kammertages begrüßten der Vorstand und der Geschäftsführer der Ärztekammer Berlin viele ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie zahlreiche Gäste aus dem Gesundheitswesen. Die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, Prof. Dr. med. Claudia Schmidtke, und Martin Matz, Staatssekretär für Gesundheit in der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, hielten Grußworte.

Die Preisträger

Gudrun Ziegler

Gudrun Ziegler arbeitete unter anderem als Bewährungshelferin für suchtkranke Straftäter und infizierte sich 1974 bei einem Dienstunfall mit einer seltenen, damals noch unbekannten Form von „Hepatitis“. Entgegen der Prognose ihres behandelnden Oberarztes schaffte sie es, die Krankheit mithilfe von Cortison in Schach zu halten. Aber 2002 steht fest, dass sie eine neue Leber braucht. Sie wird auf die Warteliste für eine Organtransplantation gesetzt. Auf der Suche nach Informationen stellt Gudrun Ziegler jedoch fest, dass das Thema „Organspende“ nur wenig Aufmerksamkeit und Unterstützung findet. Sie selbst hat Glück: 2003 erhält sie am Berliner Virchow-Klinikum ein neues Organ.

Die Zeit des Wartens war für Gudrun Ziegler die schlimmste Erfahrung ihres Lebens. Deshalb will sie nach ihrer Operation auf die Themen Organmangel, Organspende und Transplantation aufmerksam machen und gründet 2007 gemeinsam mit anderen Patienten das Forum Organtransplantation Berlin e. V. Bis 2018 sucht Gudrun Ziegler als Vorstandsvorsitzende den Dialog mit der Öffentlichkeit, hält Vorträge und gibt Interviews. Neben den Medien sind Schüler ihre Zielgruppe, denn für Ziegler ist das Thema Organspende vor allem eine Chance für die nächste Generation. Gemeinsam mit der Ende 2013 gegründeten AG Organspende, einer Initiative von Medizinstudierenden organisiert sie Workshops für Lehrer und gestaltet fächerübergreifende Unterrichtsstunden an Schulen.

Professor Dr. med. Harald Mau

Professor Harald Mau wirkte 35 Jahre an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er leitete unter anderem die Kinderchirurgische Klinik und machte sich als Spezialist für Neugeborenenchirurgie, Kinderurologie und Pfortaderhochdruck einen Namen. Als ihr Dekan (1990 bis 1995) schaffte er es mit Standhaftigkeit und seiner ihm ganz eigenen Diplomatie, die Abwicklung der Klinik abzuwenden und diese durch einen Prozess der Erneuerung – der nicht selten auch mit unpopulären Entscheidungen einherging – in die neue Zeit zu überführen. Vizepräsidentin Regine Held konstatierte in ihrer Laudatio: „Professor Harald Mau steht wie nur wenige unseres Berufsstandes für ärztliche Haltung. Er konzentrierte sich stets auf das Wohl seiner Patienten und hat zudem Verantwortung übernommen für das medizinische Team, für seine Mitarbeiter und für den medizinischen Nachwuchs.“

Als Standespolitiker hat Harald Mau sich auf unterschiedlichsten Ebenen für die Belange aller Ärztinnen und Ärzte eingesetzt und dabei rund 30 Jahre die Geschicke des NAV-Virchow-Bundes und die der Ärztekammer Berlin – zuletzt als Mitglied des Vorstandes – maßgeblich beeinflusst.

Der Namensgeber

Seit 2007 werden von der Ärztekammer Berlin vorbildliche Ärzte im Sinne Georg Klemperers geehrt. Namensgeber der Auszeichnung ist der Berliner Arzt, Forscher, Herausgeber und Hochschullehrer Professor Dr. Georg Klemperer (1865-1946). Der Sohn eines Rabbiners etablierte im Krankenhaus Moabit eine ebenso menschliche wie wissenschaftlich fundierte Medizin. Dazu holte er eine ganze Reihe innovativ denkender und handelnder Ärzte nach Moabit oder bildete diese selbst aus und stellte den kranken Menschen ins Zentrum ärztlichen Handelns. Unter seiner Leitung wurde das Krankenhaus zu einer Klinik mit überregionalem Ruf. 1935 musste Klemperer vor den Nazis in die USA fliehen.

Die Fotos sind unter Angabe der Quelle „ÄKB/K. Friedrich“ frei verwendbar.

www.aerztekammer-berlin.de