NS-Ausstellung05.11.2018

Bundesärztekammer zeigt Wanderausstellung „Erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“

Berlin - „Das Geschehene kann man nicht ungeschehen machen. Aber es bleibt die Verpflichtung, die Vergangenheit „gegenwärtig“ zu halten, so dass Lehren aus ihr gezogen werden können.“ Mit diesen Worten kündigte der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, die Wanderausstellung „Erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“ an. Die Ausstellung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) dokumentiert die Beteiligung von Ärzten an der systematischen Ermordung von Kranken. Sie ist für die Öffentlichkeit vom 9. bis 20. November 2018 im Haus der Bundesärztekammer zugänglich.

Die als „Euthanasieprogramm“ getarnte Ermordung von mehr als 200.000 psychisch kranken und geistig behinderten Menschen war eine nationalsozialistische Vernichtungsaktion gegen jeden, der nicht ihren Vorstellungen entsprach und als Belastung für die deutsche „Volksgemeinschaft“ diffamiert wurde. Nahezu 400.000 Zwangssterilisationen erfolgten ab 1934. Beteiligt waren nicht nur Verwaltung, sondern auch Psychiater, Kinder- und andere Fachärzte sowie Pflegekräfte.

Die Ausstellung greift exemplarische Biografien der Opfer und ihrer Täter auf. Der Blick der an den Verbrechen beteiligten Akteure auf ihre Patienten wird entlarvt und ihre Äußerungen werden mit dem Schicksal der Opfer kontrastiert.

In fünf Kapiteln wird der Besucher an den Leidensweg der Menschen herangeführt. Den Einstieg bieten Fotografien. Dann wird die Frage nach dem Wert des Lebens gestellt, verknüpft mit propagandistischen erbbiologischen Blickwinkeln. Der „Erbwert“ des Menschen als rassenhygienische Politik mit dem Ziel, die Bevölkerung „erbbiologisch“ zu kategorisieren – mit erschütternden Folgen: Zwangssterilisation und Ermordung von Menschen.

Das vorletzte Kapitel beleuchtet die Handlungsspielräume der Täter und Tatbeteiligten mit Wirkung der Morde in Gesellschaft, Familie und Kirche. „Die Ausstellung schließt mit einer Darstellung über den Kampf der Überlebenden und der Angehörigen ermordeter Patienten um gesellschaftliche und juristische Anerkennung des Unrechts.“

Die Wanderausstellung der DGPPN wurde in Kooperation mit den Stiftungen Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Topographie des Terrors erstellt und bereits von mehr als 355.000 Menschen besucht. Nachdem sie 2014 im Deutschen Bundestag unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck eröffnet wurde, war sie in 50 Orten in acht Ländern auf allen fünf Kontinenten  zu sehen (weitere Informationen zu der Ausstellung unter www.dgppn.de/ausstellung).

Die Ausstellung wird vom 9. - 20.11.2018 (Montag bis Donnerstag in der Zeit von 8.00 – 18.00, Freitag von 8.00 – 16.00 Uhr) im Haus der Bundesärztekammer, Herbert-Lewin-Platz 1, 10623 Berlin, gezeigt. Besucher werden gebeten, sich am Empfang im Foyer zu anzumelden.