Hessen29.07.2019

Hessen: Reform der Notfallversorgung muss funktionierende Strukturen integrieren

Frankfurt/Main - „Dass  Bundesgesundheitsminister  Jens  Spahn  die  Notaufnahmen  deutscher Krankenhäuser durch ein sektorenübergreifendes Versorgungskonzept entlasten will,  ist  ausdrücklich  zu  begrüßen.  Neu sind die Überlegungen zu einer Reform  der  Notfallversorgung  allerdings  nicht“,  betont  der  hessische Ärztekammerpräsident  Dr. med. Edgar Pinkowski. So sei sowohl auf Deutschen Ärztetagen  als  auch  auf  Delegiertenversammlungen  der Landesärztekammer
Hessen   wiederholt  die  Einführung  eines  Versorgungskonzepts  gefordert worden.

Vor  über  eineinhalb  Jahren  habe das Land Hessen von seiner gesetzlichen Möglichkeit  nach  §  90a  Sozialgesetzbuch  V  Gebrauch  gemacht  und  ein gemeinsames  Gremium  der  Akteure  im  hessischen  Gesundheitswesen – u. a. Landesärztekammer  Hessen, Kassenärztliche Vereinigung Hessen und Hessische Krankenhausgesellschaft   -   zu  sektorenübergreifenden  Versorgungsfragen gebildet.  „Ziel  ist es, die Schnittstellen der ambulanten und stationären Versorgung  stärker  zu vernetzen und hessenweit eine sektorenübergreifende Notfallversorgung   aufzubauen“,   erklärt  Pinkowski.  „Dabei  sollen  der Rettungsdienst   und  der  Ärztliche  Bereitschaftsdienst  (ÄBD)  gemeinsam gesteuert werden, selbstverständlich unter ärztlicher Leitung.“

Welche    Fortschritte    Hessen    bereits   bei   der   Neuregelung   der Notfallversorgung  gemacht  habe,  zeige  das  im  Oktober  2017 gestartete erfolgreiche  Modellprojekt  der  koordinierten Inanspruchnahme stationärer und  ambulanter Notfallbehandlung am Klinikum Frankfurt Höchst. Dort werden Patienten  an  einem  zentralen  Tresen  von  besonders geschultem Personal triagiert  und  entweder in die Praxis des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes oder in die Notfallaufnahme weitergeleitet. „Damit können sowohl Patienten, die ein dringendes medizinisches Problem haben als auch jene mit leichteren Beschwerden   dort   versorgt   werden,   wo  sie  mit  seinen  Beschwerden hingehören“, so Pinkowski weiter.

Außerdem  habe  die  Kassenärztlichen  Vereinigung  Hessen  um die Kliniken größerer Städte ein Netz von Partnerpraxen eingerichtet, in denen Patienten behandelt  werden,  die  eigentlich  dem ambulanten Sektor zuzuordnen sind, aber während der Praxisöffnungszeiten zunächst die Notaufnahme einer Klinik aufgesucht  hatten.

„Darauf     läuft    auch    der    jetzt    vom Bundesgesundheitsministerium   vorgelegte   Diskussionsentwurf  prinzipiell hinaus:   Gemeinsame   Notfallleitstellen   am   Telefon   sowie   zentrale Anlaufstellen  – die sogenannten Integrierten Notfallzentren (INZ) - an den Kliniken  sollen  dringende von weniger dringenden Fällen unterscheiden und entweder in die Notaufnahme, zum ärztlichen Bereitschaftsdienst oder in die Sprechstunde eines niedergelassenen Arztes weiter vermitteln.“

Pinkowski forderte, bereits existierende und gut funktionierende Strukturen bei  der  geplanten  Reform zu berücksichtigen und zu integrieren. Auch sei die  Messlatte, die notmedizinische Fachgesellschaften für die Auswahl des medizinischen  Fachpersonals  in  Integrierten  Notfallzentren  verlangten, überzogen,  „Die geplanten INZ sind nicht als Anlaufstelle für schwerkranke oder   schwerverletzte   Patienten   geplant.   Vielmehr   soll   hier  der Behandlungsbedarf  von  Patienten eingeschätzt  werden  –  dafür sind auch niedergelassene    Kolleginnen    und    Kollegen   durch   ihre   tägliche Berufserfahrung  mehr als ausreichend qualifiziert.“ Im Übrigen sollten die Berufsverbände,  die  jetzt  Beteiligungsansprüche  stellen,  zur  Kenntnis nehmen,  dass  die ärztlichen Selbstverwaltungskörperschaften qualifizierte Vertreter in die Gespräche und Verhandlungen dazu entsenden.

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