Thüringen14.06.2019

Medizinische Fortbildungstage Thüringen mit Anmelderekord eröffnet – Ärzte und Medizinische Fachberufe tagen in Erfurt

Ärztliche Verbände fordern mehr Medizinstudienplätze

Jena/Weimar -  Die von Landesärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung in Partnerschaft mit der Landeskankenhausgesellschaft Thüringen und dem Verband Leitender Krankenhausärzte gemeinsam veranstalteten Medizinischen Fortbildungstage Thüringen (MFTT) im Kaisersaal in Erfurt sind mit einem Anmelderekord von mehr als 1300 Teilnehmern erfolgreich gestartet. „Das spricht für das sehr gute und ansprechende Programm“, freut sich Tagungspräsident Prof. Dr. Heiko Wunderlich über diese tolle Zahl.
 
Fachkongress für alle Gesundheitsberufe
Die Medizinischen Fortbildungstage Thüringen sind der größte interdisziplinäre Fortbildungskongress in unserem Bundesland. Bereits zum sechsten Mal stehen für Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Medizinische Fachangestellte und Medizinisch-technische Assistentinnen/en (MTA) vom 12. bis zum 15. Juni im Erfurter Kaisersaal wieder vier Tage intensive, sponsorenfreie Fortbildung mit einer Vielzahl von Seminaren und Kursen auf dem Programm. Für Ärztinnen und Ärzte werden Themen wie Impfen, Notfallmedizin, Arzneimitteltherapie, Hygiene, Verkehrsmedizin, Diabetes, der onkologische Patient, Patientenverfügungen und sexuell übertragbare Erkrankungen angeboten. Weiterhin führen alle Thüringer Heilberufekammern gemeinsam eine Veranstaltung zum Thema „Differentialdiagnostik von Lymphknotenschwellungen“ durch.
 
Seminar zu „Gewalt – ein zunehmendes Problem in Kliniken und Praxen“
Neu in das Programm ist ein Fortbildungsangebot zum Thema „Gewalt – ein zunehmendes Problem in Kliniken und Praxen“ aufgenommen worden. Medizinisches Personal ist sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich, besonders im Rahmen der Notfallversorgung, zunehmend mehr verbalen Anfeindungen bis hin zu körperlichen Angriffen ausgesetzt. Mit dem Seminar sollen Ärztinnen und Ärzte und ihre Mitarbeiter in die Lage versetzt werden, Gefahren rechtzeitig zu erkennen, adäquat darauf zu reagieren und unangenehme sowie gefährliche Situationen selbstbewusst zu meistern.
Der Abschlusstag der MFTT ist dieses Jahr speziell dem mittleren medizinischen Personal mit einem Impfkurs oder einer Veranstaltung zum Notfallmanagement gewidmet.
 
Landesärztekammer, Kassenärztliche Vereinigung, Landeskrankenhausgesellschaft und Verband Leitender Krankenhausärzte beziehen Position zur Sicherung der gesundheitlichen Versorgung in Thüringen – mehr Medizinstudienplätze jetzt
 
Zur Eröffnung der Medizinischen Fortbildungstage haben die ärztlichen Körperschaften und Verbände – Landesärztekammer, Kassenärztliche Vereinigung, Landeskrankenhausgesell­schaft und der Verband Leitender Krankenhausärzte Thüringen Position zur Sicherung der gesundheitlichen Versorgung in Thüringen bezogen. „Wir stehen für eine klare Haltung, dass in Thüringen die medizinische Versorgung der Bevölkerung eine Zukunft haben muss. Und dies geht nur mit mehr Ärztinnen und Ärzten und mehr Studienplätzen, nicht nur hier vor Ort, sondern auch zeitnah. Das Thema darf nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden, es ist fünf nach zwölf!“, formuliert die Präsidentin der Landesärztekammer Dr. Ellen Lundershausen drastisch. Die zunehmend ältere Bevölkerung in unserem Bundesland führt zu einer Erhöhung der Frequenz der Arztkontakte, nennt Dr. Lundershausen einen wichtigen Punkt für die Forderung. Die 1. Vorsitzende des Vorstandes der KV Thüringen, Dr. med. Annette Rommel, unterstützt die Forderung der Landesärztekammer Thüringen. Zur Begründung verweist sie auf eine Statistik des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (ZI): „Bereits heute arbeiten die Ärzte in Thüringen pro Woche zwei Stunden mehr als der Bundesdurchschnitt. Grund ist die im Schnitt ältere Bevölkerung in Thüringen und die höhere Krankheitslast. Perspektivisch sind für die Versorgung deshalb mehr Ärzte nötig.“ Die kürzlich beschlossene neue Bedarfsplanungsrichtlinie würde genau das möglich machen, erklärt Frau Dr. Rommel weiter. Danach können in Thüringen ab 2020 bis zu 265 neue Arztsitze entstehen: „Hierfür benötigen wir junge Ärzte, und die bekommen wir erfahrungsgemäß am besten, wenn sie in Thüringen studieren.“
 
Letzteren Punkt unterstreicht die Vorsitzende der Landeskrankenhausgesellschaft Thüringen, Dr. Gundula Werner. „Angehende Studenten müssen vor Ort genug Studienmöglichkeiten finden. Studien belegen: Studenten, die z. B. in Erfurt, Weimar oder Jena studieren, haben eine große Heimatnähe und bleiben Thüringen gerne treu.“
 
Dr. Frank Lange als Vorsitzender des Verbandes Leitender Krankenhausärzte ergänzt: „60 Prozent der Krankenhäuser haben Stellenbesetzungsprobleme im ärztlichen Dienst. Dabei gab es keine Unterschiede in Bezug auf die Größe der Häuser und die regionale Lage (Ballungsgebiete, städtische und ländliche Räume). Ursachen dafür sind u. a. die Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes und der zunehmende Anteil von Ärztinnen in Klinik und Praxis mit einem immer größeren Teil von Teilzeitbeschäftigung.
 
„Die Erhöhung der Anzahl der Medizinstudienplätze in Thüringen ist eine seit langem notwendige Maßnahme und alternativlos“, so gemeinsam Dr. Ellen Lundershausen, Präsidentin der Landesärztekammer, Dr. Annette Rommel, 1. Vorsitzende der KV, Dr. Gundula Werner, Vorsitzende der Landeskrankenhausgesellschaft, und Dr. Frank Lange, Vorsitzender des Verbandes Leitender Krankenhausärzte am Rande der Medizinischen Fortbildungstage Thüringen.

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