Niedersachsen02.12.2019

Niedersachsen: Sicherstellung des hohen medizinischen Standards

Ärztekammer Niedersachsen beschließt mit der neuen Weiterbildungsordnung auch eine neue Weiterbildungskultur

Hannover - Die Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen hat in ihrer Sitzung am 30. November mit großer Mehrheit eine neue Weiterbildungsordnung verabschiedet. „Mit dieser neuen Ordnung ebnen wir den Weg für eine moderne und zukunftsgerichtete ärztliche Weiterbildung“, sagt die Vizepräsidentin der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), Marion Charlotte Renneberg. 


Dr. med. Gisbert Voigt, Mitglied des ÄKN-Vorstands, hat die Novellierung der Weiterbildungsordnung auf Landes- und auf Bundesebene von der ersten Stunde an begleitet und stellte die neue niedersächsische Weiterbildungsordnung (WBO) den Delegierten vor. Er betont: „In der neuen WBO stehen die Inhalte, die in zwei Kompetenzebenen erworben werden müssen, im Vordergrund.“ Die Kompetenzen gliedern sich hierbei in Kognitive und Methodenkompetenz (Kenntnisse) und in Handlungskompetenz (Erfahrungen und Fertigkeiten). 


Die neue WBO soll zum 1. Juli 2020 in Kraft treten. Die Ärztekammer Niedersachsen orientiert sich mit ihrer WBO in den meisten Fällen an der auf dem diesjährigen Deutschen Ärztetag beschlossenen Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer. Professor Dr. med. Bernd Haubitz, Vorsitzender des Kammerversammlungsausschusses für Ärztliche Weiterbildung, hat die Ausarbeitung der neuen WBO ebenfalls auf Bundes- sowie auf Landesebene entscheidend begleitet. Er hat der Kammerversammlung die Verabschiedung der niedersächsischen WBO mit Nachdruck ans Herz gelegt. Der MHH-Professor bekräftigt: „Es handelt sich hier um einen Paradigmenwechsel und ein großartiges Gesamtwerk.“ 


Niedersachsen setzt auf gut ausgebildete Weiterbilder 
Eine niedersächsische Besonderheit in der WBO ist, dass Ärztinnen und Ärzte, die Kolleginnen und Kollegen in ihrem Fachgebiet weiterbilden möchten, an sogenannten Train-the-Trainer-Seminaren teilnehmen müssen. In § 6 Absatz 2 WBO heißt es: „Sie setzt voraus, dass sich das Kammermitglied in von der Ärztekammer angebotenen oder anerkannten Veranstaltungen über die Rahmenbedingungen einer qualitätsgesicherten Weiterbildung sowie Grundlagen der Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten unterrichtet hat [...].“ Voigt erläutert: „Die Teilnahme an derartigen Seminaren erhöht die Ausbildungskompetenz der weiterbildenden Kolleginnen und Kollegen.“ Über dieses Angebot können zum einen die geänderten Anforderungen durch die neue WBO vermittelt und zum anderen die hohe Qualität der ärztlichen Weiterbildung sichergestellt werden. 


In Niedersachsen können Ärztinnen und Ärzte außerdem noch bis zum Jahr 2030 die zusätzlichen Weiterbildungen „Genetische Beratung, fachgebunden“, Genetische Beratung im Kontext der vorgeburtlichen Risikoabklärung“, „Labordiagnostik, fachgebunden“ und „Röntgendiagnostik der Mamma“ erwerben. Die Weiterbildung „Homöopathie“ hingegen wurde nicht wieder aufgenommen. 


Weitere Anpassungen geplant 
Damit ist die neue WBO jedoch noch lange nicht fertig. So sollen 2020 neue Weiterbildungen hinzukommen wie „Forensisch-psychiatrische Begutachtung“ und „Ophthalmologische Operationen“. Und für die Weiterbildung „Klinische Umweltmedizin“ soll zur nächsten Kammerversammlung im Frühjahr 2020 eine beschlussfähige Vorlage erarbeitet werden. 


Voigt ergänzt: „Erst wenn wir im Alltag mit der neuen WBO arbeiten, wird sich herausstellen, ob alle Inhalte und Reglungen praktikabel sind. Es ist gut möglich, dass wir im Laufe unserer praktischen Erfahrungen noch weitere Anpassungen vornehmen müssen.“

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