Westfalen-Lippe04.07.2019

Westfalen-Lippe: Windhorst: Ärzte sind Sterbebegleiter ihrer Patienten, keine Suizidunterstützer

Kammer kritisiert Sterbehilfe-Urteil des Bundesgerichtshofes: „Selbsttötung ist keine Therapie, Wegschauen ist keine Hilfe“

Münster - Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) sieht das aktuelle Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) zur Sterbehilfe kritisch. Der BGH hat zwei Ärzte vom Vorwurf freigesprochen, ihre Patienten bei der Selbsttötung unterstützt zu haben.
 
ÄKWL-Präsident Dr. Theodor Windhorst bedauert die Entscheidung des Gerichts und verweist dabei auf die ärztlich-ethische Versorgungsphilosophie: „Hilfe zur Selbsttötung ist und bleibt keine ärztliche Aufgabe. Das Sterben lässt sich nicht in juristische Kategorien einteilen.“ Deshalb sei stets eine Einzelfallbetrachtung vonnöten, um die Würde des Menschen in der Sterbephase zu erhalten. Die Entscheidung über ärztliches Handeln liege mit letzter Verantwortung beim Arzt und Patienten selbst. „Ärztinnen und Ärzte tragen eine große Verantwortung bei der Sterbebegleitung. In der Stunde der Not lässt der Arzt seinen Patienten und auch dessen Angehörige nicht im Stich. Jede Ärztin, jeder Arzt ist ein Sterbebegleiter, aber kein Suizidunterstützer“, betont Windhorst.
 
„Der Wille des Patienten ist das höchste Gut. Aber Menschen, die etwa in depressiven Lagen für sich keinen Lebensausweg mehr sehen und dabei ihre wirkliche Situation nicht erkennen können, muss der Arzt helfen. Krankheiten sind dazu da, geheilt zu werden, nicht um über sie hinwegzusehen. Es gilt, Therapien und Hilfen einzuleiten. Wegschauen darf nicht Grundlage im Arzt-Patienten-Vertrauensverhältnis sein.“
 
Die Umsetzung des Sterbewunsches eines Patienten sei für den Arzt ethisch und gesetzlich nicht vertretbar. Kammerpräsident Windhorst verweist hier auch auf die Berufsordnung der ÄKWL, wonach Ärztinnen und Ärzte Sterbenden unter Wahrung und Achtung von deren Willen und Würde beizustehen haben, es ihnen aber verboten ist, Patientinnen oder Patienten auf deren Verlangen zu töten. Windhorst: „Ärzte sollen keine Hilfe zum Suizid leisten. Selbsttötung ist keine Therapie, Wegschauen ist keine Hilfe.“

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