Berlin, 19.05.2011

„Wenn wir die ärztliche Weiterbildung in Deutschland kontinuierlich verbessern wollen, müssen wir Klarheit darüber haben, wo es Probleme gibt und wie sie zu lösen sind. Deshalb werden wir auch in diesem Jahr Weiterzubildende und Weiterbilder systematisch über ihre berufliche Situation befragen und die Ergebnisse gründlich aufarbeiten.“ Dies sagte Dr. Franz-Joseph Bartmann, der den Vorsitz der Weiterbildungsgremien der Bundesärztekammer inne hat, zum Start der diesjährigen Befragungsrunde des Projektes „Evaluation der Weiterbildung“. Das Online-Portal wird am 1. Juni frei geschaltet. Bartmann betonte, die Initiatoren erwarteten von dieser Befragung wichtige Erkenntnisse, um einerseits eine gute Weiterbildung garantieren zu können, andererseits aber auch dem zunehmenden Ärztemangel in der Patientenversorgung entgegenzuwirken. „Wir rufen deshalb alle Weiterbildungsstätten auf, sich für eine hohe Beteiligung zu engagieren.“

Bereits 2009 hatte die Bundesärztekammer gemeinsam mit den Landesärztekammern eine Evaluation der Weiterbildung in Deutschland vorgenommen. Damals beteiligten sich bundesweit rund 30.000 Ärztinnen und Ärzte. Die Weiterbildung selbst wurde über alle Fachgebiete mit einer relativ guten Durchschnittsnote von 2,6 bewertet. Allerdings beklagten die Weiterzubildenden die Rahmenbedingungen, insbesondere zu hohe Arbeitsbelastung, Bürokratie und Überstunden in ihrem Berufsalltag.

Wie 2009 wird auch die zweite Befragungsrunde durch die „Professur Consumer Behavior“ der ETH Zürich wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Die Schweiz verfügt inzwischen über eine 14-jährige Erfahrung mit der Evaluation der Weiterbildung, die dort einmal jährlich stattfindet. Anders als in der Schweiz, wo die Befragung der Assistenzärzte per Post und Papier über die Weiterbildungsbefugten erfolgt, werden die Beteiligten in Deutschland über ein Internetportal befragt. In Auswertung der Erfahrungen der ersten Befragungsrunde 2009 in Deutschland erhalten die Weiterzubildenden in diesem Jahr ihre persönlichen Zugangsdaten zum Webportal der Evaluation nicht von ihren Weiterbildern, sondern direkt von ihrer zuständigen Ärztekammer. Weiterzubildende können aber auch unabhängig vom Weiterbildungsbefugten an der Evaluation teilnehmen, wenn sie sich direkt an die speziell eingerichteten Hotline-Stellen der Ärztekammern wenden. „Die Anonymität der Teilnehmer ist gewährleistet“, versicherte Bartmann. Ärztinnen und Ärzte, die in einer kleinen Abteilung arbeiteten, könnten zudem angeben, dass ihre Bewertung nur in die Landes- und Bundesberichte eingeht.

„Am 31. Juli 2011 endet die Möglichkeit zur Teilnahme der Weiterbildungsbefugten an der Befragung. Einen Monat später – am 31. August – müssen  die Weiterzubildenden ihren Fragebogen abgesendet haben.“, erläuterte Bartmann.

Die Ergebnisse bezüglich der eigenen Weiterbildungsstätte werden den Weiterbildungsbefugten im Herbst 2011 als sogenannter individueller Befugtenbericht im Webportal zur Verfügung gestellt. Nach der Befragung 2011 würden ausgewählte aggregierte Mittelwerte zu einzelnen Fragenkomplexen aus dem Individuellen Befugtenbericht in Form eines Spinnendiagramms der Weiterbildungsstätte veröffentlicht. Bartmann wies darauf hin, dass die Befugten einer Veröffentlichung innerhalb einer vorgegebenen Frist widersprechen könnten. Der Weiterbildungsexperte glaubt jedoch nicht, dass viele Ärzte davon Gebrauch machen werden: „Einer Veröffentlichung zu widersprechen, würde sicher kein gutes Licht auf die eigene Abteilung werfen.“ Vielmehr rief er alle Befugten dazu auf, die Ergebnisse mit den Weiterzubildenden ausführlich zu besprechen.