Bremen16.07.2019

Ärztekammer Bremen: Schlüsse der Bertelsmann-Studie gehen zu weit

Qualität und flächendeckende Krankenhausversorgung sichern

Bremen - „Wer Krankenhäuser schließen möchte, muss die gesamte medizinische Versorgungsrealität einbeziehen“, sagte Dr. Heidrun Gitter, die Präsidentin der Ärztekammer Bremen, im Hinblick auf eine jetzt veröffentlichte Bertelsmann-Studie zur Krankenhausversorgung in Deutschland. Die Autoren der Studie hatten vorgeschlagen, nur etwa 600 von den derzeit rund 1.400 Krankenhäusern in Deutschland zu erhalten, sie mit mehr Geld und Personal auszustatten und so eine bessere Patientenversorgung zu erreichen.

„Die Bremer Ärzteschaft unterstützt schon lange Vorschläge zu einer Krankenhausplanung, die an Strukturqualität orientiert ist“, sagte Heidrun Gitter. Krankenhäuser in Bremen, die öffentliche Gelder für Investitionen und die Vergütungen der gesetzlichen Krankenkassen erhalten wollen, müssen sich zum Beispiel an der Facharzteiterbildung beteiligen. Dazu prüft die Ärztekammer Bremen auch die notwendigen Strukturen. „Wer einen Versorgungsauftrag für ein Spezialgebiet haben möchte, muss auch für die Qualifizierung des nötigen Personals sorgen und das notwendige Personal und die notwendigen Strukturen rund um die Uhr vorhalten“, so Gitter. In dieser Auffassung fühlt sich die Ärztekammer Bremen von der zuständigen Gesundheitsbehörde und auch den Kostenträgern unterstützt. „Die Krankenhausplanung in Bremen hat bereits vor Jahren begonnen, Dinge zu berücksichtigen, die in der Bertelsmann-Studie vorgeschlagen werden“, sagte Gitter.

Patientinnen und Patienten müssen flächendeckend auf eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung zugreifen können. „Da haben Städte wie Bremen und Bremerhaven Vorteile gegenüber Flächenstaaten wie Niedersachsen“, sagte Gitter. „Bremer Krankenhäuser versorgen in Teilen auch das niedersächsische Umland mit, das darf nicht vergessen werden.“ Nach Angaben der Bremer Krankenhausgesellschaft kommen 50 Prozent der Patienten in den Bremerhavener Krankenhäusern aus dem niedersächsischen Umland, in Bremen sind es 40 Prozent.

Sinnvoll wäre aus Sicht der Ärztekammer Bremen eine bessere Vernetzung der ambulanten und stationären Versorgung, gerade auch in der gemeinsamen Sicherstellung der Rund-um-die Uhr-Versorgung. Heidrun Gitter: „Dann könnte man die Versorgung noch viel besser nach dem Bedarf der Patienten ausrichten – und man würde mehr über notwendige Leistungen und weniger über aufgestellte Betten sprechen.“

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