Hessen27.03.2019

Geringer Anstieg ärztlicher Behandlungsfehler in Hessen

Gutachter- und Schlichtungsstelle der Landesärztekammer Hessen erkennt 110 Behandlungsfehler im Jahr 2018 an

Frankfurt - Im  Jahre  2018  wurden  bei  der  Gutachter-  und  Schlichtungsstelle  der Landesärztekammer Hessen 899 Anträge  vermuteter Behandlungsfehler gestellt. „Die   nahezu   unverändert   hohen   Antragszahlen  zeigen,  wie  gut  die Patientinnen   und Patienten über Ihre Rechte informiert sind – und dass sie der Arbeit der Schlichtungsstelle viel Vertrauen entgegenbringen“,  sagt der hessische   Ärztekammerpräsident   Dr.   med.   Edgar  Pinkowski.  Bei  der gutachterlichen   Überprüfung  erweise sich dann allerdings nur ein Teil der eingereichten Patientenvorwürfe tatsächlich als Behandlungsfehler.

Im  vergangenen  Jahr  bejahte die Gutachter- und Schlichtungsstelle in 110 (26,6%)   der  413  gutachterlich  abschließend   geprüften  Verdachtsfällen Behandlungsfehler von Ärztinnen und Ärzten sowohl im ambulanten als auch im stationären    Bereich.   Zum   Vergleich:   2017   waren  106  (24,3%)  der begutachteten  Verdachtsfälle  als Behandlungsfehler eingestuft  worden. Ein Qualitätsverlust  in  Klinik  und  Praxis  lasse sich daraus nicht ablesen, erklärte  Dr.  Pinkowski,  denn „die Zahl der anerkannten Behandlungsfehler ist 2018 prozentual nur geringfügig gestiegen".

In   220   der   413   gutachterlich  überprüften  Verdachtsfälle  ergingen Kommissionsentscheidungen. „Bei der Bearbeitung   steht nicht die Quantität, sondern  die  Qualität  im  Vordergrund“, betonte der Kammerpräsident: „Die Kommissionsverfahren  verlängern zwar unvermeidlich die Bearbeitung, erhöhen aber  dank  des zugrundeliegenden Mehraugenprinzips die  Glaubwürdigkeit der eingeholten  Gutachten.“  Im Kommissionsverfahren, einem zweitinstanzlichen Verfahren  vergleichbar,   wird  das  eingeholte  Gutachten  noch einmal von mindestens  zwei  weiteren  ärztlichen  Sachverständigen und einem Juristen überprüft.

Die  meisten  Behandlungsfehlervorwürfe wurden auch 2018 auf dem Fachgebiet der Chirurgie erhoben, insbesondere den Fachgebieten Orthopädie/Unfallchirurgie,  Allgemeinchirurgie und Neurochirurgie, gefolgt von Frauenheilkunde und Innerer  Medizin. Von den 413 gutachterlich geprüften Patientenvorwürfen entfielen 73 auf die Orthopädie,  67  auf die Unfallchirurgie, 40  auf die Allgemeinchirurgie, 28 auf  die  Neurochirurgie,  27 auf die Frauenheilkunde und 20 auf die Innere Medizin.

„Jeder  Behandlungsfehler  ist  einer zu viel“, betont Dr. Pinkowski. Durch die von der Politik seit Jahren vorangetriebene,  mit  erhöhter Arbeitsverdichtung   und  Belastung  von  Ärzten  und  Pflegern  verbundene Ökonomisierung  des   Gesundheitswesens steige, so Dr. Pinkowski, allerdings auch  das Fehlerrisiko. „Dass in Hessen die Zahl der Behandlungsfehler  2018 dennoch   nur   geringfügig   angestiegen   ist,  ist  ein  Beleg  für  die qualitätsbewusste und verantwortungsvolle Arbeit in Kliniken und Praxen."

Die  organisatorisch  bei  der  Landesärztekammer angesiedelte, unabhängige Gutachter-   und   Schlichtungsstelle   wird   von Juristen,   ehemaligen Vorsitzenden  Richtern  des  Bundes und der Länder, geleitet. Sie überprüft ärztliche Behandlungen auf  behauptete Fehler in einem freiwilligen, für den Antragsteller  kostenlosen Verfahren. Das Verfahren vor der Gutachterstelle soll   zur   Klärung  von  Streitigkeiten  zwischen  Patienten  und  Ärzten beitragen, die durch den Vorwurf eines Behandlungsfehlers entstanden sind.

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